»Glück auf!« in Köln Ein Bergwerksstollen unter der Kölner Uni

November 2017 / Verborgene Orte
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»Glück auf!« in Köln
Ein Bergwerksstollen unter der Kölner Uni

November 2017 / Verborgene Orte 

Kopf einziehen und ducken: Wer durch die kleine und niedrige Tür tritt, die wie der Eingang zu einem Bunker wirkt, betritt eine andere Welt: einen tunnelartigen Raum. Die Wände sind mit dutzenden alter Holzbalken gestützt. Das Licht ist schummrig. Eine metallene Lore steht auf krummen Schienen und scheint gleich umzukippen. An der Seite liegt Bergmanns-Ausrüstung aus einer vergangen Zeit. Es scheint, als würde jeden Moment Indiana Jones um die Ecke kommen und mit seinem Lasso Schurken einfangen. Es handelt sich um einen alten Bergwerksstollen, gebaut 1932. Doch der Stollen liegt nicht im Ruhrgebiet – er befindet sich unter der Kölner Uni. Genauer gesagt: im Hauptgebäude direkt unter der Aula. Oben sitzen täglich hunderte Studierende und Lehrende in Vorlesungen und tragen ihre Bücher und Laptops durch die hellen Universitätshallen – nichts ahnend, dass unter ihnen ein skurriles Relikt aus der Vorkriegszeit schlummert.

Schutzpatronin der Bergleute

Barbara-Stollen heißt das kleine Bergwerk. Denn die christliche Märtyrerin Barbara von Nikomedien ist die Schutzpatronin der Bergleute. Dabei hat hier nie ein Bergmann Schutz benötigt. Denn der Stollen ist nur ein Scheinbergwerk. Von der Kohle, die an den Wänden glitzert, ließe sich nicht viel abbauen. Die Schicht ist gerade mal 20 Zentimeter dick, angeklebt mit Teer. „Hier sollten die Studierenden ihre Studieninhalte ganz praktisch erfahren“, erläutert der Rentner Hans Josef Henerichs, der gelegentlich Führungen im Stollen gibt. Der Barbara-Stollen war Teil des damals an der Hochschule angesiedelten Museums für Handel und Industrie. Während der rheinisch-westfälischen Wirtschaftsausstellung 1933 haben angeblich auch viele andere Kölner begeistert Blicke in das Schau- und Lehrbergwerk geworfen. In den Wirren des Zweiten Weltkrieg geriet der Stollen aber in Vergessenheit. Erst 1984 wurde er zufällig wiederentdeckt. „Die Legende besagt, dass irgendwann jemand einen Schrank zur Seite schob und der Eingang zum Stollen zum Vorschein kam“, berichtet Henerichs. Dramaturgisch weniger spannend flammte die Erinnerung an den Stollen laut anderen Schilderungen beim Durchstöbern alter Karten wieder auf.

Wie ein „echtes Bergwerk“

Obwohl der Stollen selbstverständlich nicht so groß ist wie ein richtiger – er ist vielleicht knappe 40 Meter lang –, zeigt er doch alles, was ein wirkliches Bergwerk zur damaligen Zeit ausmachte: Hammer und Schlegel, Warn- und Hinweisschilder, Schüttelrutsche, mehrere Grubentelefone. Eine Druckluftanlage versorgt die Abbauhammer mit Energie. Mit einer Wettertür lassen sich Teile des Stollens klimatisch voneinander abschotten. Der am Rand liegende lederne Rucksack mit Erste-Hilfe-Material könnte heute auch als Hipster-Accessoire in Ehrenfeld getragen werden. Sogar zwei Fahrstühle, einen für die Loren und einen für Personen, sind im Stollen zu sehen. Bis zum Vorzimmer des Rektorats kommen aber weder Loren noch Menschen. Denn die Fahrstühle sind blind; es gibt keinen Deckendurchbruch. Auch die Atmosphäre ist real: rußig, düster, warm. Wer sich nicht selbst daran erinnert, könnte glatt vergessen, dass es nur ein Scheinstollen ist. Nur Indiana Jones wird sicherlich nicht wirklich vorbeikommen

 

»Der 1932 errichtete Stollen wurde erst 1984 zufällig wiederentdeckt.«

 

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