Investmentfonds: Steuerpflicht für Verkauf alter Anteile

Januar 2017 / Steuern
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Investmentfonds: Steuerpflicht für Verkauf alter Anteile

Januar 2017 / Steuern 

Top Magazin sprach mit dem Steuerexperten Thorsten U. Schmidt über die neue Besteuerung von Investmentfondsanteilen

Aschermittwoch fällt 2017 auf den 31. Dezember!

 

Im Top Interview:
Thorsten U. Schmidt, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Deltax Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft

Vor zehn Jahren ging ein Aufschrei durch die Lande, als das Bundeskabinett das Unternehmensteuerreformgesetz auf den Weg brachte. Eingeführt wurde dabei nicht nur die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer auf alle Kapitalerträge. Auch die Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren werden seit 2009 besteuert – selbst wenn die Wertpapiere länger als ein Jahr gehalten werden. Verluste sind hingegen seither tendenziell nur mit entsprechenden Gewinnen aus Wertpapierverkäufen verrechenbar, wobei es hier natürlich – wie im Steuerrecht üblich – viele Schattierungen von Grau gibt. In einer Hinsicht herrschte bei der damaligen Gesetzentstehung Konsens: Die Steuerpflicht sollte natürlich nur für Wertpapiere gelten, die nach 2008 angeschafft wurden und nicht für die Altdepots. Bei wem also der Wert der Wertpapiere nicht bereits durch Unternehmens- oder Branchenkrisen dahingerafft wurde, der durfte aufatmen. Denn ihm war zu diesem Zeitpunkt klar, dass die bisherigen und kommenden Wertsteigerungen der vor 2008 erworbenen Wertpapiere für alle Zeit steuerfrei sein werden!

Doch ab dem 31. Dezember 2017 ist der Spaß für Anleger vorbei, die ihre Investments bequem über Investmentfonds verwalten lassen. Denn der Gesetzgeber hat im Sommer 2016 mit dem Investmentsteuerreformgesetz eine versteckte Steuererhöhung nachgelegt, die ab 2018 gilt. Das offizielle Ziel des Gesetzgebers bestand dabei lediglich darin, die bisherige transparente Besteuerung der Erträge von Fondsanlegern auf ein intransparentes Besteuerungssystem umzustellen. Das bedeutet, dass Fondserträge künftig nicht mehr direkt dem Anleger zuzurechnen sind, sondern zunächst dem Fonds, so dass die vom Fonds bezogenen Gewinne aus Dividenden der gehaltenen Wertpapiere auch gleich beim Fonds mit 15 Prozent Körperschaftsteuer (inklusive Solidaritätszuschlag) versteuert werden müssen. Zur Ausschüttung gelangen dann nur noch 85 Prozent des Ertrags. Zur großzügigen Entlastung sind 30 Prozent der verbleibenden Nettoerträge steuerfrei. Auf die restlichen Erträge werden Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer für den Privatanleger gleich abgeführt – ganz einfach und unkompliziert. Doch was heißt das nun konkret für sämtliche Fondsanteile – egal ob diese vor 2009 oder nach 2008 erworben wurden? Bei 100 Euro bezogener Dividende auf Fondsebene ergibt sich für den Privatanleger nach Ausschüttung durch den Fonds eine laufende Steuerbelastung von etwas über 30 Prozent – also immerhin mehr als vier Prozentpunkte mehr Steuern als bisher bei der reinen Abgeltungsteuer. Erzielt der Fonds hingegen vorwiegend Veräußerungsgewinne, ergibt sich im Grunde keine Verschlechterung zum Status Quo.

Doch nicht nur die höhere laufende Besteuerung dürfte Privatanleger ärgern. Denn die Veräußerung von vermeintlich steuerfrei geglaubten Fondsanteilen wird künftig steuerpflichtig, wenn die Wertsteigerungen nach 2017 eingetreten sind. Hierfür haben die Banken die bis zum 31. Dezember 2017 aufgelaufenen, definitiv steuerfreien Wertsteigerungen in einer Nacht- und Nebelaktion festzustellen. Alle ab diesem Zeitpunkt anfallenden Wertsteigerungen sind beim Verkauf abgeltungsteuerpflichtig (nebst Solidaritätszuschlag), sobald der – zur Kompensation vorgesehene – neue Freibetrag von 100 000 Euro überschritten wird. Das bedeutet: Anteile, die vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 gekauft wurden, können im Zweifel nur noch bis Ende 2017 steuerfrei verkauft werden. Da Fondsparen in der Regel zur Altersabsicherung eingesetzt wird, kann sich jeder an einer Hand abzählen, dass der Freibetrag unter Umständen schnell aufgebraucht sein dürfte und es wird nicht lange dauern, bis die ersten Verfassungsbeschwerden beim Bundesverfassungsgericht eingehen werden. Bis dahin: Fastelovend fiere! 

 
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