Steuerfalle häusliches Arbeitszimmer

März 2016 / Steuern
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Steuerfalle häusliches Arbeitszimmer

März 2016 / Steuern 

Top Magazin sprach mit dem Steuerexperten Thorsten U. Schmidt über die Risiken vermeintlicher schneller Steuerersparnisse.

 

Im Top Interview:
Thorsten U. Schmidt, Rechtsanwalt und Geschäftsführer Deltax Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft

Wer zu Hause arbeitet, kann die Aufwendungen für sein Arbeitszimmer zumindest teilweise steuerlich geltend machen – doch nicht in jedem Fall stellt sich das im Nachhinein als Steuerschnäppchen heraus. Die Wenigsten sind sich darüber im Klaren, dass sie sich damit den Fiskus viel näher ins Haus geholt haben, als ihnen lieb ist. Doch der Reihe nach: Selbständigkeit bedeutet „selbst“ und „ständig“ – dieser alte Spruch gilt damals wie heute und legt natürlich nahe, auch in den eigenen vier Wänden ein Arbeitszimmer vorzuhalten, welches zumindest als Büroraum für das eigene Unternehmen genutzt wird.

Derartige Arbeitszimmer können mittlerweile jedoch nur noch sehr eingeschränkt steuerlich berücksichtigt werden, da diese „Büroarbeit“ in den meisten Fällen nicht den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt. Ganz ohne Berücksichtigung bleiben die Aufwendungen jedoch auch nicht, nämlich dann, wenn dem Unternehmer kein anderer Arbeitsplatz in seinem Unternehmen zur Verfügung steht. Maximal 1 250 Euro können so bei Nachweis der beruflichen Nutzung jährlich steuerlich geltend gemacht werden, das heißt bei Eigenheimen oder Eigentumswohnungen beispielsweise die anteilige Absetzung für Abnutzung (AfA) und bei einem privat gemieteten Haus oder einer Wohnung die auf das Arbeitszimmer entfallende Miete. Dazu kommen die anteiligen Betriebskosten wie Strom und Heizung. Eine private Mitbenutzung des Zimmers muss dabei ausgeschlossen sein. Damit scheiden Durchgangszimmer oder Arbeitsecken im Wohn- oder Schlafraum von vornherein aus. Letzteres bestätigte erneut der große Senat des Bundesfinanzhofs mit Beschluss vom 27. Juli 2015.

Doch welchen Preis muss man für die im Spitzensteuersatz maximale jährliche Steuerersparnis von 600 Euro im Zweifel wirklich zahlen?

Abgesehen vom Zeitaufwand für das Zu- sammenstellen und Aufbereiten der Belege schaut das Finanzamt bei häuslichen Arbeitszimmern seit jeher gern genauer hin, von der Anforderung der Grundrisse bis hin zum Vor-Ort-Besichtigungstermin. Befindet sich das häusliche Arbeitszimmer allerdings im Eigenheim des Unternehmers, kann es sich darüber hinaus zu einer echten Steuerfalle mit fatalen Folgen entwickeln. Denn in diesem Fall handelt es sich zwingend um notwendiges Betriebsvermögen des Unternehmers. Das bedeutet, dass das Arbeitszimmer anteilig in das Betriebsvermögen zum Verkehrswert oder – bei Anschaffung oder Herstellung innerhalb von drei Jahren – mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten einzulegen ist. Der Unternehmer muss somit den beruflich genutzten Haus- beziehungsweise Wohnungsteil nebst anteiligem Grund und Boden in seinem Anlageverzeichnis berücksichtigen. Nur bei einem geringen Wert ist keine Einlage erforderlich. Für den Gebäudeteil kann er dann die Absetzung für Abnutzung geltend machen (AfA).

Ob der Unternehmer das Zimmer auch tatsächlich steuerlich berücksichtigt, ist dabei belanglos. Entscheidend ist die tatsächliche Nutzung für die Qualifikation als Betriebsvermögen. Und genau diese Qualifikation als Betriebsvermögen kann gravierende Folgen nach sich ziehen. Denn dadurch ist ein Teil des privaten Eigenheims plötzlich steuerlich verstrickt, so dass alle Wertsteigerungen bei einer späteren Aufgabe des Arbeitszimmers (zum Beispiel weil ein Kinderzimmer benötigt wird) oder beim Verkauf des Grundstücks als Gewinn versteuert werden müssen. Bei der Immobilienpreisentwicklung der letzten Jahre wird schnell klar, dass den Unternehmer sein Arbeitszimmer weit mehr Steuern kosten kann, als er durch diese Gestaltung jemals spart. Jeder Unternehmer sollte sich daher genau überlegen, ob er sich mit einem Arbeitszimmer tatsächlich die vermeintlich schnelle Steuerersparnis oder späteren Ärger ins Haus holt, zumal die erforderlichen Arbeitsmittel, wie Schreibtisch, Laptop & Co. von der Abzugsbeschränkung nicht betroffen sind. Diese Kosten können völlig unabhängig von einem Arbeitszimmer im Rahmen der Abschreibung geltend gemacht werden.

 
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Das Finanzamt schaut bei häuslichen Arbeitszimmern seit jeher gern genauer hin.