Kultur im Klärwerk

Februar 2017 / Gesellschaft
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Kultur im Klärwerk

Februar 2017 / Gesellschaft 

Inmitten des größten der fünf Kölner Klärwerke – im rechtsrheinischen Stammheim – verbirgt sich zwischen Abwasserleitungen, Filteranlagen und Klärbecken ein Ort, der nicht nur mit Wasseraufbereitung zu tun hat. Denn wo früher Klärschlamm zersetzt und zur Verbrennung vorbereitet wurde, haben nun Kunst und Kultur ein Zuhause gefunden. Die Initiative des Wasserforum Köln e. V. macht es möglich. So bietet der 1994 unter Denkmalschutz gestellte „Faulturm“ heute Raum für bildende Kunst, zeitgenössische Malerei, Bildhauerei und Musik. Dabei lautet das Motto stets „Wasser ist Leben“, wodurch Kunst und das Thema Umweltschutz eine ungewöhnliche Symbiose eingehen. „Als gemeinnütziger Verein möchten wir die Kölner auf die Bedeutung der lebenswichtigen Ressource Wasser aufmerksam machen und über einen sensiblen Umgang damit informieren“, erklärt Wasserforum-Geschäftsführerin Dr. Elke Schlepütz. Neben der Wasserschule und der Villa Öki, die sich mit ihren Lehrangeboten an Kindergarten- und Schulkinder richten, habe sich der Kulturtreff Faulturm als Ort der Begegnung und des Austauschs für Mitglieder des Vereins und interessierte Bürger etabliert. „Im Grunde möchten wir Kunstfreunde ansprechen und dabei indirekt den Wasserschutz thematisieren“, so Schlepütz.

„200 Jahre Pegel Köln – kann das Kunst sein?“

Das Konzept funktioniert – und so beherbergt der Faulturm jetzt wechselnde Events von der Vernissage bis zum Tanztheater. Anlässlich der diesjährigen Mitgliederversammlung des Wasserforums beeindruckte die Künstlerin Simone Lubberich mit einer spektakulären Installation. Unter dem Titel „200 Jahre Pegel Köln – kann das Kunst sein?“ zeigte sie anhand rund 5000 einzelner Streifen die je höchsten und niedrigsten Messwerte eines jeden Monats der letzten 200 Jahre. Als Raum-Zeit-Installation konzipiert, fügt sich das Werk Lubberichs perfekt in die Gegebenheiten des Faulturms ein. In dem runden Skelettbau – einer von insgesamt sechs Faulbehältern der 1953 in Betrieb genommenen Kläranlage – wurde noch bis in die frühen 1990er-Jahre der sogenannte Faulschlamm weiterverarbeitet. Er entsteht aus ungelösten, im Abwasser gesammelten Stoffen, die sich im Vorklärbecken der Anlage absetzen und so aus dem Wasser gefiltert werden. Unter sauerstofffreien Bedingungen im Faulturm gelagert, zersetzen Bakterienstämme den Schlamm in brennbare Gase, die in gereinigter Form sogar als Energielieferant genutzt werden können, und in ein als organischer Dünger geeignetes Substrat. Wie das genau funktioniert, erfahren Neugierige im Rahmen verschiedenster Angebote des Wasserforums, das mit Unterstützung der Stadtentwässerungsbetriebe Köln und der RheinEnergie AG auch in Zukunft Bildung, Kunst und das Thema der nachhaltigen Wasseraufbereitung vereinen möchte. „Wasserschutz muss auf breiten Füßen stehen, wenn er funktionieren soll. Daher müssen alle mitmachen“, bemerkt Elke Schlepütz. n

www.wasserforum-koeln.de

 

 
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Das Stammheimer Großklärwerk reinigt rund 80 Prozent der kölnischen Abwässer und ist damit die größte der insgesamt fünf städtischen Kläranlagen. Bereits 1953 – damals noch mit einer rein mechanischen Klärung, also dem Filtern der Feststoffe aus dem Wasser – wurde es in Betrieb genommen und galt seinerzeit als besonders fortschrittlich. Aufgrund neuer Erkenntnisse in den Bereichen der Abwasserreinigung und der Schlammbehandlung wurde die Anlage stetig verbessert und ausgebaut. Diese Maßnahmen bedeuteten auch den Neubau der Faultürme. Bis auf einen Bau, der als denkmalgeschützter Kulturtreff in das moderne Verwaltungsgebäude integriert ist, wurden alle anderen originalen Faultürme abgerissen. Heute setzt das Klärwerk neben der verbesserten mechanischen Reinigung zudem auf die biologische sowie die chemische Klärung des Abwassers. Hierbei kommen neben Bakterien und Hefen, die die im Wasser enthaltenen biologischen Verunreinigungen abbauen, zudem chemische Prozesse zum Einsatz, die Phosphor aus dem Wasser entfernen