Mit Jule auf Delikatessensuche

Juli 2017 / Köln
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Mit Jule auf Delikatessensuche

Juli 2017 / Köln 

Wenn eine Frau für ihren Traum den vermeintlich sicheren Job aufgibt, neue und bislang unbekannte Pfade einschlägt, den Mut zur Innovation aufbringt und ihr Ziel nicht aus den Augen verliert, dann ist sie mit Fug und Recht eine starke Frau. Sabine Hörnicke ist ihren eigenen Weg gegangen und hat es mit Fleiß, Ehrgeiz und dem sprichwörtlich richtigen Riecher zu Deutschlands erster geprüften Trüffel-Beraterin gebracht. Heute gibt die Wahl-Rheinländerin nicht nur kulinarische Seminare rund um den Edelpilz. Sie handelt mit Trüffeln, bildet Trüffelsuchhunde aus, bietet Catering mit den luxuriösen Leckerbissen an und berät Privatpersonen ebenso wie Landwirte in allen Fragen zum Anbau und Zucht der Delikatessen. „Dabei hat mein ursprünglich gelernter Beruf so gar nichts mit dem zu tun, was ich heute mache“, erzählt die 44-Jährige. Zwar gab es mal in der Jugend die Idee, nach dem Abitur Ökotrophologie zu studieren – also Haushalts- und Ernährungswissenschaften. Doch die Verbundenheit mit dem damals noch heimischen Ruhrgebiet führte Hörnicke zunächst an die Fachhochschule in Essen, wo sie Betriebswirtschaftslehre studierte und parallel eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten absolvierte.

 

Aus Liebe zur Natur

„Insgeheim habe ich mich aber in der Natur immer wohler gefühlt als im Büro“, gibt Hörnicke zu. Vor allem die Welt der Pilze und insbesondere die Vielfalt der Trüffel habe sie fasziniert. „Um diese Delikatesse rankt sich mancher Mythos, der nicht stimmt. So sind Trüffel beispielsweise gar nicht so selten, wie es scheint. Sie können überall gefunden werden. Köln mit seinem milden Klima und den bewaldeten Flächen ist eine wahre Trüffelhochburg“, erklärt die Expertin. So zieht es Sabine Hörnicke, die sich 2015 als Trüffel-Beraterin selbständig gemacht hat, regelmäßig mit Hündin Jule in den Stadtwald, den Stadtgarten oder zu den Lindenalleen der Rheinmetropole. Dort hat Jule ihren großen Auftritt. Der elfjährige Borderterrier- Pekinesen-Mix gilt als einer der besten Trüffelhunde Deutschlands. Bislang hat Julchen rund 60 verschiedene Trüffel- Arten innerhalb der Bundesrepublik gefunden. Besonders stolz ist Sabine Hörnicke auf weiße Trüffel der Gattung „Tuber rufum var.nitidum“, die Jule mitten in Köln ausfindig gemacht hat – ein Sensationsfund. „Im Augenblick haben aber Sommertrüffel, also „Tuber aestivum“, Saison – auch im Rheinland“, sagt die Fachfrau. „Allerdings stehen sie in Deutschland wie diverse andere Sorten unter Naturschutz. Das bedeutet, sie dürfen gesucht und gefunden, aber nicht gesammelt werden“, erklärt Hörnicke. Für ihren Stand auf Schlossmärkten oder für diverse Catering- Aufträge lässt sie die geschützten Sorten aus Ländern importieren, in denen die Pilze nicht unter Schutz stehen. „Dabei geht es nicht allein um den Genuss. Der Respekt vor der Natur und dem Gut, das sie hervorbringt, ist immens wichtig.“ Der Pilz lebe in einer Symbiose mit dem Baum, zwischen dessen Wurzeln er wächst, und sei daher von Bedeutung für das Ökosystem Wald. Das Hobby zum Beruf gemacht Diese hypogäeische Reifung unter der Erde sowie die aufwendige Suche nach den Pilzen machen das Gewächs zu einer Delikatesse.

„In der Regel wird die Knolle zur Würzung verwendet, was aber nicht nur in der Sterneküche funktioniert. Auch Omelette, Reibekuchen oder Pasta lassen sich perfekt mit Trüffel verfeinern“, weiß Sabine Hörnicke. Dieses Wissen gibt sie gerne weiter. So informiert sie im Rahmen kulinarischer Seminare über die Besonderheiten der Trüffel, ihre Lagerung und Zubereitung und die Geschichte des Speisepilzes. „Allein damit könnte man ganze Bücher füllen“, lacht sie. „Ich hatte das große Glück mein Hobby zum Beruf zu machen. Die Freude daran möchte ich teilen“, sagt Hörnicke. Daher bildet sie nicht nur Menschen in Sachen Trüffel aus. Ebenso wie Jule und Hörnickes zweiter Hund Milly kann jeder Vierbeiner zum Trüffelschnüffler werden. Die Ausbildung dauert einige Monate. „In den letzten Jahren habe ich etwa 100 Trüffelsuchhunde ausgebildet und es werden stetig mehr“, freut sich die Unternehmerin. „Ich hoffe, dass ich mit meiner Begeisterung für die Natur und ihr besonderes Produkt auch in Zukunft noch viele Menschen anstecken kann und dazu inspiriere, selbst einmal vom Weg abzukommen.“ Schließlich gebe es unter den Bäumen allerhand Schätze zu finden. 

 

 
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