Kölns Grundmauern und ihre Geheimnisse

Dezember 2015 / Verborgene Orte
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Kölns Grundmauern und ihre Geheimnisse

Dezember 2015 / Verborgene Orte 

  Kölner Orte   (Teil 13)

Kölner Orte (Teil 13)  Der römische Torbogen auf der Domplatte – gleich gegenüber von KölnTourismus und Domforum gelegen – ist ein beliebtes Fotomotiv und beeindruckendes Monument. Doch das eigentlich spannende Bauwerk verbirgt sich unterirdisch innerhalb der Domtiefgarage.

 

Am westlichen Rand der Domplatte befindet sich mit der Rekonstruktion eines seitlichen Torbogens des einstigen Nordtors der „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ eines der bekanntesten Monumente römischer Baukunst in Köln. Täglich bewundern Hunderte Besucher das Fragment des stattlichen Tors, das – ähnlich wie die Porta Nigra in Trier – nicht nur Teil der militärisch wichtigen Stadtmauer um die Bürgerkolonie war, sondern auch ein imposantes Symbol für die Stärke des Imperiums.

Die wenigsten wissen jedoch, dass sich diese originale Toranlage nur wenige Meter über dem ursprünglichen Standort des Stadttores befi ndet, dessen Fundamente noch immer unter der belebten Domplatte verborgen sind. Wer zwischen Parkplatzsuche und Citytrubel einen Augenblick Zeit hat, kann in der Domtiefgarage einen Blick auf Reste der Stadtmauer werfen. Was hingegen nicht sichtbar ist, sind die Hinweise auf die beeindruckenden Fähigkeiten der Römer als Baumeister.

„Das Nordtor, einst Porta Paphia beziehungsweise Pfaffenpforte genannt, hatte die respekteinfl ößenden Ausmaße von satten 25 Metern Höhe und rund 30 Metern Breite – und das bei einer Stadtmauer, die gerade einmal acht Meter hoch war. Daher mussten die Fundamente besonders stabil und tragfähig sein“, erklärt Dr. Alfred Schäfer vom Römisch- Germanischen Museum.

Die unterste Lage des rund drei Meter hohen Fundaments bildet Basaltgestein. Darauf gebaut sind Drachenfels-Trachyt und Grauwacke aus dem rheinischen Schiefergebirge. „Allein der Abbau der Gesteine sowie der Transport über den Rhein bedeutete einen enormen logistischen Aufwand“, so Schäfer. So etwas sei nur dank einer starken Militärfl otte und konsequenter Planung möglich gewesen.

Überdies weist das Fundament der Stadtmauer eine clevere Statik auf. So sind die ersten drei Meter Fundament verbreitert, während das aufgehende Mauerwerk etwas zurückspringt. Die Toranlage ruht auf einer Fundamentplatte, die die Gebäudelast auf den tragenden Baugrund ableitet.

Das Tor, das am Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus entstanden ist, war ein Schmuckstück der Colonia. Die Anlage, bestehend aus zwei Türmen, einem dreibogigen Torbau sowie vermutlich gleich zwei Galerien oberhalb der Tore, sollte einst die Wehrhaftigkeit ebenso wie den Glanz Kölns repräsentieren.

  • Der bekannte Torbogen auf der Domplatte ist eine Replik einer der beiden Seitenpforten des ehemaligen Nordtores des römischen Kölns.
  • Die dazugehörigen Fundamente liegen etwas versteckt in der Domtiefgarage.
  • Massive Fundamente wie dieses waren erforderlich, um das monumentale Tor zu tragen, hier der vermauerte Eingang zum Anno-Stollen.
  • Das ehemalige Nordtor in einer Rekonstruktion. Der dunkle Bereich unten links stellt die heute erhaltenen Fundamente dar.
 
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Der Anno-Stollen: den Glanz Kölns repräsentieren.

Unterirdische Flucht durch die Stadtmauer Unweit des Nordtors im östlichen Teilabschnitt der römischen Stadtmauer befi nden sich noch heute Reste des sogenannten „Anno-Stollens“. Erzbischof Anno II. hatte diesen im Jahr 1074 als potenziellen Fluchtweg aus dem Dom unter dem Fundament des Grenzwalls hindurch graben lassen. Gab’s Ärger mit der Bürgerschaft, hatte er so eine gute unterirdische Fluchtmöglichkeit durch die Stadtmauer hindurch. Hinzu kam eine gemauerte Verlängerung an der Innenseite der Stadtmauer. Diese wiederum wurde später zu einem geschlossenen Raum erweitert und zum Verlies umfunktioniert.

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