Allein über den Atlantik

Juli 2017 / Köln
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Allein über den Atlantik

Juli 2017 / Köln 

Als Lina Rixgens im Alter von zarten sieben Jahren zum ersten Mal vor den Toren Kölns über den beschaulichen Liblarer See segelte, hätten sich weder ihre Eltern noch ihr Trainer vorstellen können, dass sich die kleine Lina nur rund 15 Jahre später auf das „Abenteuer Atlantiküberquerung“ vorbereiten würde. Tatsächlich ist Rixgens heute – mit knapp 23 Jahren – eine der bekanntesten deutschen Seglerinnen. Dies liegt nicht zuletzt an ihrer beeindruckenden Motivation und dem ehrgeizigen Projekt, ...lesen Sie den ganzen Artikel in unserer aktuellen Sommerausgabe!  im November als erste deutschstämmige Skipperin ins Ziel der Mini Transat Regatta zu fahren. Die letzte Teilnehmerin der Bunderepublik startete 1982, musste aber unterwegs aufgeben. „Die Regatta ist eine große Herausforderung“, sagt Lina Rixgens. So wird sie während des Rennens ganz alleine an Bord ihres Bootes sein. „Insgesamt lege ich auf meinem Mini 6.50 von der französischen Atlantikküste über Gran Canaria bis in die Karibik 7400 Kilometer, also 4000 Seemeilen, zurück. Dabei habe
ich kaum Möglichkeit zur Kommunikation – mal abgesehen von einem Funkgerät mit der Reichweite von 40 Kilometern, was auf dem Atlantik eine eher überschaubare Weite ist“, erklärt die angehende Abenteurerin Ein großes Abenteuer bedarf guter Vorbereitung Überdies gehe es bei der Regatta darum, möglichst traditionell zu navigieren. Das bedeutet, die Skipper verfügen zwar über GPS, müssen sich aber mit klassischen Seekarten auf Papier zurechtfinden. Eine besonders große Herausforderung der vierwöchigen Regatta sei neben der Findung von Sponsoren im Vorfeld und der Einsamkeit auf See aber vor allem die körperliche Anstrengung.
„Das Boot ist relativ rudimentär ausgestattet. Es geht ums Vorwärtskommen. Daher sind die alltäglichen Dinge auch auf das Nötigste reduziert. Gegessen wird Gefriergetrocknetes über dem Gaskocher erwärmt, Waschen funktioniert über einer Schüssel und Schlaf gibt es in 20-Minuten- Einheiten“, erklärt die erfahrene Seglerin.
Zwar hat Rixgens bereits Einhand-Regatten über mehrere Tage erfolgreich überstanden, doch die Transat ist ein besonderes Kaliber. „Auch wenn sich Körper und Geist an die Umstände gewöhnen, erst am Ziel merkt man, wie erschöpft man tatsächlich ist. Aber die Weite des Meeres, das unbeschreibliche Freiheitsgefühl und der Erfolg, solch eine Herausforderung zu bestehen – das sind die Strapazen allemal wert.“ Dass Lina Rixgens den extremen Anforderungen gewachsen ist, hat sie bereits eindrücklich bewiesen. Ihre bislang längste
Regatta führte über zehn Tage von ihrem derzeitigen Heimathafen La Rochelle in Südfrankreich bis nach Irland und wieder zurück. Dieser Törn sei nicht nur eine gute Vorbereitung auf die anstehende Atlantiküberquerung gewesen, sondern auch Rixgens persönlich größter Erfolg. „Bevor ich mich am 1. Oktober auf den Weg über den Ozean mache, nehme ich jede Vorbereitung mit, die ich bekommen kann. Daher stehen noch einige Regatten an, darunter eine Tour die bretonische Küste entlang und ein Törn zu zweit nach Irland“, erzählt die 23-Jährige.
Mit den Füßen auf dem Boden und dem Herzen auf See Unterstützung erhält sie bei all ihren Vorhaben von ihrer Familie, ihrem Partner und dem Segelclub Ville in Erftstadt, bei dem ihre Karriere auf dem Wasser begann und wo sie nach wie vor Mitglied ist. „Ich hatte schon als Kind einen sehr engagierten Trainer, der mich in die Regattaszene geführt hat. So sind die Boote und auch die Renndistanzen mit mir gewachsen.“ Dann mit 16 verbrachte die leidenschaftliche Sportlerin ein halbes Jahr mit insgesamt 24 Jugendlichen auf dem Zweimastschoner „Johann Smidt“. „Wir sind auf dem Schiff zur Schule gegangen und haben dabei über 14 000 Seemeilen auf dem Atlantik zurück gelegt. Das war ein fantastisches Abenteuer. Danach war mir klar, ich muss wieder raus auf den Ozean – und in diesem Herbst wird es endlich wahr.“ Auch wenn Lina Rixgens ein vielversprechendes Talent mitbringt, sieht sie persönlich ihre Zukunft nicht unbedingt auf dem Wasser. So studiert die gebürtige Kölnerin derzeit Humanmedizin im belgischen Lüttich. „Ich bin zwar für die Transat und die dazugehörigen Vorbereitungen freigestellt worden, aber ich möchte auf jeden Fall das Studium fortsetzen und Ärztin werden.
Aber ich denke, dass ich nicht mehr nach Köln zurückgehe. Das ist zu weit vom Meer entfernt. Vielleicht finde ich ja an der Ostsee einen neuen Heimathafen. Dort sind die Segelbedingungen auf jeden Fall besser als am Rhein“, lacht sie.

Kontakt für interessierte Sponsoren
E-Mail: linarixgens@gmx.de
Telefon: (02 21) 88 86 86 86

 
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FAKTEN Regatta Mini Transat
>> 4000 Seemeilen (7400 km) von der französischen
Atlantikküste bis in die Karibik
>> Ausrichtung: alle zwei Jahre
>> etwa 100 Teilnehmer aus mehr als
zehn Nationen
>> nur zwölf deutsche Teilnahmen
seit der ersten Mini Transat im Jahr 1977
>> Segeldauer: etwa vier Wochen
>> Lina Rixgens ist mit einem Mini 6.50
unterwegs, dem dynamischen und hochseetauglichen
Modell Pogo 2 (Baujahr 2008)
>> Länge: 6,50 Meter | Breite: 3,00 Meter
Segel: drei

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