Wie kam St. Maria in das Kapitol?

März 2015 / Verborgene Orte
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Wie kam St. Maria in das Kapitol?

März 2015 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Kölner Orte (Teil 11): Der römische Vielgottglaube bildet im wahrsten Sinne des Wortes das Fundament  für Kölns größte  romanische Kirche.

 

Tatsächlich bildet ein römischer Tempel das Fundament für die christliche Kirche“, berichtet Historiker Alfred Schäfer. Einen Hinweis darauf birgt schon der Name des Gotteshauses: Das Wort „Kapitol“ verweist auf die ursprüngliche Nutzung des heutigen Kirchengeländes als Tempel für die „Kapitolinische Trias“.  Hier huldigten die Bürger der Colonia Claudia Ara Agrippinensium ihren höchsten Göttern: Jupiter (der Himmelvater), Juno (Gattin Jupiters und Göttin der Ehe, Geburt und Fürsorge) und Minerva (Schutzgöttin des Handwerks und der Bildung). Dafür befanden sich im Kern des Tempels – umgeben von einem prachtvollen Innenhof – drei sogenannte Cellae für die jeweiligen Gottbilder.  „Solch ein Tempelbau war für eine Colonia – also eine Kolonie mit römischem Stadtrecht – ebenso unverzichtbar wie die Errichtung einer Stadtmauer“, erklärt Schäfer.

Doch Eroberungskriege, die politischen Wirren des Mittelalters sowie die stetige Christianisierung der westlichen Welt machten auch vor Köln und somit vor den Bauwerken der Römer nicht Halt. Unter der Herrschaft der Franken war es Plektrudis, die Frau Pippins des Mittleren, die vor ihrem Tod im späten 8. Jahrhundert eine Eigenkirche stiftete – und die wiederum wurde auf den Überresten des einstigen Kapitols erbaut.  Der Kölner Erzbischof Hermann II. initiierte rund 300 Jahre nach Plektrudis den Bau einer neuen Kirche auf dem Kapitol- Gelände. Einige Kriege, Wiederaufbautenund Restaurationen später, wurden in den 1960er Jahren endlich auch Teile des verborgenen Kapitols „unter“ St. Maria freigelegt.

Alfred Schäfer erläutert dazu: „An der Beschaffenheit der verbauten Steine kann man ihr Alter bestimmen. Dem ursprünglichen Kirchenbau liegen Kalksteine aus Lothringen zu Grunde, die auf die Bauweise zu Zeiten der Römer und eines Tempels verweisen. Darüber türmen sich dann Mauern aus Brohltal-Tuffstein, die vor allem im 10. und 11. Jahrhundert verwendet wurden.“ Somit werde das Hauptschiff eines christlichen Gotteshauses, so Schäfer, von einem römischen Tempel getragen, gestützt und gehalten. 

Sie ist die größte und eine der ältesten romanischen Kirchen Kölns: St. Maria im Kapitol zwischen Pipinstraße, Kasinostraße, Marienplatzund Lichhof. Wer hierher kommt, findet nicht nur Ruhe und Besinnlichkeit. Die außergewöhnliche Architektur sowie die Ausstattung lassen selbst Kirchenbau-Laien staunen. Doch neben dem beeindruckenden Gabelkreuz, der sagenumwobenen Marienstatue im Chor, der Zint Märjensrepp über dem alten Beichtgestühl, der Klais-Orgel auf dem Lettner und dem Grab der Kirchenstifterin Plektrudis bleibt das faszinierendste Detail des Gotteshauses gut versteckt unter der Erde.

 
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