Überm Duffesbach

Juli 2017 / Verborgene Orte
«

Überm Duffesbach

Juli 2017 / Verborgene Orte 

  Kölner Orte   (Teil 20)

Wer mit der Bahn von Köln nach Mainz fährt, erlebt beim Blick aus dem Fenster eine der romantischten Bahnstrecken Deutschlands. Denn die Bahntrasse führt direkt am Rhein entlang. Eine ähnlich romantische Aussicht – naja fast – könnten eigentlich KVB-Passagiere der Linie 18 zwischen Klettenbergpark und Eifelwall erleben. Könnten! Wenn man nicht irgendwann das Gewässer, das hier fließt, einfach unter die Erde gelegt hätte. Wer sich schon immer gefragt hat, warum es in Köln jenseits sichtbaren Wassers Straßen wie „Am Duffesbach“, „Am Weidenbach“ und „Am Faulbach“ gibt, weiß jetzt warum: Die Straßen lagen früher tatsächlich an Bächen, nur fließen jene inzwischen unterirdisch. Der Duffesbach etwa unter der Luxemburger Straße, der Faulbach unter der Keupstraße. Romantisch sieht der Duffesbach unter der Erde allerdings längst nicht mehr aus. Er ist entweder in ein Betonbett eingepfercht oder in Kunststoffrohren. Insgesamt 15 der 74 Bachkilometer im Kölner Stadtgebiet sind derart verrohrt. Und mit „fließendem Wasser“ ist es beim Duffesbach stellenweise auch nichts mehr. Vielmehr ist der Duffesbach derzeit eher eine Art stehende Wasserpfütze. „Vermutlich hat sich irgendwo zu viel Sediment abgelagert und verstopft den Bach“, sagt Christian Mörchen, der bei den Stadtentwässerungs-Betrieben (StEB) für den Gewässerausbau zuständig ist.

Fluss unter die Straße gelegt

Wann und warum genau die Kölner den Duffesbach unter die Erde verfrachtet haben, weiß der Stadtmitarbeiter nicht mit Gewissheit. „Wahrscheinlich kam die Industrialisierung mit der gründerzeitlichen Stadterweiterung und dem Bau der Vorgebirgsbahn den Bächen in die Quere.“ Platz war in Köln schließlich schon immer rar – und wo Bäche flossen, hatten die Kölner die Stadt von Häuserfluchten verschont gelassen. Perfekt für Straßenerweiterungen – also wanderte der Fluss einfach unter die Straße. Heute ist der Duffesbach im Linksrheinischen – wie der Faulbach im Rechtsrheinischen – ein verborgener Ort. Nur bis zum Militärring sieht er wie ein „ganz normaler“ Bach aus; von Hürth kommend fließt er entlang der Berrenrather Straße. Dann wird er nach unten geleitet. Zunächst verläuft der Duffesbach genau in der Mitte der Luxemburger Straße. Hinterm Amtsgericht biegt er ab und umrundet halb das Areal des neuen Archivs. Allerdings alles etwa einen Meter unter der Oberfläche.

Gullideckel sind Einstiege zum Bach

Wer mit wachem Auge spazieren geht, kann das Gewässer aber durchaus erahnen. Viele rechteckige Gullideckel führen nicht in die Kanalisation, sondern dienen als Einstieg zum Bach. Rechtsanwälte und Gerichtsmitarbeiter, die mittags auf dem etwas höher gelegenen Fußweg am Amtsgericht spazieren gehen, gehen genau auf dem Bachbett entlang. Auch Spaziergänger im Klettenbergpark und am Decksteiner Weiher überqueren, ohne es zu wissen, unterirdische Zuläufe. Denn sowohl der Weiher als auch der Teich im Klettenbergpark sind mit dem Bach verbunden. Bis in die Altstadt arbeitet sich der Duffesbach unbemerkt unter der Oberfläche vor. Zwischen Schokoladenmuseum und Deutzer Brücke mündet er dann in den Rhein. „Ursprünglich versickerte der Bach schon vorher, aber aus wirtschaftlichen Gründen wurde er im Mittelalter bis zum Rhein verlängert“, sagt StEB-Mitarbeiter Mörchen. Wirtschaftliche Gründe – damit sind Müller und Gerber gemeint, die das Bachwasser für ihre Geschäfte nutzbar machen wollten. Noch heute zeigen die Straßen Rothgerberbach und Blaubach sowie Mühlenbach und Filzgraben den Bachverlauf an.

Duffesbach bald wieder frei?

In der Zukunft könnte der Bach im Bereich des Eifelwalls wieder erlebbar werden. Die Stadt überlegt, ihn – wie übrigens auch den Faulbach in Mülheim – teilweise wieder freizulegen oder zumindest oberirdisch durch Markierungen anzuzeigen. Vom Planschen im Duffesbach würde StEB-Mitarbeiter Christian Mörchen aber erst mal abraten. Denn das Wasser des Duffesbachs speist sich aus Kläranlagenwasser. „Zudem hat der Bach einen ganz eigenen Geruch, irgendwie nach alter Industrie“, meint  örchen. Fische und andere Bachtiere gibt es im Duffesbach gar nicht mehr. 

»Die Stadt überlegt, den Bach teilweise wieder freizulegen

 

 
Zurück zur Übersicht
Achtung:
neue Anschrift