Mit privaten Krankenversicherungsbeiträgen Steuern sparen

Dezember 2015 / Steuern
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Mit privaten Krankenversicherungsbeiträgen Steuern sparen

Dezember 2015 / Steuern 

Top Magazin sprach mit dem Steuerexperten Thorsten U. Schmidt über die Vorteile von Beitragsvorauszahlungen

 

Im Top Interview:
Thorsten U. Schmidt, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Deltax Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft

Jeder, der Geld auf der hohen Kante hat weiß: Tagesgeldkonten und Bundesanleihen sind out! Denn bei dem derzeit niedrigen Zinsniveau will beim Sparen keine rechte Freude aufkommen. Aber die gesamte private Altersvorsorge auf Wertpapiere, wie Aktien und Fonds auszurichten, das ist vielen Anlegern dann auch etwas zu heiß. Insbesondere die Risiken durch drohende Kursverluste können dabei schlaflose Nächte bereiten. Was Viele nicht wissen: Es kann sinnvoll sein, überschüssige Liquidität auch an die eigene private Krankenversicherung zu überweisen, um so die Höchstbeträge für die sogenannten sonstigen Vorsorgeaufwendungen besser auszunutzen und damit echte Steuern zu sparen.

Private Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zur sogenannten Basisabsicherung (also ohne Komfortleistungen wie Einzelzimmer im Krankenhaus, Chefarztbehandlung usw.) können immer in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Das eigentliche Problem besteht im Grunde darin, dass diese Beiträge vom Fiskus mit den sogenannten sonstigen Vorsorgeaufwendungen in einen Topf geworfen werden. Denn wenn die privaten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge den Höchstbetrag von maximal 1 900 Euro (Selbständige 2 800 Euro) pro Jahr übersteigen, verpuffen alle anderen gezahlten Versicherungsbeiträge, wie beispielsweise Beträge für Haftpflichtversicherungen, für alte Kapitallebensversicherungen, für Unfallversicherungen oder auch beispielsweise die Beiträge für die Chefarztbehandlung. Und dies ist nicht selten der Fall.

Nun besteht jedoch die Möglichkeit, Vorauszahlungen zur Basiskranken- und Basispflegeversicherung für die kommenden Jahre bis zum zweieinhalbfachen Betrag der aktuellen Jahresbeträge bereits im aktuellen Zahlungsjahr steuerlich geltend zu machen. In den folgenden beiden Jahren sind dafür dann keine Beiträge mehr zu zahlen; im dritten Jahr muss lediglich noch der fehlende halbe Beitrag geleistet werden. Der Vorteil: In den beitragsfreien Jahren können sich die sonstigen Vorsorgeaufwendungen steuerlich wieder bis zur Höhe der nun unverbrauchten Höchstbeträge (Arbeitnehmer: 1 900 Euro/Selbständige 2 800 Euro) auswirken. Zahlen Sie in diesen Jahren genug steuerlich begünstigungsfähige sonstige Versicherungsbeiträge, können sich im Spitzensteuersatz von 45 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag pro Jahr echte Steuerersparnisse von bis zu 900 Euro (bei Selbständigen sogar bis zu 1 330 Euro) ergeben. Zahlen Sie hingegen für Riester-Renten, Rürup-Renten und ähnliche Versicherungen, kann diese Gestaltung nicht genutzt werden, da diese nicht zu den sonstigen Vorsorgeaufwendungen zählen. Allerdings gibt es hierfür andere steuerliche Vergünstigungen.

Bevor Sie Krankenversicherungsbeiträge vorauszahlen, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater klären, ob sich eine solche Gestaltung in Ihrem konkreten Fall – insbesondere aufgrund steuerlicher Progressionseffekte in den betroffenen Jahren – tatsächlich lohnt. Außerdem muss auch Ihre Versicherung mitspielen und Ihnen einen entsprechenden Vorschlag für die Vorauszahlung der Beiträge machen. Hierbei ist zu bedenken, dass auch die Versicherung einen Vorteil hat, da diese bereits früher mit Ihrem Geld arbeiten kann. Vielleicht können Sie ja bei Ihrer Versicherung sogar einen kleinen Rabatt für Vorauszahler herausschlagen? Haben Sie jedoch beispielsweise am Aktienmarkt einen vermeintlich sicheren Geheimtipp erspäht, kann es natürlich auch sinnvoller sein, das Geld lieber dort gewinnbringend zu investieren. Aber in der Regel verdient man dort sein Geld nicht so risikofrei, wie im dargestellten Fall.

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Im Spitzensteuersatz können sich pro Jahr echte Steuerersparnisse von bis zu 900 Euro, bei Selbständigen sogar bis zu 1330 Euro ergeben.