Detektive der Kunstgeschichte

Dezember 2016 / Gesellschaft
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Detektive der Kunstgeschichte

Dezember 2016 / Gesellschaft 

Es gibt gute Kunstfälschungen und schlechte. Die guten hängen in den Museen“, sagte Kunstkenner Prof. Dr. Georg Kroeger in seinem Beitrag bei der 66. Kölner Top Lounge. Seinen Schätzungen zufolge seien sogar rund 30 Prozent aller Gemälde Fälschungen. Auch im Wallraf-Richartz-Museum in der Kölner Innenstadt sind nicht alle ausgestellten Werke das, was sie zu sein scheinen – und das sogar in offiziell bestätigter Weise. In der zweiten Etage, unweit von berühmten Künstlern des Barocks wie Murillo, Tintoretto, Rembrandt und Rubens, können Besucher ab sofort die echte Fälschung eines Monet-Gemäldes bewundern. Noch bis vor wenigen Jahren galt das Werk als eine von zwei Versionen des Motivs „Am Seineufer bei Port Villez“. Nun ist das Bild zentrales Ausstellungsstück der neu eingerichteten Abteilung „Im Labor des Museums“. Hier offenbart sich ein Arbeitsbereich, der Museumsbesuchern bislang verborgen blieb: die Abteilung für Kunsttechnologie und Restaurierung. „Besonders gut ist unsere Arbeit, wenn sie nicht sichtbar ist“, erklärt Abteilungsleiterin Iris Schaefer. Denn die Hauptaufgabe eines Museum sei es, Kunstwerke fachgerecht und dauerhaft im Originalzustand zu erhalten und Besuchern zugänglich zu machen.

Erhalt kann nur auf Basis von Analysen wirklich funktionieren. „Dazu sind Konservierung und Restaurierung der Ausstellungsstücke sowie Forschungen rund um die Malerei unverzichtbar“, so Schaefer weiter. Die eingesetzten Technologien offenbaren manches langgehegte Geheimnis. So verraten Röntgenbilder, wo an Bildkompostition gearbeitet wurde oder ob sich unter dem bekannten Motiv ein anderes verbirgt. Infrarot erlaubt zudem einen Blick auf die Planskizze eines Gemäldes und das Stereomikroskop zeigt kleinste Beschädigungen. Erst nach der Analyse der jeweiligen Ergebnisse kann ein individueller Restaurationsplan erstellt werden. Ebendiese Verfahren kamen auch zum Einsatz, als sich die Kölner Restauratorin Caroline von Saint-George vor acht Jahren im Zuge der Untersuchung von Maltechniken bei Impressionisten dem „Seineufer“ von Monet widmete. „Der Befund war eindeutig: Das Bild ist eine Fälschung“, so Schaefer. So ist das Gemälde mit einer bräunlich-gelben Farbschicht „auf alt getrimmt worden“. Zudem sei an der Unterskizze des Bildes erkennbar, dass selbst Details vorgezeichnet waren – eine Vorgehensweise, die Monet nie gewählt hätte.

Besonders verräterisch sei zudem die Signatur des Künstlers, die zweifach und in verschiedenen Farben gezogen wurde. „Es wird also deutlich, dass die Tätigkeit der Restauratoren, die im stillen Kämmerlein stattfindet, sowie der Einsatz modernster Analysetechniken die tragenden Säulen für Forschung an und den Erhalt von bedeutender Kunst bilden“, resümiert Iris Schaefer und freut sich, Besuchern des Wallraf-Richartz-Museums auch in Zukunft einen frischen Blick auf die Kunst zu gewähren. N

»Konservierung und Restaurierung der Ausstellungsstücke sowie Forschungen rund um die Malerei sind unverzichtbar.«

 

 

 

 

 

 

 
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Fotos: Museen der Stadt Köln

Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud Obenmarspforten (am Kölner Rathaus) | 50667 Köln Telefon: (02 21) 221-21 119 Info: www.wallraf.museum

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