Profi-Fußball Ablösesummen und Arbeitsrecht

Juli 2017 / Recht
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Profi-Fußball
Ablösesummen und Arbeitsrecht

Juli 2017 / Recht 

Top: Sind Profi-Fußballer Arbeitnehmer?

Bietmann: Vertragsspieler und Lizenzspieler stehen zu ihren Vereinen in einem Arbeitsverhältnis. Auf sie ist das deutsche Arbeitsrecht mit all seinen Rechtsfolgen anzuwenden. Berufsfußballer sind Arbeitnehmer. Sie sind weisungsabhängig tätig und in die betriebliche Organisation ihres Arbeitgebers eingebunden.

Top: Gilt das Arbeitsrecht uneingeschränkt für Fußballprofis?

Bietmann: Grundsätzlich ja, aber das Arbeitsverhältnis des Profi-Fußballers wird konkretisiert durch die Satzung des DFB, die Spielordnungen sowie durch das Lizenzspielerstatut. Lizenzspieler ist, wer einen schriftlichen Vertrag mit einem Lizenzverein oder einer lizensierten Kapitalgesellschaft geschlossen hat. Die arbeitsvertragliche Bindung des Spielers einerseits und seine satzungs- und lizenzmäßige Unterwerfung andererseits hebeln das Arbeitsrecht nicht aus. Für Streitigkeiten aus bestehenden Arbeitsverhältnissen der Lizenzfußballspieler sind die Arbeitsgerichte zuständig. Allerdings ergeben sich aus der Satzung des DFB Disziplinarrechte, denen sich Vereine und Spieler quasi unterwerfen.

Top: Gibt es Gerichtsentscheidungen?

Bietmann: Ja – viele! Die Arbeitsverträge der Spieler unterliegen den allgemeinen Regeln der §§ 305 ff. BGB und sind damit einer AGB-Kontrolle unterworfen. So haben die Arbeitsgerichte festgestellt, dass ein Spielervertrag, der dem Verein das Recht einräumt, einen befristeten Vertrag einseitig zu verlängern, die Berufsfreiheit eines wechselbereiten Spielers nach Art. 12 Abs. 1 GG verletzt und unwirksam ist. Das Arbeitsgericht Mainz hat im Fall eines Torhüters entschieden, dass die Regeln über befristete Arbeits- verträge unter bestimmten Voraussetzungen auch für Profi-Fußballer gelten und Befristungsvereinbarungen unwirksam sein können. Das LAG Rheinland-Pfalz hat diese Entscheidung allerdings mit Blick auf die Besonderheiten des Berufsfußballs aufgehoben.

Top: Wie ist das eigentlich mit Transferentschädigungen?

Bietmann: Ob und in welchem Umfang Vereinswechsel von einer Transferentschädigung abhängig gemacht werden können, hat der Europäische Gerichtshof im Fall „Bosmann“ entschieden. Der Freizügigkeit des Arbeitnehmers stehen danach die Regeln der Sportverbände entgegen, nach denen ein Profifußballer nur dann von einem Verein beschäftigt werden kann, wenn dieser dem früheren Verein eine Transferentschädigung gezahlt hat. Transferentschädigungen sind mithin unzulässig.

Top: Wie ist das denn mit den horrenden Ablösesummen?

Bietmann: Vor dem Hintergrund der arbeitsrechtlichen Realitäten schließen die Vereine heute Verträge mit längeren Laufzeiten. Vertragsrechtlich ist es dann möglich, Ablösesummen für den Fall zu vereinbaren, dass ein Spieler vor Ablauf der Vertragszeit den Verein verlassen möchte. Auf diese Weise können Spieler aus laufenden Verträgen „herausgekauft“ werden. Durch geschicktes Verhalten des jeweiligen Vereinsmanagements kann daher bei Abgabe von Spielern aus laufenden Verträgen ein beachtliches Entgelt –die Ablösesumme – für den Verzicht auf die Vertragslaufzeit, mithin „die Freigabe“, erzielt werden. Dieses Karussell um Vertragslaufzeiten und Ablösesummen dreht sich Jahr für Jahr immer schneller mit immer höheren Summen. Das Arbeitsrecht kann dem nicht entgegenwirken, sichert aber zumindest die Einhaltung sozialer Mindeststandards zu Gunsten der Beteiligten. Frei handelbare Waren sind Fußballspieler durch den arbeitsrechtlichen Schutz jedenfalls nicht. N

 

Das Karussell der Ablösesummen dreht sich Jahr für Jahr immer schneller.«

 
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