Fleißige Stadtbienen 

Oktober 2016 / Köln
«

Fleißige Stadtbienen 

Oktober 2016 / Köln 

 

Albert Einstein soll einmal gesagt haben: „Wenn die Bienen aussterben, stirbt der Mensch nur vier Jahre danach auch.“Dass solch eine vermeintliche Utopie durchaus Realität werden könnte, zeigt ein Phänomen, mit dem Landwirte und Imker nun schon seit Jahren zu kämpfen haben: dem plötzlichen Sterben ganzer Bienenvölker. Parasiten und Viren sind ebenso Ursachen wie durch Pestizide geschwächte Völker, Monokulturen in der Landwirtschaft und überempfindliche Züchtungen. Wie verheerend das Sterben der fleißigen Insekten sein kann, ist in Chinas Landwirtschaft erkennbar. Hier sind es die Menschen, die die Arbeit der Bienen übernehmen und mit Blütenbestäubung per Hand die Obst- und Gemüseernten retten. Auch wenn es in Europa noch nicht so dramatisch ist, sind die Zahlen besorgniserregend: So hat sich der Bestand an Bienenvölkern in Deutschland in den letzten 40 Jahren um ganze 30 Prozent reduziert.

„Urban beeing“ in Köln

Dabei sind die unscheinbaren Sechsfüßler wichtige Nahrungsmittelproduzenten, denn rund 70 Prozent unserer Nutzpflanzen tragen ohne die Bestäubung durch Bienen keine Früchte. Und auch der Honig – in der Bundesrepublik sind das rund 20 000 Tonnen jährlich – wird ohne die tausenden und abertausenden Bienenvölker knapp. Mit dem „urban beeing“ hat sich in den letzten Jahren ein Gegentrend entwickelt, der jenseits von Massenproduktion wieder auf ein gesundes Imker-Bienen-Verhältnis setzt und die Honigbiene in das Öko-System Großstadt integriert. Das Prinzip ist einfach: Hobby-Imker oder kleine Imkereibetriebe platzieren Bienenstöcke auf Dächern von öffentlichen und privaten Gebäuden, in Parks oder Gärten. Die Arbeiterbienen steuern im Frühling und Sommer Schrebergärten, Felder, Balkonkästen und Beete an und helfen so, die Botanik zu neuem Leben zu wecken. Zugleich produzieren sie Honig.

Bester Honig aus dem eigenen Veedel

Auch in Köln haben die Bienen feste Plätze gefunden. So sind beispielsweise auf den Dächern des Pullman-Cologne Hotels, des Regierungspräsidiums, des Amtsgerichts, des Excelsior Hotel Ernst oder der Kölner Universität Bienenstöcke beheimatet und auch in der Flora und sogar im Garten des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki kümmern sich Imker fürsorglich um das Wohlergehen ihrer Königinnen und deren fleißiger Kinder. Und davon profitiert nicht nur die Natur in der Stadt. Regelmäßig haben Kindergärten und Schulklassen die Möglichkeit, sich unter fachkundiger Anleitung einen Bienenstock und die darin beheimatete Honigproduktion genauer anzusehen und sogar beim „Honigschleudern“ mitzuhelfen. Dabei lernen sie ganz praktisch, wie wichtig Bienen für den Menschen sind und dass die summenden Arbeiter keineswegs als stechende Plagegeister verurteilt werden sollten. Wer darüber hinaus die „urbane Imkerei“ ohne eigenen Bienenstock unterstützen möchte, kann seine Balkon- und Gartenbepflanzung besonders bienenfreundlich gestalten. Denn neben Obstbäumen, Stauden und Sträuchern freuen sich die Tiere auch über die Blüten von Astern, Dahlien, Efeu, Kapuzinerkresse, Lilien, Sonnenblumen und vielen weiteren mehr. Je nachdem, welche Pflanzen die Bienen in ihrem Sammelgebiet finden, hat der kölsche Veedels-Honig eine ganz eigene Gold-Färbung und einen individuellen Geschmack. Mit einem Pro-Volk-Gewinn von bis zu 50 Kilo Honig und durchschnittlich fünf Völkern pro Imker kommt da eine ganze Menge zusammen. So können Bürger in Lövenich, Ehrenfeld, Marienburg, Vingst und Co. den Honig aus der Nachbarschaft mit Nektar aus dem eigenen Blumenkasten beim Imker ihres Vertrauens kaufen und dabei sicher sein, dass die Bienen artgerecht gehalten und gut versorgt werden.

Fotos von Christoph Seelbach

 
Zurück zur Übersicht

Genau genommen, wird der Honig als Nahrungsreserve für das Bienenvolk und die Brut hergestellt. Bei der Produktion gibt es eine klare Arbeitsteilung. Während ein Teil der Bienen für das Sammeln des Nektars aus den Blüten zuständig ist, kümmern sich die Stockbienen um die Verarbeitung. Sie transportieren den Saft immer wieder, indem sie ihn in den Körper aufnehmen und wieder abgeben. Dabei wandeln Enzyme, Säuren und Eiweiße den Nektar nach und nach um. Überdies reduzieren die Bienen mithilfe cleverer Strategien und Einlagerung in den Waben den Wassergehalt im Nektar, bis schließlich Honig entsteht. Gewonnen wird das faszinierende Naturprodukt schließlich durch das Schleudern. Hierbei entnimmt der Imker vorsichtig die Waben aus dem Bienenstock, entfernt die Wachsdeckel und schleudert den Honig schließlich in einer Zentrifuge aus den Vorratskammern der Bienen. Anschließend wird der Honig noch durch ein Sieb gelassen, um  Verunreinigungen herauszufiltern und schon ist er bereit zur Abfüllung. Wie das in der Praxis funktioniert, konnten sich in diesem Jahr einige Kölner Schüler auf dem Dach des Pullman- Cologne Hotels ansehen.

www.koelner-imkerverein.de

www.stadtbienen.org