Kölns verborgener »Keller«

September 2013 / Verborgene Orte
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Kölns verborgener »Keller«

September 2013 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Kölner Orte, Teil 5: Unter den bekannten Straßen und Winkeln der Stadt verbirgt sich ein schier endloses Kanalnetz, das spannende Geheimnisse birgt.

 

Überall in der Stadt werden sie übersehen, überfahren und überrannt – die rund 60 000 Kanalschächte Kölns, die so selbstverständlich zum Straßenbild gehören wie Bürgersteige, Zebrastreifen und Pflastersteine. Doch was verbirgt sich darunter? Wo genau führen diese Eingänge hin? Und was liegt wohl dort weit unter den Häusern, Straßen und Gärten? Wäre das Kanalnetz, das sich über die rund 400 Quadratkilometer des Kölner Stadtgebiets erstreckt, eine gerade Linie, so würde diese von Köln bis nach Moskau reichen. Über 500 Kilometer dieses verworrenen Systems aus Tunneln, Rohren und Leitern – also gerade mal gut ein Viertel – sind begehbar. Hier, in der Stadt unter der Stadt, verbergen sich kleine und große Geheimnisse. So unterhalten die Stadtentwässerungsbetriebe neben insgesamt fünf Klärwerken nicht nur Abwasserkanäle und -leitungen, sondern leisten mit Hochwasserschiebern und Sensortechnik zur Ermittlung des Rheinpegels einen Beitrag zum Schutz vor Fluten und Überschwemmungen – wie unter der Bachstraße in Mülheim nahe der Mülheimer Brücke.

„Mischwasserentlastung“ heißt es übrigens im Fachjargon. Tief unter der Erde zwischen Druckausgleichs- und Pumpsystemen sind mithin sogar „seltene Schönheiten“ zu finden. Unter der Bismarckstraße beispielsweise tun sich prächtige Bögen aus satt-rotem Ziegelstein auf, sodass der Knotenpunkt, an dem aus fünf Kanalzugängen ein einzelner wird, fast schon elegant wirkt. In diesem historischen Teil der Kanalisation geraten Enge, Dunkelheit und üble Gerüche für einen Augenblick in Vergessenheit.  Ebenfalls aus Ziegeln gebaut ist der berühmte Kronleuchtersaal unter der Clever Straße am Theodor-Heuss-Ring (Bild unten). An dieser Stelle wurde vor über 120 Jahren anlässlich der feierlichen Eröffnung eines Regenüberlaufbauwerks, zu der auch der Kaiser geladen war, die Kanalisation hübsch verklinkert und mit kleinen Bögen verziert. Das prächtige Herzstück bildete ein strahlender Kronleuchter an der Gewölbedecke. Der Kaiser kam zwar nicht, doch die Klinker und der Leuchter blieben. Heute laden regelmäßige Führungen dazu ein, das wohl bekannteste Stadtgeheimnis zu lüften. Zudem finden im Kronleuchtersaal mehrmals im Jahr Konzerte und verschiedene Events statt. Ob der Kanal unter der Bismarckstraße auch zu Kaisers Ehren geziegelt wurde, ist nicht belegt, aber durchaus möglich.

 
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