Kleiner Job ganz groß

Juni 2015 / Steuern
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Kleiner Job ganz groß

Juni 2015 / Steuern 

TOP MAGAZIN sprach mit dem Steuerexperten Christian Johannes über Mini-Jobs: Gleiche Rechte, gleiche Pflichten …

 

Im TOP Interview:
Christian Johannes, Steuerberater im ETL ADVISION-Verbund aus Köln

Gerade in der Urlaubssaison, aber auch um Auftragsspitzen abzufangen und das feste Team sowie sich selbst etwas zu entlasten, kommen Unternehmer auf die Idee, einen Mini-Jobber zu beschäftigen. Für die 450 Euro wird eine feste Stundenzahl vereinbart und fortan kann man sich der tage- beziehungsweise stundenweisen Unterstützung sicher sein. Doch Achtung: Mini-Jobber mögen landläufig für viele Unternehmer zwar noch immer Aushilfscharakter haben, doch das ist ein Trugschluss, denn:

Mindestlohn

Seit Anfang 2015 hat jeder Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch auf mindestens 8,50 Euro pro Stunde, so auch die geringfügig beschäftigte Bürohilfe. Nur in wenigen Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei Jugendlichen unter 18 Jahren ohne Berufsausbildung gilt der Mindestlohn nicht. Die eigenen Kinder können sich somit ihr Taschengeld auch unterhalb des Mindestlohns aufbessern, der Ehepartner jedoch nicht. Man muss sich zudem bewusst sein, dass sowohl das Finanzamt als auch Zoll und Sozialversicherungsträger Anstellungsverhältnisse mit nahen Angehörigen stets mit Argusaugen überprüfen.

Und das nicht nur in Bezug auf die durch das Mindestlohngesetz neu eingeführten besonderen Aufzeichnungspflichten für Mini-Jobber, sondern auch darauf, ob das Anstellungsverhältnis überhaupt wie mit einem fremden Dritten vereinbart und durchgeführt wird. Urlaubsanspruch Auch Mini-Jobber haben, sofern sie ihre Tätigkeit nicht nur kurzfristig für wenige Wochen im Jahr ausüben, bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche einen Urlaubsanspruch von mindestens 24 Werktagen. Dieser wird natürlich entsprechend der Arbeitstage vor Ort umgerechnet, so dass ein Mini-Jobber, der an drei Tagen in der Woche im Unternehmen tätig ist, einen Anspruch auf 12 Arbeitstage bezahlten Urlaub hat.

Krankheit und Schwangerschaft

Wird der Mini-Jobber krank, so muss er die versäumten Arbeitsstunden grundsätzlich nicht in gesunden Zeiten nacharbeiten. Denn einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall sowie auf finanzielle Absicherung bei Mutterschaft nach den Regeln des Mutterschutzgesetzes haben Mini-Jobber ebenso wie Vollzeitbeschäftigte. Hierfür gibt es ein Ausgleichsverfahren, bei dem der Arbeitgeber regelmäßig monatlich auf den Bruttolohn eine Umlage 1 und 2 abführen muss. Im Falle von Krankheit oder Schwangerschaft erstattet die Krankenkasse dem Arbeitgeber dann die anteiligen Lohnkosten seines Arbeitnehmers.

Liebling der Arbeitnehmer

Mini-Jobs sind für Arbeitnehmer gerade deshalb interessant, weil diese für sie meist lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei sind. „Brutto gleich netto“ lau lautet das Credo. Nur ein Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 3,7 Prozent des Bruttolohnes (sofern sich der Arbeitnehmer hiervon nicht befreien lässt) wird für ihn vom Lohn einbehalten und zusammen mit pauschalen Arbeitgeberbeiträgen für Kranken- und Rentenversicherung in Höhe von 28 Prozent an die Bundesknappschaft abgeführt. Dazu noch zwei Prozent pauschale Lohnsteuer, die meist vom Arbeitgeber übernommen wird, belaufen sich die vom Arbeitgeber zu zahlenden pauschalen Abgaben auf über 31 Prozent, die er zusätzlich zum vereinbarten Lohn aufbringen muss.

Tipp

Etwas günstiger – zumindest für den Arbeitgeber – ist ein „Midi-Job“ mit einem Verdienst zwischen 450,01 bis 850 Euro. Der Midi- Jobber ist grundsätzlich sozialversicherungspflichtig und muss daher eigene Beiträge zur Kranken-, Renten-, Pflegeund Arbeitslosenversicherung zahlen. Auf den Arbeitgeber entfallen dann insgesamt nur noch Beiträge von zirka 22,4 Prozent. Alle Regelungen zu Mindestlohn, Arbeitszeitgesetz, Urlaub, Krankheit und Schwangerschaft gelten natürlich unverändert auch hier.

 
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Seit Anfang 2015 hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf mindestens 8,50 Euro pro Stunde.

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