Frauen in Führungspositionen

Dezember 2013 / Recht
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Frauen in Führungspositionen

Dezember 2013 / Recht 

Die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen ist seit Jahren Gegenstand öffentlicher Diskussionen. Obwohl bereits seit 2001 freiwillige Vereinbarungen zwischen den Vertretern der deutschen Privatwirtschaft und der Bundesregierung existieren. Hat sich der Anteil der Frauen auf der Führungsebene von Unternehmen kaum verändert. Vor diesem Hintergrund fordern Teile der Politik eine gesetzliche Quotenregelung insbesondere für Aufsichtsräte, um so die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen zu erreichen.

 

Im TOP Interview: Prof. Dr. Rolf Bietmann, Fachanwalt für Arbeitsrecht (Köln), Professor für Wirtschafts- und Arbeitsrecht

TOP: Wie viel Führungskräfte gibt es in Deutschland und wie hoch ist der Frauenanteil?

Bietmann: Der Anteil von Frauen an allen Führungskräften in der Privatwirtschaft wird auf ungefähr 30 Prozent geschätzt. Der Begriff „Führungsposition“ bezieht sich allerdings nicht nur auf GmbH-Geschäftsführer oder Vorstände von  Aktiengesellschaften. Gemeinhin versteht man unter einer Führungskraft eine Person, die unternehmerische, organisatorische und leitende Funktionen in sich vereint und die Aufgabe hat, ein Team zu motivieren und die Leistung einer Arbeitsgruppe maßgeblich zu beeinflussen.

TOP: Der Begriff Führungskraft wird also sehr weit definiert. Wie sieht es denn mit dem Frauenanteil in den 200 deutschen
Top-Unternehmen aus?

Bietmann: Ende 2012 waren nur vier Prozent aller Vorstands- und zirka 13 Prozent aller Aufsichtsratssitze in den Top-200-
Unternehmen in Deutschland von Frauen besetzt. 39 Frauen in den Chefetagen der Top-Unternehmen stehen 931 Männer
Gegenüber.

TOP: Was sollte die Politik tun, um die Situation zugunsten von Frauen zu verändern?

Bietmann: Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Jahr 2001 hat sich auf den Anteil von Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten so gut wie nicht ausgewirkt. Daher fordern Politiker der großen Volksparteien eine feste Quote für Frauen in Spitzenpositionen, die zumindest bei der Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern gesetzlich festgeschrieben werden soll. Auch die Europäische Kommission fordert zwischenzeitlich, dass 40 Prozent aller Aufsichtsräte von börsennotierten Unternehmen mit Frauen besetzt werden müssen. Gemäß dieser Vorgabe hat der Bundesrat dem Bundestag einen Gesetzentwurf zugeleitet, wonach die Mindestquote für Frauen bis Januar 2023 auf 40 Prozent in den Aufsichts- und Verwaltungsräten deutscher Unternehmen eingeführt werden soll. Ich bin sicher, dass es alsbald gesetzliche Regelungen geben wird.

TOP: Macht die stärkere Beteiligung von Frauen an der Spitze eines Unternehmens nicht auch wirtschaftlich Sinn?

Bietmann: Wissenschaftliche Studien belegen, dass ein Team, welches aus beiden Geschlechtern besteht, für Unternehmen regelmäßig bessere Ergebnisse erarbeitet. Frauen gehen zudem oft andere Wege als ihre männlichen Kollegen. Aus alledem lässt sich bei Teamarbeit eine erfolgreiche Problemlösung kreativ und innovativ gestalten.

TOP: Was kann die Wirtschaft zur Situationsverbesserung leisten?

Bietmann: Die Wirtschaft muss strukturelle und ideologische Barrieren, die Frauen beim Aufstieg in die Führungsetagen behindern, beseitigen. Hierzu gehören eine Neuausrichtung der Personalentwicklungspolitik, die Frauen unzureichend fördert, und natürlich die Realisierung der immer wieder erhobenen Forderung nach Vereinbarkeit von Karriere und  familiären Verpflichtungen. Insoweit müssen die Ursachen für die feststellbare Unterrepräsentanz angegangen werden. Eine gesetzgeberische Quotenregelung für die Besetzung von Aufsichtsräten ist jedenfalls kein Allheilmittel für die Sicherstellung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im jeweiligen Einzelfall. Gleichwohl wird die gesetzliche Frauenquote kommen, wenn sich die Personalkultur in deutschen Unternehmen nicht nachhaltig ändert …

 
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