Wenn Wandel zur Tradition wird

Dezember 2017 / Gesellschaft
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Wenn Wandel zur Tradition wird

Dezember 2017 / Gesellschaft 

Bräuche sind unverzichtbarer Teil einer jeden Kultur. Denn als regelmäßig wiederkehrende, soziale Handlungen innerhalb einer Gemeinschaft erfüllen sie gleich mehrere existentielle Funktionen. Sie sind Ausdruck von historisch verankerten Traditionen, stiften ein Zugehörigkeitsgefühl und stärken die kulturelle Identität. Dabei können sie ebenso religiösen wie regionalen Ursprungs sein, sich auf besondere Einschnitte im Lebensweg von der Geburt bis zum Tod beziehen oder eine gesellschaftliche Bedeutung haben. Das heißt aber nicht, dass das gelebte Brauchtum strengen und starren Regeln folgt. Vielmehr wandeln sich Bräuche und ihre Erscheinungsformen mit der Gemeinschaft, in der sie gepflegt werden. Gerade im Rheinland spielen Bräuche eine wichtige Rolle. „Dabei ist Brauchtum mehr als nur der Karneval. Von Neujahr über Ostern bis zu Sankt Martin und Weihnachten strukturieren feste Traditionen das Jahr und somit das Leben der Menschen“, weiß der stellvertretende Leiter des Kölnischen Stadtmuseums Dr. Michael Euler-Schmidt. Doch ständige Veränderungen in der Gemeinschaft und in der Kultur bedingen nicht nur Weiterentwick Bräuche sind unverzichtbarer Teil einer jeden Kultur. Denn als regelmäßig wiederkehrende, soziale Handlungen innerhalb einer Gemeinschaft erfüllen sie gleich mehrere existentielle Funktionen. Sie sind Ausdruck von historisch verankerten Traditionen, stiften ein Zugehörigkeitsgefühl und stärken die kulturelle Identität. Dabei können sie ebenso religiösen wie regionalen
Ursprungs sein, sich auf besondere Einschnitte im Lebensweg von der Geburt bis zum Tod beziehen oder eine gesellschaftliche Bedeutung haben. Das heißt aber nicht, dass das gelebte Brauchtum strengen und starren Regeln folgt. Vielmehr wandeln sich Bräuche und ihre Erscheinungsformen mit der Gemeinschaft, in der sie gepflegt werden. Gerade im Rheinland spielen Bräuche eine wichtige Rolle. „Dabei ist Brauchtum mehr als nur der Karneval. Von Neujahr über Ostern bis zu Sankt Martin und Weihnachten strukturieren feste Traditionen das Jahr und somit das Leben der Menschen“, weiß der stellvertretende Leiter des Kölnischen Stadtmuseums Dr. Michael Euler-Schmidt. Doch ständige Veränderungen in der Gemeinschaft und in der Kultur bedingen nicht nur Weiterentwicklung. Sie bringen auch neue Herausforderungen mit sich. Diese lassen sich im Zuge einer bewussten und bedachten Einhaltung von „Brauchtumsgrenzen“ bewältigen.

 

Maßlosigkeit ist das Todesurteil für die Brauchtumspflege


„Werden solche Grenzen überschritten oder ausgereizt, dann besteht die Gefahr der Maßlosigkeit, so wie es aktuell bei fast schon exzessiven Halloweenpartys, dem Karneval im Sommer oder übertriebenen Abi-Streichen zu beobachten ist“, meint der engagierte Brauchtumspfleger. Maßlosigkeit sorge dafür, dass die ursprüngliche Bedeutung des Brauchtums verschwimme. Einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken, hat sich unter anderem der Verein der Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums zur Aufgabe gemacht. „Natürlich liegt unser Hauptaugenmerk auf urkölschen Bräuchen – also auf dem Karneval, wie er in den Veedeln gefeiert wird. Darüber hinaus widmen wir uns der Pflege des Brauchtums in Kindergärten, Schulen und örtlichen Vereinen“, erklärt Bernhard Conin, Vorsitzender der Freunde und Förderer. Das bedeute im Konkreten, dass beispielsweise traditionelle Sankt-Martins-Umzüge mit Pferd, Reiter und Feuer mitfinanziert werden. „Überdies unterstützen wir zahlreiche Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen, die sich mit unserem Brauchtum und unserer Mundart befassen“, fügt Conin hinzu. Das neue Büchlein „Bräuche in Köln gelebt“ von Dr. Michael Euler-Schmidt ist eine solche Publikation. In einem Lexikon im Taschenformat hat der studierte Kunsthistoriker und Germanist insgesamt 22 Bräuche sowie Traditionen gesammelt, beschrieben und erklärt, die fester Bestandteil des Jahresverlaufs in Köln sind. Dazu gehören neben Festtagen des Kirchenjahres – wie Pfingsten, Fronleichnam oder Allerheiligen und Nikolaus – zudem Bräuche, die eine eher gesellschaftliche Bedeutung haben, wie beispielsweise die Tradition der Aprilscherze, der Muttertag oder die Eröffnung der Karnevalssession am Elften-im-Elften.

Chancen und Risiken der Vielfalt


„Das Kompendium bietet einen guten Überblick über den brauchtümlichen Facettenreichtum in der Domstadt. Es ruft aber zudem vergessene Bräuche ins Bewusstsein und lädt ein, diese aktiv mitzugestalten und lebendig zu halten“, meint Psychologe und Brauchtumsexperte Wolfgang Oelsner. „Bräuche sind im Grunde eine Vereinbarung im Kollektiv. Damit wirken sie als gemeinschafts- und identitätsstiftend zugleich“, führt Oelsner aus. Dies sei in Zeiten einer multikulturellen Gesellschaft,
in der Ausgrenzung und Vorurteile zur Regel werden, wichtiger denn je. „Glücklicherweise macht Köln dabei vielen Städten vor,
wie gut dieses Konzept aufgeht“, betont Oelsner. Im Umkehrschluss bringt eine sich wandelnde Gesellschaft neue Traditionen und Bräuche hervor, die sich mit Althergebrachtem vermischen oder es sogar ablösen. „So positiv sich solch ein Wandel gestaltet, so kritisch darf der Umgang damit sein. Meines Erachtens stellt sich nämlich immer die Frage, welchen Sinn ein Brauch hat. Schafft er Vertrautheit und suggeriert er Verlässlichkeit oder ist er doch vielmehr eine Abwandlung von Kommerz, dem Verlangen nach dem nächsten großen Event oder einer beliebigen Aktion? Letzten Endes generieren Bräuche und deren bewusste Pflege das wertvolle Gefühl von Heimat. Und ebendieses sollte nicht in Vergessenheit geraten“, resümiert Autor
Euler-Schmidt.

»Bräuche sind Ausdruck von historisch verankerten Traditionen, stiften ein Zugehörigkeitsgefühl und stärken die kulturelle Identität.«

 
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