Dat Wasser für Kölle

Oktober 2016 / Verborgene Orte
«

Dat Wasser für Kölle

Oktober 2016 / Verborgene Orte 

  Kölner Orte   (Teil 17)

Verborgene Kölner Orte, Teil 17: Als römische Provinzhauptstadt verfügte Köln über ein ausgeklügeltes Wasserversorgungssystem. Dessen Spuren sind vor den Türen der einstigen CCAA zu finden. Teile davon sind immer noch – mal mehr, mal weniger versteckt – über das Stadtgebiet verteilt erkennbar

Ob Straßenbau, Architektur oder Transportwege – archäologische Funde aus der Römerzeit belegen, dass das Volk der Eroberer nicht nur in Sachen Kriegsführung stets strategisch, gut organisiert und planvoll vorging. Vor allem die Ausgrabungen rund um das Thema der städtischen Wasserversorgung erlauben faszinierende Rückschlüsse auf die mathematischen und physikalischen Kenntnisse der Römer sowie auf ihren ausgeprägten Erfindungsreichtum. Wasserversorgung spielte eine enorm wichtige Rolle im römischen Reich, denn die Römer liebten ihre Thermen und Brunnen. Schätzungen zufolge lag der durchschnittliche Wasserverbrauch eines Römers bei täglich bis zu 450 Litern. Zum Vergleich: Der Durchschnittsdeutsche verbraucht heutzutage etwa 120 Liter am Tag. Diese horrende Menge kommt nicht von ungefähr. Nach einer Zählung um das Jahr 400 n. Chr. Gab es allein in Rom elf Aquädukte, elf Thermen, 856 Privatbäder und 1352 Brunnen. Ähnlich muss es in Kolonien wie der „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ – dem heutigen Köln – gewesen sein. Es heißt, kein Einwohner hatte es weiter als 50 Meter bis zum nächsten Brunnen. Ein ausgeklügeltes System zur Frischwasserzufuhr sowie zur Abwasserentsorgung war da unverzichtbar. 

450 Liter Wasser verbrauchte ein Römer durchschnittlich pro Tag

Eine Meisterleistung der Ingenieure

Einen minimalen Eindruck, wie das funktioniert haben muss, bietet der Schlammfang im Kölner Grüngürtel, unweit der Berrenrather Straße in Höhe des Militärrings. Er war ein wichtiger Teil der über 95 Kilometer langen Eifelwasserleitung, die aus fünf Quellgebieten täglich 20 Millionen Liter bestes Trinkwasserin die römische Provinzstadt beförderte. Kurz vor der Speisung in das Leitungsnetz innerhalb der Kolonie sorgte das Absatzbecken dafür, dass Verunreinigungen und Schwebstoffe unter geschickter Ausnutzung der Verringerung der Strömungsgeschwindigkeit aus dem Wasser gefiltert wurden. Beim Blick durch den Zaun auf die Reste der Anlage lassen sich zwei nebeneinander liegende Becken sowie die Verbindungsröhre erkennen. Bei Öffnung dieser Spülschleuse wurde der auf dem Boden des Hauptbeckens abgelagerte Schlamm durch den Druck des Wassers selbsttätig hinausgespült und abgeleitet. Überdies diente das Bauwerk als „Ablenkbecken“, um die stadteinwärts führende Leitung für etwaige Reparaturen trockenzulegen.

Antiker Technikbau allein fürs Wasser

Die Wasserleitung, die das Becken und somit auch die versorgte, gilt als der größte antike Technikbau nördlich der Alpen. Der Clou beim Bau war, dass das Wasser allein mit Hilfe des natürlichen Gefälles in der Landschaft durch den so genannten Römerkanal fließen konnte. Gebaut wurde die Eifelwasserleitung, deren Verlauf heute anhand des Römerkanal-Wanderweges nachzuvollziehen ist, um 80 n. Chr. Bereits um 30 n. Chr. wurde das damalige Oppidum Ubiorum über die Vorgebirgsleitung mit Wasser versorgt. Dabei kanalisierten die Baumeister einige Quellen und Bachläufe aus dem Höhenzug Ville. Auch diese Leitung mündete in das Absatzbecken an der Berrenrather Straße, welches übrigens schon 1927 bei Bauarbeiten gefunden wurde. In der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts wurde das Wasserhaus aufgegeben und als Unterbau für eine neue, mit Bogenpfeilern aufgestockte Frischwasserleitung genutzt.

Fotos: Frank Tewes, Wikpedia (Willy Horsch/Sansculotte)

 
Zurück zur Übersicht

In unmittelbarer Nähe zum eingezäunten Schlammfang befindet sich ein Fragment des früheren Römerkanals. In der dort zu sehenden Bauweise verlief die Leitung zum Schutz vor Frost etwa einen Meter unter der Erde. Das Fundament bildete eine lose Lage Steine, auf die eine U-förmige Rinne aus Beton oder Stein gesetzt wurde. Abschließend folgte eine Schicht aus sauber zugehauenen und ermörtelten Natursteinen gemauert, die ihrerseits ein Gewölbe aus Steinen mit viel Mörtel trug. Um dieses Großbauprojekt möglichst schnell zu beenden, verlief der Bau in rund 20 gleichzeitig  tattfindenden Abschnitten. Neben der sinnvollen Lage der Leitung im Gelände musste vor allem das notwendige Gefälle der Leitung gewährleistet sein. Die römischen Ingenieure waren mit ihren Chorobates – wasserwaagenähnliche Messgeräte – in der Lage, ein Gefälle von einem Promille einzuhalten. Die Leitung überwand also auf eintausend Meter Entfernung die Höhe von einem Meter.