Der Himmel über dem Rhein

Juli 2017 / Köln
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Der Himmel über dem Rhein

Juli 2017 / Köln 

Mit der Bundesgartenschau 1957 in Köln erlebte die Domstadt nicht nur einen unvergleichlichen Besucherstrom, sondern auch einige städtebauliche Veränderungen, die bis heute nachhallen. Das wohl prominenteste Beispiel ist neben dem in Deutz gelegenen Rheinpark vor allem die Seilbahn, die die Menschen seit nunmehr 60 Jahren sicher von einer Rheinseite auf die andere bringt. Dabei ist die Fahrt mit der Gondel nicht nur für Touristen ein Höhepunkt, denn sie eröffnet eine einmalige Perspektive auf das Stadtpanorama. In diesem Sommer feiert das ungewöhnliche Verkehrsmittel, das heute so selbstverständlich zum Stadtbild gehört, sein 60-jähriges Bestehen und blickt auf eine im wahrsten Sinne des Wortes „bewegte“ Geschichte zurück. Dabei war schon die Entscheidung für oder gegen Gondeln über dem Rhein nicht einfach. Während Oberstadtdirektor Max Adenauer einen Bau mit Hinblick auf die bevorstehende Gartenschau auf der Schäl Sick durchaus befürwortete, wurden Kritikerstimmen laut.

 

Gegen Kritiker durchgesetzt

Am 21. Juli 1955 fiel schließlich im Rat der Stadt die Entscheidung für eine Seilbahn und schon wenige Monate später begann der Bau. Beauftragt wurde die die seit 1890 in Zollstock ansässige Firma Pohlig, die über weltweite Erfahrungen im Bau von Verladeeinrichtungen und Förderanlagen, aber auch von Personenseilbahnen verfügte. Zu ihren bekanntesten Projekten gehörte die 1912 errichtete erste Seilbahn zum Zuckerhut in Rio de Janeiro. Die Kölner Seilbahn wurde im April 1957 in Betrieb genommen. Verantwortlich war die Kölner Seil bahngesellschaft mbH, an der die Stadt Köln mit 60 Prozent und die J. Pohlig AG mit 40 Prozent beteiligt waren. Zu den ersten Fahrgästen gehörten neben dem damaligen Oberbürgermeister Theo Burauen auch Gartenschauschirmherr und Bundeskanzler Konrad Adenauer sowie Bundespräsident Theodor Heuss.

Zum Publikumsmagnet avanciert

Zwar erhielt die Bahn zunächst nur eine Konzession für drei Jahre, in denen sich die Kosten des Baus von rund 1,1 Millionen Mark amortisieren sollten, doch als liebgewonnene Besonderheit der Stadt mauserte sich die Anlage zu einem Publikumsmagneten. Schließlich war sie Europas einzige Seilschwebebahn über einen Fluss. Die zunehmende Motorisierung des Landes machte aber bald den Bau einer neuen Brücke über den Rhein notwendig. Der Standort des seinerzeit noch als Nordbrücke geplanten Projekts überschnitt sich mit dem Standort der Seilbahn. So mussten die Kölner im Sommer 1963 schweren Herzens Abschied von  ihren Gondeln nehmen. Erst nach Fertigstellung der Zoobrücke entstand mit versetzten Stationen eine Konstruktion, schräg über die Brücke hinweg. Am 22. August 1966 nahm die modernisierte und um 250 Meter verlängerte Rheinseilbahn wieder Fahrt auf. Seit fast zwei Jahrzehnten zeichnen sich nun die Kölner Verkehrs-Betriebe für den Betrieb der Gondeln verantwortlich. Heute lockt vor allem das Rheinpanorama die Gäste zur Seilbahn. Auch Filmaufnahmen, Heiratsanträge und Hochzeiten finden regelmäßig in knapp 23 Metern über dem Wasser statt. Zudem gibt es Sonderfahrten zu Veranstaltungen wie den Kölner Lichtern oder der Museumsnacht. 

 

»1957 eröffnet war sie Europas einzige Seilschwebebahn über einen Fluss.«

 

Die Kölner Seilbahn verkehrt von März bis November. Es handelt sich um eine Gondelbahn oder genauer um eine „Zweiseilumlaufbahn“. Die 41 Kabinen für jeweils vier Personen können bis zu 1600 Personen pro Stunde befördern. Die Stützen sind linksrheinisch 36,4 Meter, rechtsrheinisch 50,3 und 34,0 Meter hoch. Fahrstrecke: 935 Meter Fahrzeit: 6 Minuten (bei ca. 10 km/h) Fahrtrichtung: Rechtsfahrt Größte Bahnneigung: 40 Prozent Durchmesser und Tragkraft der Seile: Tragseil: 45 Millimeter, 230 280 Kilogramm Zugseil: 22 Millimeter, 30 000 Kilogramm

 
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