Ferien- und Aushilfsjobs richtig abrechnen

Juli 2016 / Steuern
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Ferien- und Aushilfsjobs richtig abrechnen

Juli 2016 / Steuern 

Top Magazin sprach mit dem Steuerexperten Thorsten U. Schmidt über die Risiken vermeintlicher schneller Steuerersparnisse.

 

Im Top Interview:
Thorsten U. Schmidt, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Deltax Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft

Der Sommer ist klassischerweise die Haupturlaubszeit und für Arbeitgeber nicht selten eine Herausforderung in Sachen Personalplanung. Für Schüler und Studenten ist der Sommer hingegen die beste Zeit, um zu arbeiten und sich etwas dazuzuverdienen. Bevor der Unternehmer jedoch einen Schüler in seinem Unternehmen beschäftigt, sollte er über einige rechtliche Vorgaben Bescheid wissen.
Sicherheit | Das Thema Arbeitsunfall steht nicht nur für die Festangestellten im Raum. Gerade Jugendliche sind oftmals noch etwas zu sorglos und schätzen Gefahren nicht richtig ein. Doch hier kann Entwarnung gegeben werden. Sollte dem Jugendlichen trotz vorheriger Belehrung ein Arbeitsunfall passieren, greift automatisch die Mitgliedschaft des Arbeitgebers in der Berufsgenossenschaft als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.
Altersgrenze | Unter 13 Jahren geht grundsätzlich nichts, auch kein Verteilen von Flyern oder Erledigen von Botengängen. Das regelt das Jugendarbeitsschutzgesetz und die Kinderarbeitsschutzverordnung klar und eindeutig. Kinder über 13 Jahre dürfen mit Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten täglich zwischen 8 und 18 Uhr für maximal zwei Stunden mit leichten Tätigkeiten beschäftigt werden. Eine echte Hilfe sind daher Schüler erst zwischen 15 und 18 Jahren, denn sie dürfen während der Ferien pro Tag bis zu acht Stunden (40 Stunden in der Woche), maximal vier Wochen im Kalenderjahr, beschäftigt werden. Die vier Wochen können dabei frei auf alle Ferien des Kalenderjahres verteilt werden. Insgesamt dürfen es aber nicht mehr als 20 Tage sein. Und dieses auch nicht nahtlos am Stück. Auf fünf hintereinander gearbeitete Tage müssen mindestens zwei freie Tage folgen.
Steuern und Abgaben | Schüler sind meist über ihre Eltern kranken- und pflegeversichert. Daher müssen sie in der Regel keine Beiträge an die Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung zahlen. Je nachdem, wie ein Ferienjob ausgestaltet ist und abgerechnet wird, kann das jedoch anders sein. Wird der Ferienjob als Mini-Job mit einem monatlichen Bruttolohn von maximal 450 Euro ausgeübt, zahlt der Arbeitgeber die pauschalen Abgaben zur Sozialversicherung und meist auch die pauschale Lohnsteuer. Der Schüler zahlt lediglich seinen Eigenbeitrag zur Rentenversicherung (derzeit 3,7 %), sofern er sich nicht von der Zahlung befreien lässt. Bei Minderjährigen muss dieser Befreiungsantrag zwingend durch den gesetzlichen Vertreter, meist die Eltern, gestellt werden. Übersteigt das Arbeitsentgelt 450 Euro und handelt es sich nicht um ein kurzfristiges  Beschäftigungsverhältnis, wird der Arbeitslohn regulär versteuert. Dazu kommen Kranken-, Pflege und Rentenversicherungsbeiträge. Einzig Arbeitslosenversicherungsbeiträge fallen für Schüler nicht an. Um eine kurzfristige Beschäftigung handelt es sich, wenn diese von vornherein auf nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage (bis 31. Dezember 2014 sowie ab 1. Januar 2019: zwei Monate beziehungsweise 50 Arbeitstage) im Kalenderjahr begrenzt ist und sie nicht berufsmäßig ausgeübt wird. Die Höhe des Verdienstes ist dabei unerheblich. Der Vorteil dieser Abrechnung: Weder Arbeitgeber noch Schüler müssen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Während beim Mini-Job der Verdienst meist vom Arbeitgeber pauschal versteuert wird, muss der Schüler bei der kurzfristigen Beschäftigung seine Einkünfte aber regulär gemäß seiner Lohnsteuerklasse versteuern. Aufgrund des steuerlichen Grundfreibetrags in Höhe von 8 652 Euro fällt in vielen Fällen aber gar keine  Einkommensteuer an. Wenn der Arbeitslohn 68 Euro pro Beschäftigungstag nicht übersteigt und die Beschäftigung maximal 18 Tage zusammenhängend ausgeübt wird, kann der Arbeitgeber die Einkünfte jedoch auch mit 25 Prozent pauschal versteuern.

Achtung: Zwischen dem Ende einer Schulausbildung und dem Beginn einer Berufsausbildung liegt stets eine berufsmäßige, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vor. Etwas anderes gilt zwischen Schulabschluss und Studium. Diese Tätigkeiten gelten als nicht berufsmäßig und sind damit versicherungsfrei. Zur besseren Dokumentation, unter anderem für spätere  Betriebsprüfungen, sollten Arbeitgeber die Schulbesuchsbescheinigung, Nachweise und Erklärungen für geringfügig Beschäftigte,

Aufzeichnungen über die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden und die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit sowie die Bestätigung über das Vorliegen beziehungsweise Nichtvorliegen einer weiteren Beschäftigung aufbewahren.

 
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Eine echte Hilfe sind Schüler erst zwischen 15 und 18 Jahren.