Luxusherberge für Fledermäuse

Dezember 2015 / Verborgene Orte
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Luxusherberge für Fledermäuse

Dezember 2015 / Verborgene Orte 

  Kölner Orte   (Teil 16)

Verborgene Kölner Orte, Teil 16: Mit Meerblick, Sportangebot und All-inclusive-Verpflegung kann das Hotel in Stammheim nicht dienen. Aber die Gäste dieser Herberge würde das auch wenig reizen. Denn das kleine Hotel auf dem Gelände des Stammheimer Klärwerkes ist ein … Fledermaushotel.

 

Je etwa zweieinhalb Meter lang und breit sowie zwei Meter hoch ist der Hauptraum des Fledermaushotels. Eine Art Schlafsaal. Auf dem Boden grober Kies. Die Decke bestehend aus chemischunbehandelten, rötlichen Ziegeln mit Löchern zum Einhängen.  Hier können die Fledermäuse in Gruppen schlafen, mit dem Kopf nach unten hängend. An den Wänden gibt es einige „Einzelzimmer“ – kleine Kästen, in welche die Fledermäuse schlüpfen können, um dort „abzuhängen“. Vom Wasserforum e. V., dem Betreiber des Hotels, werden sie liebevoll „Drei-Zimmer- Luxus-Suiten“ genannt. Sehen kann man das alles nicht – es ist stockfinster in dem Raum. Denn Fledermäuse brauchen wenig Licht. Sie orientieren sich mit Echo-Lotung (also über die Ohren); zudem können sie UV-Licht wahrnehmen. Im Stammheimer Hotel lugt daher nur am Ende eines etwa sechs Meter langen Tunnels, der den Weg in den Schlafsaal darstellt, ein Lichtstrahl hervor. Wie durch einen Briefkastenschlitz können die Gäste hier ins Hotel fliegen.

Speiseangebot wie beim All-inclusive-Urlaub

Von Außen sieht das Hotel wie ein großer, bepflanzter Erdhügel aus. Davor liegt ein Teich mit reichlich Wasserpflanzen, um die Insekten-Nahrung der Fleder-mäuse zu sichern. Etwa 60 000 Insekten vertilgt die Wasserfledermaus pro Sommer; die Flieger sind dadurch wichtige Insektenbekämpfer. Das Speiseangebot ist also doch so einfach und umfangreich wie beim All-inclusive-Urlaub. Auch einige Enten fühlen sich am Teich heimisch und watscheln am Ufer entlang. Das einzige Problem: Bisher hat noch keine einzige Fledermaus eine Überwinterung im Hotel gebucht; auch Tagesgäste gab es noch nicht. Und das obwohl das Hotel schon seit 2002 existiert. Der Grund: Das Areal des Klärwerkes ist zu stark beleuchtet. Und aus Arbeitsschutzgründen darf das Licht nicht gedämmt werden. Dass allerdings auch keine Tagesgäste kommen, wundert die Fledermaus-Expertin des Stammwerkes, Doris Uelner (eine pensionierte Sonderschullehrerin und lebhafte Fledermaus- Liebhaberin). Vielleicht ist der Ort so verborgen, dass nicht mal Fledermäuse ihn entdeckt haben. „Man könnte überlegen, das Hotel in eine Wochenstube für den Nachwuchs-Aufzug zu verwandeln. Dafür müssten wir es Innen nur etwas wärmer machen“, sagt Uelner. Generell ist das Gebiet um Flittarder Rheinaue und Klärwerk für Fledermäusedurchaus attraktiv. Vor allem zum Jagen nutzen sie es gerne. Vier verschiedene Arten hat Uelner im Gebiet ausfindig gemacht: Wasserfledermaus, Zwergfledermaus sowie den kleinen und den großen Abendsegler. Insgesamt gibt es in Köln elf verschiedene Arten.

Warten auf Hotelgäste

Nur den Weg ins Hotel hat noch keine von ihnen gefunden. Solange noch keine Fledermaus das Hotel eingeweiht hat, nutzt Uelner die Unterkunft als Anschauungsobjekt für Schulklassen. Durch eine bunkerähnliche Tür können Menschen das Innere des Erdhügels, das Hotel, – ausnahmsweise – betreten. „Fledermäuse gab es schon zur Zeit der Dinosaurier“, sagt Uelner. Daher könne man von ihnen viel über Anpassungsfähigkeit lernen. Doch jene hat offenbar Grenzen: Von den etwa 20 Arten in Deutschland, ist nur eine nicht gefährdet (die Zwergfledermaus).

Im Raum Köln leben elf verschiedene Fledermausarten.

Unter anderem die Lichtverschmutzung vertreibt die Tiere aus ihren bisherigen Habitaten. Auch die Wasserfledermaus steht in NRW auf der Liste der gefährdeten Tiere. Das ist auch der Hauptgrund für Artenschutz-Initiativen wie das Stammheimer Hotel. Das Fledermaushotel hat sich zwar inzwischen als nicht optimal gelegen herausgestellt, doch noch haben die Hotelbetreiber die Hoffnung auf Gäste nicht aufgegeben. Angebote bei Tripadvisor und Booking.com einzustellen, scheint indes wenig aussichtsreich. Stattdessen überlegen Uelner und ihre Kollegen Lockrufe und Pheromone (Lockhormone) einzusetzen und das Hotel zum Sommerquartier umzurüsten. „Wenn erstmal eine Pionier-Fledermaus eingezogen ist – vermutlich eine männliche, kommen bestimmt noch mehr“, meint Uelner. Genügend Zimmer wären frei.

www.wasserforum-koeln.de

Artgerecht: Durch kleine Öffnungen gelangen Fledermäuse in die Herberge,
wo „Schlafsaal“ und „Einzelzimmer“ auf sie warten

 

Fotos von Christoph Seelbach

 
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