Die Lotsen der Lüfte und Lasten

Mai 2017 / Verborgene Orte
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Die Lotsen der Lüfte und Lasten

Mai 2017 / Verborgene Orte 

  Kölner Orte   (Teil 19)

Bildschirme, Drucker, Kaffeemaschine – so weit alles wie in einem gewöhnlichen Büro. Doch ansonsten ist dieses „Büro“ alles andere als gewöhnlich: Denn es liegt in 56 Meter Höhe und bietet einen Rundum-Ausblick vom Siebengebirge bis zur Kölner Innenstadt: der Tower am Köln-Bonner Flughafen. Hier sorgen mehrere Fluglotsen (und Fluglotsinnen) dafür, dass alle Flüge sicher landen und starten können. Etwa 400 Mal jeden Tag. „Vor allem nachts ist viel los“, sagt Michael Fuhrmann, Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung NRW. Denn dann gingen die ganzen Fracht-Maschinen rein und raus. Auch tagsüber müssen etliche Flüge parallel koordiniert werden. ...lesen Sie den ganzen Text der Serie "Kölner Orte" in unserer Frühjahresausgabe!

            »Tag für Tag müssen etwa 400 Flüge sicher landen und starten.«

Doch Stress merkt man den Fluglotsen nicht an. Schließlich ist Stressresistenz eine der wichtigsten Qualifikationen für den Beruf. Auf 24 Bildschirmen verfolgen die Fluglotsen Flugbewegungen, Wetterverhältnisse und das Treiben auf dem Rollfeld. Per Funk geben sie den Pilotinnen und Piloten Anweisungen, alles auf Englisch. Zwischendurch melden sich unangekündigt Sportflieger, Hubschrauber und andere kleine Maschinen, die den Luftraum des Flughafens durchqueren wollen. „Die Lotsen überwachen von hier aus den Luftraum im Umkreis von 20 Kilometern und bis 800 Meter Höhe“, erläutert Fuhrmann. An den Rändern übergeben die Tower-Lotsen an Kollegen in der Kontrollzentrale in Langen bei Frankfurt. Denn alles, was auf den Strecken zwischen Flughäfen geschieht, wird in Deutschland aus vier Kontrollzentralen gesteuert: Langen, Bremen, Karlsruhe und München. Der internationale Luftraum ist also wie ein großes Puzzle über den Köpfen der Bevölkerung. Den Arbeitsplatz wechseln – von einem Tower in einen anderen oder in ein Center – können Lotsen nicht. Sie erhalten ihre Lizenz speziell für einen Tower.  Denn jeder Flughafen ist anders“, meint Fuhrmann. Zu den Besonderheiten des Köln- Bonner Flughafens zähle zum Beispiel, dass es drei Start- und Landebahnen gibt statt nur eine. „Das macht flexibel, ist aber auch komplex zu koordinieren.“

7,5 Millionen Koffer pro Jahr
Rund um die Uhr: 7,5 Millionen Koffer müssen pro Jahr bewegt werden.

Komplex zu koordinieren sind am Flughafen auch Gepäckstücke. Um diese Aufgabe kümmern sich die 130 Mitarbeiter der Gepäcksortierung, bis zu 40 in jeder Schicht. Auch ihr Arbeitsort gehört zu den Orten, die Passiere nicht zu sehen bekommen – und nicht zu hören. Denn die Laufbänder und Sortieranlagen in der großen Gepäckhalle machen ganz schön Lärm. „Etwa 7,5 Millionen Koffer laufen hier jedes Jahr durch“, erläutert Erol Akbaba stellvertretender Betriebsleiter der Gepäcksortierung.  icherheitscheck und Sortierung funktionieren fast vollkommen automatisch: Zunächst müssen alle Koffer durch ein Röntgengerät. Dann tastet ein 360-Grad-Scanner die Koffer nach dem Barcode-Anhänger vom Check-In ab. So erfährt die Anlage, wo sie den jeweiligen Koffer loslassen muss. An den Ausgabeenden nehmen die Mitarbeiter die Koffer in Empfang und bringen sie zum  lugzeug. Sortiert werden muss selbstverständlich auch das Gepäck der ankommenden Maschinen. Im Kontrollraum entscheidet ein Mitarbeiter, welche Gepäckladung auf welches Ausgabeband soll. „Spätestens 13 Minuten nach der Landung muss der erste Koffer auf dem Band liegen, spätestens nach 38 Minuten der letzte“, sagt Erol Akbaba. Zum Glück müssen die Mitarbeiter die Koffer nicht mehr mit eigener Muskelkraft hieven. Stattdessen können sie die Koffermit einer Art großem Staubsauger-Arm ansaugen und in die Wagen beziehungsweise auf das Rollband legen. Trotzdem kein einfacher Job: Denn die Gepäcksortieranlage läuft 24/7, also 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und das egal ob Wochenende oder Feiertag. Für die Pausen gibt es eine eigene Kantine auf dem Rollfeld. Denn mal eben ein Brötchen im Flughafen-Terminal kaufen – das ist nicht so einfach. Tower und Gepäcksortierung liegen wie viele Verwaltungsgebäude des Flughafens im Sicherheitsbereich. Wie eine kleine Stadt wirkt dieser unbekannte Flughafenteil. Wie ein kleiner Staat ist er bewacht. Jede Person und jedes Auto, das rein will, muss angemeldet sein und eine strenge Sicherheitskontrolle passieren. Das Sicherheits-Gelände ist so groß, dass etliche Busse und PKWs hin und her fahren. Die Fahrer benötigen dafür einen eigenen Flughafenführerschein. 14 000 Menschen arbeiten insgesamt am Flughafen. 

»Spätestens 13 Minuten nach der Landung muss der erste Koffer auf dem Band liegen.«

 
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