Zeitreise in den »Kalten Krieg«

März 2014 / Verborgene Orte
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Zeitreise in den »Kalten Krieg«

März 2014 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Kölner Orte, Teil 7: Unentdeckter Führungsbunker liegt unterhalb einer Sülzer Schule.

 

Ein Sicherheitsschloss verhindert den Zugang durch die schwere Stahltür im Keller der Elsa-Brändström-Schule in Sülz. Doch was sich dahinter befindet, hat mit Lernen nichts zu tun. Vielmehr scheint hier unter der Schule die Zeit stehengeblieben zu sein: Wo „oben“ im Schulgebäude die Kinder pauken, erinnert „unten“ unter der Erde ein alter, nicht zugänglicher Führungsbunker aus den 1960er Jahren an die Zeit des „Kalten Krieges“. „Es klingt fast wie das Drehbuch zu einem Hollywood-Streifen“, sagt Engelbert Rummel, Chef der Gebäudewirtschaft in Köln. Denn als einige Umbauarbeiten in der Schule anstanden, kam es vor einigen Jahren zu einem überraschenden „Fund“ – zumindest für die Verantwortlichen der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln. Unterhalb der Schule an der Berrenrather Straße offenbarte sich auf rund 700 Quadratmetern ein Atom-, Bio- und Chemiewaffenschutzbunker – kurz: ABCBunker. „Er war auf keinem unserer Baupläne verzeichnet“, so Rummel.

Schätzungsweise um 1965 erbaut, blieben die rund 20 Räume in den vergangenen Jahrzehnten unbeachtet und demnach so gut wie unberührt. Hier hätten im Falle eines Krieges oder eines Angriffs auf die Stadt zahlreiche Mitarbeiter der Stadtverwaltung inklusive ihres Arbeitsbereichs einen Schutzraum gefunden. „Der Führungsbunker sollte die Funktionsfähigkeit des Amtsapparats auch in Krisenzeiten sichern“, erklärt Engelbert Rummel. Wie durchdacht Konstruktion und Einrichtung des Führungsbunkers waren, beweist neben den Schlafräumen, der  Kranken- und Fernmeldestation, einer (eingerichteten) Küche, Besprechungsräumen, Räumen für den Krisenstab und der Sicherung der Grundversorgung das ausgeklügelte Kommunikationssystem innerhalb der beinahe endlos langen Gänge: Jeder Raum wurde mit einer Art Telefon ausgestattet, das mit den anderen Räumen verbunden war. Das hätte  einen reibungslosen Arbeitsablauf zwischen den einzelnen untergebrachten Behörden garantiert. „Faszinierend, wie hier die Zeit stehen geblieben ist“, staunt der Hausmeister der Schule, Gottfried Grabert. Er ist derzeit der einzige, der hin und wieder die schwere Stahltür aufschließt – denn im vorderen Bunkerbereich befindet sich die Stromversorgung für das Schulgebäude. Was in Zukunft aus dem ehemaligen Führungsbunker unter der Schule werden soll, ist noch unklar. Eine erste Idee sei, die Räume mit dem Katastrophenschutz für einige Notfallübungen zu nutzen, so Engelbert Rummel. Es bleibt also spannend in den Katakomben unter der Elsa-Brändström-Realschule

 
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