Plüsch, Porno und Party 

November 2017 / Köln
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Plüsch, Porno und Party 

November 2017 / Köln 

Hollywoodblockbuster und heiße Filmchen, Skandale und Liebesgeschichten, lange Nächte und kurze Tage, wilde Partys

und unvergessliche Konzerte – das alles prägte das „Gloria“, das weit über die Kölner Stadtgrenzen hinaus bekannt geworden ist. Das Gloria ist Kult – und heute eine der erfolgreichsten Bühnen von Köln. Für rund 900 Gäste ein Ort zum Feiern, Träumen und Wohlfühlen. „Wenn der Gürzenich die gute Stube von Köln ist, dann ist das Gloria die Küche“, bringt es Schauspieler Claus Vincon auf den Punkt. Klar, denn in der Küche herrscht die beste Stimmung. Da trifft man sich, schaut in die Töpfe, probiert und hat einfach Spaß.

Kino-Blockbuster und Sexfilme

Viele Gesichter hatte das Gloria in den vergangenen sechs Jahrzehnten: Am 30. November 1956 wurde es als Lichtspieltheater aus der Taufe gehoben. Es war seinerzeit das 81. Kino in Köln und ging mit dem Heimatfilm „Verlobung am Wolfgangsee“ an den Start. Neben deutschen, französischen und italienischen Filmen strömen die Zuschauer in amerikanische Blockbuster wie „Manche mögen’s heiß“ mit Marylin Monroe, „Bettgeflüster“ mit Doris Day oder „Frühstück bei Tiffany“ mit Audrey Hepburn. Ende der 1960er-Jahre ritt das Gloria auf der Sexfilmwelle –    Streifen wie „Schulmädchenreport“ lösten Aufklärungsfilme wie Oswalt Kolles „Die Frau, das unbekannte Wesen“ ab und ab Mitte der 1970er eroberten Pornofilme das öffentliche Interesse. Auch die Filme des Kölner Porno-Produzenten Mike Hunter liefen im Gloria. Verboten war es jedoch, für die Vor-führung Eintritt zu kassieren. So bezahlten die Kinobesucher an der Kasse für eine Schachtel Pralinen, den Film konnten sie umsonst ansehen.

Wilde Partys und Rodeo-Reiten

Mit dem Kinosterben erlebte auch das Gloria wirtschaftlich schwere Zeiten: Ende 1989 wurde der Kinobetrieb eingestellt. Doch schon Mitte der 1990er war das ehemalige Kino wieder eine angesagte Veranstaltungslocation – diesmal für die schwul-lesbische Community. Es gab wilde Schaumpartys, Schlagerevents, Rodeo-Reiten und Rollschuh-Partys – im Gloria wurde exzessiv gefeiert. Ob Hella von Sinnens Kabarettprogramm „Ich bremse auch für Männer, die „Hurra Deutschland“ Puppenshow oder Ralf Königs „Kondom des Grauens“, das ebenfalls als Puppenspiel auf die Bühne gebracht wurde – kulturell trat das Gloria Mitte der 1990er zunehmend in den öffentlichen Fokus. Comedy und Kabarett sind hier immer noch zu Hause. Johann König, Mirja Boes, Kay Ray, Carolin Kebekus und Ingo Appelt halten der „alten Tante“ bis heute die Treue. Claudia Wedell und Michael Zscharnac sind seit

2004 für das Haus verantwortlich. Sie haben es in den letzten 13 Jahren zu einem der angesagtesten Clubs der Domstadt gemacht. Die Betreiber verstehen es, den Charme der „alten Lady“ in einem modernen Ambiente zu integrieren. Hier stehen international gefeierte Bands und Künstler wie Coldplay, Pink, Oasis, Kings of Leon, Interpol und Muse auf den Brettern. Und auch deutsche Musiker wie Johannes Oerding, Meaches oder Christina Stürmer lieben die Auftritte im Kölner Gloria – und auch die Toten Hosen aus Düsseldorf. 

 

»Die Kinobesucher bezahlten an der Kasse für eine Schachtel Pralinen, den Film konnten sie umsonst ansehen.«

 

Rauschende Party

Schön, dass ihr da seid“, prangte auf Riesenlettern im Gloria Theater. Betriebsleiterin Claudia Wedell und Geschäftsführer Michael Zscharnack hatten zur großen Party zum 60. Gloria- Geburtstag geladen – und zahlreiche Freunde waren gekommen, um einen wunderbaren Abend mit vielen Erinnerungen zu erleben. Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes sprach die Glückwünsche der Stadt aus, Geschäftsführer Zscharnack startete eine Zeitreise durch „60 Jahre Gloria Theater“ und garnierte sie mit viel Musik: „Es ist ein großartiges Gefühl, so viele Freunde unter unserem Dach zu wissen. Das ist uns ein großer Ansporn, noch mehrere Jahre mit viel Energie und Leidenschaft Veranstaltungen auf die Bühne zu bringen. Solch schöne Momente sollen eine Zukunft haben“, freute er sich. Bis in die frühen Morgenstunden wurde viel gelacht, getrunken, gequatscht und gefeiert. Unter anderem Anka Zink, Bill Mockridge, Claus Vinçon, Mirja Boes, Dave Davis, Domian, Guildo Horn, Hella von Sinnen, Mundstuhl, Sabine Heinrich und Stefan Knittler waren mit von der Partie

 
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