Denkmal im Dornröschenschlaf

Dezember 2016 / Verborgene Orte
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Denkmal im Dornröschenschlaf

Dezember 2016 / Verborgene Orte 

  Kölner Orte   (Teil 18)

Die Kulturserie im Top Magazin „Verborgene Kölner Orte“ zeigt bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten der Domstadt, diesmal die VfL-Fußballtribüne an der Pferderennbahn in Weidenpesch

 

In Weidenpesch, wo Jockeys und Pferdefreunde um Gewinne fiebern, wo stattliche Rösser um die Wette galoppieren und wo sich alles um den Reitsport dreht, verbirgt sich etwas abseits der Rennbahn ein Ort, der ganz andere Sportgeschichte geschrieben hat: Unweit des westlichen Eingangs der Rennbahn des Kölner Renn-Verein 1897 e. V., hinter Wildwuchs und einem kargen Platz versteckt, steht die älteste Fußball-Tribüne Kölns. Hier nahmen einst die Anhänger des VfL Köln 1899 Platz und feuerten ihre Fußball-Helden bei Heimspielen im Kampf um die Westdeutsche Meisterschaft an und bejubelten Nationalspieler wie Peco Bauwens, erster DFB-Präsident, Karl Zolper oder Josef Röhrig, Teil des Weltmeister-Kaders von 1954, beim Tore schießen. Doch vom einstigen Glanz dieses Ortes ist nicht mehr viel zu sehen. Heute modert die 1906 gebaute und seit 1920 überdachte Tribüne unentdeckt und fern von Publikum vor sich hin. Graffitis verunstalten die einst so schmucken Ränge aus grünen Holzbänken, das Glas der Seitenwände ist kaputt und ein wackliger Bauzaun versperrt Unbefugten dürftig den Zutritt.

Wunder von Bern in Weidenpesch nachgespielt

Dabei ist es gar nicht lange her, dass König Fußball noch in Weidenpesch regierte. Vor gerade einmal 14 Jahren wurde das letzte Fußballspiel angepfiffen – der VfL Köln 99 spielte gegen DJK Südwest Köln. Seither ist es ruhig geworden an der Rennbahnstraße 152. Nur einmal, als Sönke Wortmann das „Wunder von Bern“ zum WM-Sieg 1954 auf die Kinoleinwand brachte, hauchte er nicht nur dem Fußballmärchen sondern auch der alten Tribüne neues Leben ein. So oder so ähnlich wie im preisgekrönten Film muss es zu Hochzeiten des VfL Köln wohl in Weidenpesch zugegangen sein. Immerhin war der Verein nicht nur der älteste seiner Art in der Domstadt, sondern auch sehr erfolgreich. Kurz nach seiner Gründung – seinerzeit als „Internationaler Fußball-Club Cöln“ – zog der nun Cölner Fußball-Club 1899 genannte Verein in den Weidenpescher Park ein, wo er genau 99 Jahre beheimatet blieb. Schon im ersten Jahr am neuen Heimspielort, also 1903, wurde der Club Westdeutscher Meister. 1906 folgte der zweite Titelgewinn. Nach einer weiteren Umbenennung und der Fusion mit der Borussia Köln fand im Jahr 1937 die Gründungsversammlung des „Verein für Leibesübungen“ Köln 1899 statt. Der VfL erfreute sich großer Beliebtheit und schaffte es mehrfach in die Endrunde zur Deutschen Meisterschaft. Damals lockten die Kicker bis zu 16 000 Zuschauer in das Stadion.

 »Schon im ersten Jahr am neuen Heimspielort, also 1903, wurde der Club Westdeutscher Meister.«

Einstiger Glanz ist verschwunden

Doch mit dem sportlichen Glanz – Abstieg bis in die Kreisliga B, Umzug in die nahegelegene Bezirkssportanlage und schließlich 2013 Fusion mit dem FSV Köln-Nord 1991 zum 1. FSV Köln 1899 – verschwand auch der Glanz des Fußballplatzes und seiner einst hochmodernen Tribüne. Bereits seit 1989 steht der Bau unter Denkmalschutz, was allerdings beim aktuellen Zustand kaum zu glauben ist. Zwar befindet sich die Anlage auf dem Gelände und somit im Zuständigkeitsbereich des Kölner Renn-Vereins, doch wie es weitergeht, ist unklar. Die Pferdesportfreunde nutzen die Fläche nicht, eine Sanierung oder Instandsetzung wäre zu kostspielig und ein Konzept zur Neunutzung hat sich noch nicht gefunden. Bleibt also abzuwarten, ob und wann die Kölner VfL-Tribüne aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt wird. N

 
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