Karnevalisten hauchen Denkmälern neues Leben ein

Januar 2017 / Köln
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Karnevalisten hauchen Denkmälern neues Leben ein

Januar 2017 / Köln 

Die Kölner Traditionskorps stehen in besonderem Maße für die Pflege des Brauchtums und die Überlieferung des historischen Karnevals. So liegt es nahe, dass sich die ehrwürdigen Gesellschaften mit ihren Geschäftsstellen an nicht minder ehrwürdigen Orten niederlassen. Was wäre da repräsentativer als eine Adresse entlang der mittelalterlichen Stadtmauer in einem der einstigen Wehr- und Wachtürme? Doch die teils denkmalgeschützten Bauten bringen nicht nur ein gewisses Prestige mit sich, sondern auch eine Menge Arbeit. Die Korps sind daher seit Jahren mit großem Engagement dabei, ihre Domizile zu pflegen und damit einen Teil kölnischer Geschichte zu bewahren. Vor allem im Prinzen-Garde-Turm hat sich so einiges getan und auch in der Hahnentorburg, wo die Ehrengarde beheimatet ist, sowie in der Ulrepforte der Roten Funken und im Sachsenturm der Blauen Funken wird an allen Ecken und Enden gewerkelt.

Rote-Funken-Heimat seit mehr als 60 Jahren

Die Ülepooz ist seit der offiziellen Einweihung im September 1956 die Heimat der Roten Funken, die ein Jahr zuvor die mittelalterliche Torburg in Erbpacht übernommen und mit dem Wiederaufbau der knapp 800 Jahre alten Anlage begonnen hatten. Aktuell steht eine Erweiterung um einen Entlastungsbau mit Lichthof auf dem Plan, der zum einen fehlende Rettungswege und eine barrierefreie Nutzung des Gebäudes möglich macht. In den neuen Anbau sollen die derzeit im Mühlenturm untergebrachte Kleiderkammer sowie das Vereinsarchiv und die Geschäftsstelle verlegt werden. Auch die Toiletten sind zukünftig hier zu finden. Da der Zugang zu der in den 1950er-Jahren gebauten WC-Anlage im Bogen des Stadttors nicht mehr existiert, wird dieser Bereich wieder freigelegt und bleibt als Haupteingang erhalten. Um einen freien Blick auf die Ulrepforte zu geben, wird der oberirdische Teil des Entlastungsbaus vorwiegend aus Glas gefertigt. Der gesamte Gebäudekomplex erhält außerdem eine moderne Heizungs- und Belüftungsanlage. Dies ermöglicht, die derzeit mit der alten Anlage zugebauten Schießscharten freizulegen. Durch einen neu entstehenden Lichthof seitlich der Caponniere kann zudem ein Teil des Wehrgrabens wieder sichtbar gemacht werden. Der Umzug von Kleiderkammer und Archiv entlastet den Turm, der Raum für die Historie der Ulrepforte schafft. In Zusammenarbeit mit dem Kölnischen Stadtmuseum soll hier die geschichtliche Entwicklung von 1245 bis heute dargestellt werden und Besucher an Führungen teilnehmen können. „Mit Hilfe des Entlastungsbaus können wir die Zeitschichten der Ülepooz sichtbar machen, anhand dieser sich ihr ursprünglicher Zweck bis heute erkennen lässt“, sagt Architekt und Funken- Burgvogt Ulrich Schlüter.

Aktiver Denkmalschutz bei den Blauen Funken

In direkter Nachbarschaft zur Ulrepforte hat die Kölner Funken Artillerie blau weiß von 1870 ihre Heimat gefunden. Seit 1970 befindet sich der Sitz der Blauen Funken im Sachsenturm. Seither hat sich in dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem 12. Jahrhundert einiges verändert. In enger Absprache mit dem Amt für Denkmalschutz der Stadt Köln und unter der Leitung des gemeinnützigen „Bauverein Sachsenturm“ sind unter anderem ein moderner Tagungs-, Seminarund Gastraum entstanden sowie der barrierefreie Zugang zum Turm. Auch moderne Brandschutzmaßnahmen und der Ausbau des Kellers taten nicht zuletzt aufgrund der stetig steigenden Mitgliederzahl Not. Ein weiterer Ausbau des sogenannten Funkenturms ist derzeit in Planung. „Damals hatten die Blauen Funken 120 Mitglieder, heute sind es mehr als 500. Verschiedene Veranstaltungen können wir im Turm nicht mehr durchführen“, sagt Blaue Funken-Präsident Peter Griesemann. Daher wünschen sich die Funken einen harmonischen schönen Anbau, der architektonisch gesehen die perfekte Symbiose aus Alt und Neu bilden soll. Doch bis alle Genehmigungen vorliegen, die Planung abgeschlossen ist und die Arbeiten tatsächlich beginnen können, wird wohl noch einige Zeit ins Land ziehen. Im Anbau, für den nach Vorstellung der Blauen Funken in zwei Jahren die Baugenehmigung vorliegen soll, sollen die Geschäftsstelle und ein Versammlungsraum Platz finden. Das renommierte Büro Faltin & Sattler wurde mit der Durchführung eines Architektenwettbewerbs beauftragt, der im Jahr 2017 abgeschlossen sein soll.

Das Schmuckstück im Zentrum des Rudolfplatzes

Auch die Ehrengarde der Stadt Köln von 1902 hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Heimat – die Hahnentorburg am Rudolfplatz – im Sinne der Denkmalpflege in Stand zu halten. Bereits seit 1988 ist das grün-gelbe Traditionskorps dort beheimatet. Seither hat der mittelalterliche Bau vor allem mit Unterstützung des Vereins der „Freunde und Förderer der Hahnentorburg“ zu alter Pracht zurückgefunden. Nach der Generalsanierung der Fassade sowie der Innenräume im Jahr 2007 soll im Frühling 2017 der Abriss der Brücke erfolgen, die die Torburg mit dem Nachbargebäude verbindet. Anschließend erfolgt die bauliche Neuerschließung des Rudolfplatzes. „Dies wird der erste Schritt zu massiven Neugestaltungen sein“, verrät Ehrengarde-Präsident Hans-Georg Haumann. Bevor es soweit ist, müssen die Gardisten den Turm räumen und an verschiedenen Ausweichorten unterkommen. „Bislang hat sich ein Großteil des Vereinslebens dort zugetragen. So ist die Brücke Treffpunkt für das Korps, für die Tanzpaare und für andere Gesellschaften. Dazu kamen private Feiern sowie der monatliche Korpsapell außerhalb der Session. In der Hahnentorburg sind außerdem Kleiderkammer sowie ein Museum und Räume für die Vorstandssitzungen untergebracht“, Haumann. Langfristig strebt die Ehrengarde die Errichtung eines rund 400 Quadratmeter großen Anbaus an die Torburg an sowie den barrierefreien Umbau der Zugänge. „Die Hahnentorburg gilt als bedeutendes Baudenkmal der Stadt und soll zukünftig trotz ihrer Nutzung als Geschäftsstelle 

zunehmend wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden“, hofft Haumann. Auch in Sachen Hahnentorburg wird ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Mittlerweile ist ein Gutachterverfahren für die mögliche Erweiterung an den Start gegangen. In Abstimmung zwischen Stadt Köln und Ehrengarde trafen sich die teilnehmenden Architekten des Planungsverfahrens, die Jury sowie Vertreter aus der Verwaltung, der Politik und der Bezirksvertretung Innenstadt. Insgesamt 13 hochkarätige Architekturbüros aus Europa (unter anderem aus Berlin, Zürich, London, Basel, Köln) wurden dazu gewonnen. Das Verfahren dauert insgesamt rund sechs Monate und wird von einer fachkundigen Jury aus Teilnehmern der Stadt Köln, der Ehren- Garde, den verschiedenen Fraktionen und externen Experten begleitet. Mit Ergebnissen wird bis Anfang April 2017 gerechnet.

 

 

 
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