»Eisspeicher«

Dezember 2017 / Köln
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»Eisspeicher«

Dezember 2017 / Köln 

Er ist kreisrund, hat einen Außendurchmesser von 16,54 Meter und sorgt künftig für neun unterschiedliche Klimazonen innerhalb des Neubaus des Historischen Archivs: Der Eisspeicher ist eine bislang einzigartige technische Gebäudeausstattung in Köln. Nur durch ihn ist gewährleistet, dass die unterschiedlich sensiblen Archivalien und Fotografien konstant bei jeweils richtiger Temperatur gelagert werden. Durch den Eisspeicher wird Wasser gefroren oder geschmolzen und – ähnlich einer Fußbodenheizung, nur in den Wänden – in das Gebäude geleitet. Diese Hüllflächentemperierung sorgt unabhängig von der wechselnden Außentemperatur für konstante Klimabedingungen. Der Bau selbst ist nicht begehbar und beeindruckt dennoch von außen durch seine Größe und seine technischen Details. Bevor die Anlage unter einer Betondecke des künftigen Innenhof- Bodens nicht mehr zu sehen sein wird, gab Birgit Grunert- Schmitz von der Projektleitung der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln der Öffentlichkeit die Gelegenheit, die außergewöhnliche Technik kennenzulernen.

Neun Klimazonen

Der Speicher ist Bestandteil eines Klimakonzeptes, das auf die spezifischen Anforderungen des Neubaus „Historisches Archiv Köln mit Rheinischem Bildarchiv“ passgenau zugeschnitten wurde. Das Konzept verbindet eine neu gebaute Brunnenanlage, eine Wärmepumpe und einen Eisspeicher auf dem Grundstück des Neubaus mit einer raum-lufttechnischen Klimaanlage (RLT) und stellt damit neun Klimazonen sicher, die für die unterschiedlich sensiblen Archivalien und Fotografien vonnöten sind. „Die Klimatechnik kommt mit sehr geringen Luftmengen zurecht und reguliert Beheizung, Be- und Entfeuchtung sowie Kühlung für die unterschiedlich sensiblen Archivalien und Fotografien“, erklärte Birgit Grunert-Schmitz. Doch wie funktioniert der Eisspeicher? Die Brunnenanlage fördert etwa 13 Grad warmes Grundwasser, das im Winter als weitere Wärmequelle dient. Im Sommer kann dieses Grundwasser ohne weiteren Maschineneinsatz die Hüllflächen des Magazins sowie die Flächenkühlsysteme im Mantelbau kühlen. Die äußeren Decken und Wände des künftigen Magazinbaus werden ähnlich einer Fußbodenheizung klimastabil gehalten. Damit bleibt die Raumtemperatur konstant. Im Mantelbau wird die Energie zusätzlich in Rohrsystemen über die Betondecken verteilt.

400 000 Liter Fassungsvermögen

Der Eisspeicher ist ein mit Wasser gefüllter Behälter im Erdreich mit einem Fassungsvermögen von 400 000 Litern. Die Wärmepumpe entzieht dem Wasser Wärme, die über die Lüftungsanlage in die Wände geleitet zum Heizen genutzt werden kann. Das Eis dient der Kühlung. Beides kann über Monate gespeichert oder auch kurzfristig bereitgestellt werden. So kann schnell auf kleinste Temperatur- und Feuchtigkeitsveränderungen reagiert werden, die etwa durch Beleuchtung oder den Betrieb von Geräten in „ruhenden“ Bereichen entstehen können. Am Eifelwall errichtet die Stadt Köln derzeit Europas modernstes kommunales Archiv, in dem das Historische Archiv der Stadt Köln und das Rheinische Bildarchiv ihren neuen Platz finden. Auf einer Gesamtfläche von etwa 20 300 Quadratmetern stehen rund 58 Regalkilometer und 460 Planschränke für das Archivgut zur Verfügung. Das Rheinische Bildarchiv bekommt weitere 2,2 Regalkilometer Lagerfläche. Das neue Archiv wird ein einladendes und offenes Haus, das gleichzeitig rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hochfunktionale Arbeitsplätze bietet. Der Neubau ist mit Gesamtkosten in Höhe von 83,6 Millionen Euro veranschlagt. Seine Fertigstellung ist für März 2020 geplant

 

»Wärme wie auch Kälte können über Monate gespeichert werden.«

 
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