Kreative Verstecke für Schmuggelgüter

Juni 2014 / Verborgene Orte
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Kreative Verstecke für Schmuggelgüter

Juni 2014 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Kölner Orte, Teil 8: Zoll- Ausstellung des Zollkriminalamtes.

 

Bürger bekommen sie eigentlich nicht zu sehen: Die Zoll-Ausstellung auf dem Gelände des Zollkriminalamtes an der Bergisch Gladbacher Straße 837 in Dellbrück zeigt unter anderem Verstecke, die Kriminelle zum Transport von Zigaretten, Drogen und anderem Schmuggelgut verwendet haben. Und sie ist für Besucher nicht geöffnet – außer an einem Tag der offenen Tür am 4. September des kommenden Jahres 2015, den sich Interessierte schon jetzt im Kalender notieren sollten. Der Einsatz der Beamten ist erfolgreich: Alleine 2012 beschlagnahmte der Zoll 146 Millionen unversteuerte Zigaretten, 800 Kilogramm Haschisch, über 1,1 Tonnen Kokain und 400 Kilo Heroin. Die Zoll-Ausstellung, die grundsätzlich nicht öffentlich ist und hauptsächlich zu Schulungszwecken für angehende Zollbeamte geöffnet wird, birgt unter anderem originales Schmuggelgut und Verstecke, auf die ein Ottonormalverbraucher wohl kaum kommen würde.

So wurden bislang nicht nur in Computergehäusen oder Kunstobjekten Zigaretten oder Rauschgift geschmuggelt, sondern sogar in Pflastersteinen und Betonblöcken. Bei der Überprüfung eines polnischen Mercedes stellten die Beamten des Hauptzollamts vier Teppichrollen sicher – industriemäßig verpackt, in Folie eingeschweißt und sogar mit Beipackzettel ausgestattet. In deren Hohlräumen entdeckten sie Zigarettenschachteln – 380 Päckchen pro Teppichrolle, also insgesamt über 30 000 Einzelzigaretten. Einen großen Glimmstängelfund verzeichnete das Hamburger Zollfahndungsamt im Jahr 2010: Rund neun Millionen Zigaretten waren in Kartons mit PC-Monitoren verpackt aus China eingeschifft worden. Weiterhin sagt der Zoll dem Waffenhandel den Kampf an – dabei spielen nicht nur Handfeuerwaffen oder Maschinengewehre eine Rolle, sondern auch „ganz normale“ Industrieprodukte, die zum Bau von Massenvernichtungswaffen genutzt werden können, zunächst aber gar nicht als solche auffallen.

Eingelegte Klapperschlangen

Überdies sind die Zöllner stets im Einsatz für die Artenvielfalt. Pro Jahr werden rund 70 000 geschützte Tiere und Pflanzen oder daraus hergestellte Objekte sichergestellt – in Alkoholflaschen eingelegte Klapperschlangen, Schals aus Shatoosh-Wolle geschützter Antilopenarten, Elfenbein, originale Löwen- und Alligatorenköpfe, geschützte Korallenarten oder Eier von Kibitzen, Bussarden, Krokodilen oder Schildkröten. „Die Liste ist endlos. Dabei sind es keineswegs nur skrupellose Sammler, die dem Zoll ins Netz gehen. Auch viele Reisende tragen – wissentlich oder unwissentlich – dazu bei, dass der Handel mit geschützten Arten blüht“, sagt ZKA-Sprecher Wolfgang Schmitz.

Oft handelt es sich um Souvenirs, die Touristen im Gepäck hatten. „Dabei appellieren wir bei den Unwissenden an die Moral, dass geschützte Arten dafür sterben mussten“, so Schmitz. „Zudem blüht der Handel mit markengefälschten Waren“, ergänzt der ZKASprecher. Seit Ende August wurden im Hamburger Hafen insgesamt 117 Container mit Markenfälschungen sichergestellt. Diese Plagiate hätten im Original einen Markenwert von mindestens 383 Millionen Euro. Eines davon war ein Motoroller, der alsbald bei der „Intermot- Messe“ in Köln auftauchte und dort beschlagnahmt wurde. Wenn das Zollkriminalamt am 4. September 2015 einen Tag lang der Öffentlichkeit seine Arbeit vorstellt und seine Räumlichkeiten an der Bergisch Gladbacher Straße 837 präsentiert, können Besucher erstmals einen Blick in die Zoll- Ausstellung werfen.

 
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