Der verborgene Römerturm

März 2013 / Verborgene Orte
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Der verborgene Römerturm

März 2013 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

An der Nordseite des Kölner Doms, direkt unter den Bauten eines Fotofachgeschäfts, wo die Reisenden die Treppen der Domplatte vom Hauptbahnhof heraufkommen, liegt unter der Erde ein römischer Wehrturm aus dem 1. Jahrhundert nach Christus verborgen. Durch Zufall erfuhren wir von dem Turm – auf der Suche nach den Überresten verschütteter Stadtmauerteile, die der Öffentlichkeit verborgen sind. „Und tatsächlich,“ so Dr. Alfred Schäfer vom Römisch Germanischen Museum, „wissen nur wenige Menschen von dieser Besonderheit im unterirdischen Dunkel unserer Stadt.“

 

Wie kommt der Wehrturm unter die äußeren Fundamente des Kölner Doms? Die Erklärung ist simpel: Der ursprüngliche Dom stand dicht an der Stadtmauer der Nordseite der Colonia Claudia Ara Agrippinensum (CCAA), wie die stolze Stadt am Rhein von den Römern benannt wurde. Als man die Grundmauern des alten Doms in ihrer Ausrichtung für den Bau des heutigen Doms nutzte, musste der alte Wehrturm den nun ausufernden neuen Fundamenten zum größten Teil weichen. Man trug den oberen Teil des Turmes ab und überbaute dessen untere Hälfte, die nun 2000 Jahre später über Magazin- und Kellerräume zu erreichen ist.

Die Überreste einer römischen Wehranlage

Was von dem alten Wehrbau übrig blieb, ist ein niedriges „Kuchenstück“ des Turmes, der ursprünglich einen Durchmesser von etwa neun Metern hatte. Die damalige Höhe ragte circa 13 Meter auf. Die feldseitige Außenmauer des Rundturmes besaß eine Stärke von wehrhaften 2,50 Meter, die den Innenraum mit einem Durchmesser von 6,50 Meter umgab. Die fast vier Kilometer lange römische Stadtmauer nahm damals eine Fläche von ungefähr einem Quadratkilometer ein. Insgesamt sind 18 weitere Rundtürme überliefert. Hinzu kommen die Flankiertürme der Stadttore und die quadratischen Türme der Rheinfront.

Nur anhand der Ansicht des nordwestlichen Eckturms der ehemaligen römischen Stadtbefestigung, der an der Zeughausstraße größtenteils vollständig erhalten ist, lässt sich erahnen, wie der verborgene Römerturm einst aussah. Reiche Verzierungen, bestehend aus mosaikartig angeordneten Ornamenten, gearbeitet aus verschiedenfarbigen Natursteinen wie etwa Kalkstein, Sandstein, Grauwacke und Trachyt, bildeten einst die Außenhaut seiner Mauern. Leider ist bei dem verschütteten Turm nur noch ein Teil der Ornamentik zu bewundern Teil nicht mehr vorhanden. An ihrer Stelle zeigt sich nur noch der „römische Beton“, der bis zum heutigen Tage zu den langlebigsten Betonarten zählt.

Im Übrigen trugen die alten Wehrtürme ursprünglich gar keine Zinnenkränze, wie sie vom Römerturm an der Zeughausstraße 13 bekannt sind. Die Türme waren zur Zeit ihrer Erbauung viel höher – geschützt von einem flachen Runddach. Die Zinnen wurden um 1900 als stilfremde Zierde aufgesetzt, was den Römern vermutlich gar nicht gefallen hätte. Der Zugang zu den Türmen war weder innerhalb noch außerhalb der Stadtmauern ebenerdig möglich. Man vermutet, dass die Türme auf der Höhe der Wehrgänge durch eine Leiter bestiegen wurden.

www.dombau-koeln.de

 
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