Auf der Spur von Severinus Erben

Dezember 2013 / Verborgene Orte
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Auf der Spur von Severinus Erben

Dezember 2013 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Kölner Orte, Teil 6: Wer in St. Severin die Treppe zur Hallenkrypta hinabsteigt, von dort die verwobenen Gänge und Stollen betritt und hinter sich die schwere Eisentür ins Schloss fallen hört, fühlt sich wie ein Abenteurer.

 

Die Ausgrabungen unter St. Severin begannen bereits 1925 und zogen sich über Jahrzehnte bis Ende der 1950er-Jahre hin – sie legten einen kleinen Saalbau mit Westapsis inmitten eines römisch-frühchristlichen Gräberfeldes frei. Tief unter der Pfarrkirche des heiligen Severin befindet sich heute ein begehbarer Rundweg, den allerdings kaum jemand kennt. Bislang haben nur wenige Menschen die Grabkammern, Sarkophage, historischen Mauerreste und verborgenen Gänge gesehen. Im kommenden Jahr 2014 möchten die Gemeinde und das Domforum dort offizielle Führungen anbieten. Insofern ist die Ausgrabungsstätte unter St. Severin heute ein öffentlich verborgener Ort, den Kölner künftig entdecken können.  Es lohnt, die Grabungsstätte kennenzulernen. Denn sie birgt viele Geheimnisse um Severin, den nach Maternus und Euphrat dritten bekannten Bischof von Köln. Im Jahr 397 soll er in der Todesstunde des heiligen Bischofs Martin von Tours, mit dem er befreundet war, den himmlischen Chorgesang der Engel vernommen haben. Die Legende könnte darauf hindeuten, dass der heilige Severin ähnlich sozial-karitativ engagiert war wie der heilige Martin.

Ob der Severinsschrein in der Pfarrkirche tatsächlich die Überreste des Bischofs verwahrt, ist nicht sicher belegt. „Aber wir sind nahe dran“, weiß Dr. Thomas Höltken von der „Archäologischen Bodendenkmalpflege“ im Römisch- Germanischen Museum. Im Jahr 1999 wurde der Schrein vom Weihbischof und in Anwesenheit von Archäologen und Historikern geöffnet. Sie fanden Knochen und Spuren, die auf die Gebeine des Bischofs Severin schließen lassen. Übrigens: Einer der Zugangsstollen führt zu einem römischen Ziegelplattengrab aus dem frühen dritten Jahrhundert mit einem darin befindlichen Skelett. In der Ausgrabungsstätte stapeln sich gewissermaßen die Steinsarkophage – und sie sind nicht ausschließlich römischer Natur. Ihre Herkunft ist verschiedenen Jahrhunderten zuzuordnen. Fazit: Man wollte seinerzeit in der Nähe des Heiligen Severin begraben werden – auch, als die Römer Köln längst verlassen hatten und die Kirche bis ins achte Jahrhundert von Angehörigen der fränkischen Führungsschicht als Grablege genutzt wurde. Klar ist: Die umfangreichen Ausgrabungen in und um St. Severin haben wichtige Einblicke in die dunklen Jahrhunderte der Geschichte Kölns ermöglicht. Und bald können die Kölner in organisierten Führungen der Geschichte „ihres“ Severin nachspüren.

 
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