Der Melaten-Bunker

Juni 2013 / Verborgene Orte
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Der Melaten-Bunker

Juni 2013 / Verborgene Orte 

  Verborgene Orte  

Im dichten Gestrüpp – unsichtbar für die Besucher des Kölner Friedhofs Melaten – liegt der Eingang zu einem unberührten Kriegsschauplatz. Efeu hängt herab und auf den Treppenstufen, die hinab in die Tiefe führen, hat sich eine dicke Schicht Moos und Erde niedergelassen (Bild links). Hier geht es hinunter zu einer Bunkeranlage aus dem Zweiten Weltkrieg.

 

Dieser Bunker ist allerdings anders als die meisten seiner Art – eingewachsen und vergessen birgt er eine tragische Geschichte und „unberührte“ Zeugnisse aus einer vergangenen Zeit. Mit lautem Quietschen öffnet Peter Lejeune, der Gärtnermeister des städtischen Friedhofs, die rostige Tür. Ein langer gewölbter Gang erstreckt sich vor uns – ein Gang, der am 31. Oktober 1944 während eines Bombenangriffs eine zufluchtsuchende Hochzeitsgesellschaft direkt in den Tod führte. Im unterirdischen Dunkel stelle ich mir den Moment vor.

Über 100 Menschen trafen sich an diesem Tag, um mit dem glücklichen Hochzeitspaar zu feiern – dann der Fliegeralarm. Wahrscheinlich fühlte sich die Hochzeitsgesellschaft in den kurzum aufgesuchten Schutzräumen sicher. Weit gefehlt. Eine Bombe traf genau auf einen schwachen Punkt der Bunkeranlage – den Luftschacht – und ihre Zerstörungskraft riss ein Loch in den massiven Beton. Die Druckwelle der Detonation ließ die Lungen der Menschen platzen. Sie alle starben auf der Stelle.

Unberührte Zeugnisse

Noch heute zeugt ein halb verschütteter Nebenraum von dem Unglück. Inmitten der Anlage sind die Trümmer des Einschlags nie beseitigt worden – alles scheint vollkommen unberührt. Doch nicht nur die Trümmer des Bombeneinschlags findet man hier unten: Zwei Spinde wurden in den 1940er Jahren zu Aktenschränken umfunktioniert, um Totenscheine und Dokumente des Leichenfuhrwesens zu bewahren. Die Spinde stehen offen, und ein großer Teil der Papiere bedeckt den Boden um sie herum. Alte Grablichte und ein großes hölzernes Kreuz finden sich dort in der unterirdischen Stille, die einst 300 Menschen Schutz bieten sollte. Die Stadt Köln weist übrigens darauf hin, dass Besichtigungen der Schutzräume  leider nicht möglich sind. (tvl)

 

 
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