Die Betonzigarre von Niehl

Juni 2015 / Verborgene Orte
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Die Betonzigarre von Niehl

Juni 2015 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Kölner Orte (Teil 12): Ehemaliger Werkschutzbunker ist ein einmaliges Denkmal der Festungsarchitektur.

 

Im Inneren des Winkelturms ist es stockduster. Doch im Lichtkegel der Taschenlampen lässt sich ein Blick in die Zeit zwischen 1940 und 1945 erhaschen. Auf insgesamt 16 Halbebenen, wendeltreppenartig angelegt, fanden bis zu 600 Menschen auf schlichten Holzbänken Platz. Dort harrten sie aus, bis Entwarnung gegeben wurde und sie wieder zurück an die Arbeit gehen konnten.

Dementsprechend war die Ausstattung rudimentär. Die Kommunikation lief über ein simples Rohrsystem, und Sanitäranlagen reichten im wahrsten Sinne nur für die Notdurft. „Solche Türme wie dieser waren zum Zweck des Werkluftschutzes entwickelt worden. In ganz Deutschland befanden sich rund 200, wovon einige noch immer erhalten sind“, erklärt Robert Schwienbacher, Vorsitzender des „Cologne Research - Institut für Festungsarchitektur“  – kurz „Crifa“. Das Institut kümmert sich um den Erhalt sowie die Wiederherrichtung des Turmes als Außenstelle des Kölner Festungsmuseums. „Auf lange Sicht soll der Winkelturm den Kölnern als ein Stück Zeitgeschichte zugänglich gemacht werden“, so Schwienbacher.

Dazu gehöre vor allem die Erneuerung der Stromversorgung, damit Führungen nicht mehr nur mit Taschenlampe stattfinden. Überdies ist geplant, im Eingangsbereich einige Stellwände mit interessanten Informationen sowie ein Modell des Baus zu installieren. „Künftig finden an jedem dritten Samstag im Monat um 14 Uhr kostenlose Führungen durch den denkmalgeschütztenTurm statt. Vielleicht können wir dieses Angebot ausbauen, wenn der ehemalige Bunker noch besser begehbar und auf Vordermann gebracht worden ist“, hofft Schwienbacher. Schließlich solle das Bauwerk nicht in Vergessenheit geraten. „Die Entwicklung des Winkelturms war im zivilen Luftschutz ein Meilenstein. Gerade in Fabriken und auf Werksgeländen konnten zahlreiche Arbeiter schnell in Sicherheit gebracht werden“, erklärt Turm- Experte Uwe Kopp. Das Geheimnis des Bunkers liegt in mehreren architektonischen Kniffen. Zum einen sorgte die Form der „Betonzigarre“ dafür, dass abgeworfene Bomben abprallten und nicht in unmittelbarer Nähe detonierten. Zudem herrschte im Inneren stets Überdruck, der Druckwellen von außen entgegenwirkte, und ein ausgeklügeltes Lüftungssystem hielt giftige Dämpfe aus Gasangriffen fern, ließ verbrauchte Luft aus dem Bunker dennoch entweichen. „Das Konstrukt war erstaunlich erfolgreich. Nur ein Turm soll den Bombenangriffen im Krieg nicht standgehalten haben. Die meisten wurden im Zuge der Demilitarisierung abgerissen“, sagt Kopp.

 
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