Künstlersozialabgabe – das unterschätzte Risiko

Oktober 2016 / Steuern
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Künstlersozialabgabe – das unterschätzte Risiko

Oktober 2016 / Steuern 

Top Magazin sprach mit dem Steuerexperten Thorsten U. Schmidt über Sozialabgabepflichten von Unternehmern

 

Im Top Interview:
Thorsten U. Schmidt, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Deltax Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft

Bereits seit 2007 prüft die Deutsche Rentenversicherung im Rahmen ihrer regelmäßigen Sozialversicherungsprüfungen auch die Künstlersozialabgabepflicht. „Was geht mich die Künstlersozialversicherung an? Die versichert doch nur Künstler“, denken vermutlich die meisten Unternehmer. Das stimmt scheinbar, denn die Künstlersozialkasse (KSK) bietet mehr als 185 000 selbständigen Künstlern, Publizisten, Grafikern, Textern, Fotografen, Webdesignern etc. eine Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Wie Arbeitnehmer zahlen sie nur etwa die Hälfte der Versicherungsbeiträge. Die andere Hälfte tragen der Bund (20 Prozent) und die Unternehmen, die von der Arbeit der Kreativen profitieren (30 Prozent). Viele Unternehmer sind sich dessen aber gar nicht bewusst. Wer denkt denn schon an Sozialabgaben, wenn er bei seinem selbständigen Grafiker ab und an neue Visitenkarten, Briefbögen oder Flyer in Auftrag gibt, für das Firmenjubiläum eine musikalische Umrahmung bucht oder den selbständigen Webdesigner mit laufenden Anpassungen der Unternehmenswebsites betraut? Doch genau das kann schon ausreichen, denn künstlersozialabgabepflichtig sind alle Unternehmer, die nicht nur gelegentlich künstlerische oder publizistische Werke nutzen und für ihr Unternehmen Werbung und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Als Faustregel gilt: Immer dann, wenn Leistungen in Wort, Bild oder Schrift eingekauft werden, die der Information, der Selbstdarstellung oder Unterhaltung dienen, muss grundsätzlich an die Künstlersozialabgabe gedacht werden. Bis 2014 galt in der Regel als „nicht nur gelegentlich“ eine zwei- oder dreimalige Auftragserteilung pro Jahr. Ab 2015 wird dieses Kriterium immer erfüllt, wenn für die Eigenwerbung oder Öffentlichkeitsarbeit Aufträge für insgesamt mehr als 450 Euro im Jahr erteilt werden. Selbst Unternehmer, die nur einmal pro Jahr einen selbständig tätigen Grafikdesigner Werbematerial oder die Website gestalten lassen, dürften diese Bagatellgrenze überschreiten und künstlersozialabgabepflichtig werden. Einen Lichtblick gibt es für Unternehmen, die Veranstaltungen mit Künstlern durchführen (zum Beispiel Live-Musik-Abende in einer Gaststätte). Hier fällt für höchstens drei Veranstaltungen pro Jahr auch dann keine Künstlersozialabgabe an, wenn die Entgelte dafür mehr als 450 Euro betragen.

Hinweis: Keine Künstlersozialabgabe fällt an, wenn eine Grafik- GmbH beauftragt wird, denn künstlersozialversicherungspflichtig sind nur natürliche Personen.

Die Künstlersozialabgabe beträgt aktuell 5,2 Prozent der gezahlten Gagen, Honorare sowie der Auslagen und Nebenkosten, die dem Künstler vergütet werden. Ab 2017 sinkt der Beitragssatz auf 4,8 Prozent. Nicht einzurechnen sind die gesondert ausgewiesene Umsatzsteuer, Vervielfältigungskosten und steuerfreie Aufwandsentschädigungen, die im Rahmen der steuerlichen Grenzen gezahlt werden. Wenn die Rechnung des Freischaffenden allerdings in einer Summe erfolgt, ist alles abgabepflichtig. Eine eigene Aufteilung der Gesamtsumme ist nicht möglich. Daher sollten Unternehmer in den Rechnungen auf eine Aufschlüsselung der erbrachten Leistungen achten. Künstlersozialabgabepflichtige Unternehmen müssen sich selbst bei der Künstlersozialkasse melden und bis zum 31. März des jeweiligen Folgejahres die im vergangenen Kalenderjahr an selbständige Künstler und Publizisten gezahlten Honorare mitteilen. Für das laufende Kalenderjahr sind monatliche Vorauszahlungen zu leisten. Nach der endgültigen Abrechnung nach Ablauf des Kalenderjahres sind Überzahlungen und Fehlbeträge auszugleichen. Wer seinen Meldepflichten nicht rechtzeitig nachkommt, wird von der Künstlersozialkasse geschätzt. Nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz sind die abgabepflichtigen Unternehmer verpflichtet, alle Zahlungen an die selbständigen Künstler sorgfältig aufzuzeichnen und für Prüfungszwecke der Künstlersozialkasse beziehungsweise der Rentenversicherungsträger vorzuhalten. N

Hinweis: Die Künstlersozialabgabe kann grundsätzlich für die letzten vier Jahre nachgefordert werden. Doch nicht nur die Nachzahlungen zur Künstlersozialkasse können für den Unternehmer teuer werden. Die Verletzung der gesetzlichen Meldeund Aufzeichnungspflichten ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld von bis zu 50 000 Euro geahndet werden kann. Achten Sie daher darauf, dass Sie Ihren Melde- und Zahlungsverpflichtungen nachkommen und keine Fristen versäumen. Die ETL-Steuerberater sind Ihnen gern dabei behilflich.

 
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»Wer denkt denn schon an Sozialabgaben, wenn er seinem selbständigen Grafiker einen Auftrag erteilt?«

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