Mit der Straßenbahn auf virtueller Zeitreise

Dezember 2017 / Köln
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Mit der Straßenbahn auf virtueller Zeitreise

Dezember 2017 / Köln 

Wenn modernste Technik und ein Stück Stadtgeschichte aufeinandertreffen, dann kann daraus ein spannender Mix entstehen. Am Alter Markt gegenüber des Jan-von-Werth- Brunnens lockt seit kurzem eine Dauerausstellung, die genau auf diese Mischung setzt: TimeRide Cöln entführt seine Besucher auf eine virtuelle Zeitreise ins Köln der Kaiserzeit. Dazu nehmen sie im Nachbau eines Straßenbahnwagens Platz und begeben sich mit Hilfe ausgeklügelter Technologien auf eine Fahrt zurück ins frühe 20. Jahrhundert.

„Das Konzept ist in dieser Form einzigartig“, sagt Matthias Flierl von TimeRide. Der Trick dahinter heißt „Virtual Reality“, kurz VR. Das bedeutet: Während die Gäste fest auf ihren Plätzen im Bahnmodell sitzen, sehen sie über einen Monitor, der sich wie eine Brille aufsetzen lässt, einen animierten Film. Dieser führt sie auf Schienen entlang dem Rhein und durch die Altstadt der frühen 1900er-Jahre. Es geht vom heutigen Standort des Schokoladenmuseums vorbei an Märkten und Brücken durch die Bischofsgartenstraße und schließlich über die Bechergasse bis zum Alter Markt und wieder in die Gegenwart. Unterwegs beleben rund 3000 Personenanimationen die Szenerie zwischen Fluss und wilhelminischen Hausfassaden. Der Clou ist, dass sich mit der Kopfbewegung der Fahrgäste auch die Perspektive ändert. Überall gibt es kleine Geschichten, charmante Details und interessante Dinge zu entdecken. „Hinzu kommt das Gefühl, dass die Bahn wirklich fährt“, ergänzt Flierl. Ventilatoren in den Sitzen produzieren den Fahrtwind, sogenannte Buttkicker erzeugen durch vibrierende Bässe den Eindruck der Bewegung und über Kopfhörer sind Gesprächsfetzen, Pferdehufe und Hundegebell, das Rufen der Zeitungsjungen oder auch das Lamentieren des kölschen Bahnfahrers zu vernehmen. „So wird das Erlebnis haptischer und Besucher tauchen vollends in die Zeit der Industrialisierung ein“, erklärt Flierl.

Die Idee hinter TimeRide geht auf Geschäftsführer Jonas Rothe zurück, der sich bereits während seines Studiums mit der Frage nach der Zukunft der Museen befasste. „Die Entwicklung von virtueller Realität, die derzeit beim Gaming prominent ist, bot ungeahnte Möglichkeiten“, verrät der TimeRide-Sprecher. Was in Köln zu sehen ist, sei ein Pilotprojekt. „VR steckt noch in den Kinderschuhen und wir leisten Pionierarbeit.“ Dementsprechend setzt das Team des Startup-Unternehmens auf die neuesten Innovationen. Um trotz allem Pioniergeist ein optimales Ergebnis für die Gäste zu gestalten, wurde bei der Entwicklung viel Wert auf Detailtreue und Authentizität gelegt. Allein die Produktion des etwa 15-minütigen Animationsfilms habe inklusive Recherche über das historische Stadtbild sowie einiger Testläufe ein ganzes Jahr in Anspruch genommen. Flierl berichtet: „Wir haben eng mit dem Straßenbahnmuseum in Thielenbruch, den Kölner Verkehrs-Betrieben und dem Archiv der Stadt Köln Zusammengearbeitet. Die dargestellte Strecke gehört zu den Seiten Kölns, die foto- und filmtechnisch besonders gut dokumentiert sind. Dennoch bedurfte es viel Kreativität, um ein schlüssiges Bild zu gestalten.“ Hinzu kam der Bau des Straßenbahnwagens, der zwar nach historischem Vorbild, aber speziell für das VR-Erlebnis entworfen wurde. „Die Gäste haben mehr Platz als in einer originalen Straßenbahn, damit sie sich ungehindert in alle Richtungen drehen können. Ein Infrarot-System erfasst die genaue Position der Billen, sodass die Blickrichtung des Gastes der Blickrichtung im Film entspricht. „Im Augenblick haben alle Fahrgäste den Platz gleich neben dem Fahrer. Auch hierbei ermöglichen weitere Entwicklungen in der Technik weitere Verbesserungen“, meint VR-Experte Matthias Flierl.

Eingerahmt wird die Reise in die Vergangenheit von einer kleinen Fotoausstellung, die sogenannte „Kaiserpanoramen“ zeigt. Mit Hilfe von stereoskopischen Aufnahmen entstehen räumliche Bilder von bekannten Kölner Orten. Zu sehen sind moderne und historische Ansichten unter anderem vom Hauptbahnhof, dem Rheinpanorama oder dem Neumarkt. Bevor es dann in die „Zeitmaschine“ geht, präsentiert ein kurzer Film Schlaglichter der Stadtgeschichte. „Bislang ist die Resonanz positiv. Zu unseren Besuchern gehören heimatverbundene Rheinländer ebenso wie Touristen, Geschichts- und Kulturinteressierte, Schulklassen oder Technikbegeisterte“, resümiert Matthias Flierl und betont: „Wie hoffen sehr, dass wir mit dem TimeRide eine Lücke in der Museumslandschaft der Stadt schließen und das Prinzip künftig ausweiten können.“ N

 

http://www.timeride.de

 
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