»Kutt erop, bei Palms do es de Pief verstopp«

Januar 2016 / Karneval
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»Kutt erop, bei Palms do es de Pief verstopp«

Januar 2016 / Karneval 

Gemeinsam singen, schunkeln und klatschen – ohne seine Lieder wäre der Kölner Karneval undenkbar. Einige von ihnen überdauern Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte – und mit ihnen verbunden bleiben ihre Interpreten. Schon in den ersten Jahren nach der Gründung des Kölner Karnevals 1823 beschäftigte sich ein eigens eingesetzter Ausschuss damit, Melodien für den Fastelovend auszuwählen. Doch gehen die Anfänge des karnevalistischen Liedgutes noch weiter zurück. Das älteste soll die Nonne Anna um 1500 zum Nonnenkarneval am Donnerstag – Vorläufer der Weiberfastnacht – notiert haben. Der eigentliche Beginn des Kölner Karnevalsliedes datiert auf das Jahr 1823, in dem Christian Samuel Schier zur Inthronisierung des Helden Karnevals ein Lied schrieb, das die Jecken noch viele Jahre als Eröffnungslied auf allen Sitzungen sangen.

Gesungene Geschichte und Lieder über das Leben

Fast immer drehen sich die Texte der Karnevalslieder um die Geschichte Kölns und das Leben seiner Bürger. Um die volksnahe Bedeutung wusste auch Joseph Roesberg, eigentlich Inhaber eines Weinhauses. 1868 verfasste er op Kölsch das „Karussellcheleed“, und auch das Lied über die selbstbewusste Dienstmagd „Schnüsse Tring“ aus Osssendorf stammt aus seiner Feder. Rasend schnell entfalteten sich die kölschen Tön Anfang des 20. Jahrhunderts. Einen Höhepunkt bilden die Lieder von Willi Ostermann. 1907 gelang ihm der Durchbruch mit „Dem Schmitz sing Frau eß durchjebrannt“. Danach bescherte er dem Karneval jedes Jahr neue Hits. „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia“, „Kutt erop, bei Palms do es de Pief verstopp“, aber auch hochdeutsche Walzer- und Marschlieder wie „Drum sollt’ ich im Leben ein Mädel mal frei’n, dann muss es am Rhein nur geboren sein“ haben die Legende Ostermann unsterblich gemacht. Und er schuf die kölsche Nationalhymne vom „Heimweh nach Köln“ mit der noch bekannteren Textzeile: „Ich mööch zo Foß noh Kölle jonn.“ Neben Hans Jonen (1892–1958), der zahlreiche Karnevalsrevuen für Grete Fluß schrieb, erlangte Jupp Schmitz (1901–1991) mit „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ (1950) Berühmtheit. Sein Auftritt bei der Prinzenproklamation 1964, wo er sich in kurzer Lederhose mit dem Lied „Der Hirtenknabe von St. Katrein“ der Volksmusik widmete, bleibt unvergessen. „Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt“, „Wir kommen alle, alle in den Himmel“ und „Es ist noch Suppe da“ sind seine bekanntesten Hits. „Heidewitzka, Herr Kapitän“ tönte es 1936 bei Karl Berbuer (1900–1977) – ebenso wie der Trizonesien-Song (1948) und „Et Arnöldche fleut“. Jupp Schlösser (1902–1983) kreierte mit Ger-hard Jussenhoven (1911–2006) über 50 ewig gültige Leedcher. „Die Hüsjer bunt om Aldermaat“ und „Dat Glockespill vum Rothuusturm“ bereichern bis heute den Kölner Liedschatz. „Ich bin der Prinz von Krahnenbäumen“ und „Hurra, hurra, der liebe Jung ist wieder da“ erinnern an Toni Steingass (1921–1987).

Überweite Hosen als Erkennungszeichen

Zwischen 1933 und 1961 nahmen „Die Vier Botze“ (Hans Süper Senior, Hans Philipp „Fibbes“ Herrig, Gerhard „Grätes“ Böckem und Ferdinand „Fänand“ Vossenberg) die Karnevalsbühnen in Beschlag. Überweite Hosen waren ihr Erkennungszeichen – und überregionalen Bekanntheitsgrad erhielten sie 1945 mit einer Coverversion des im Original von den Drei Laachduve 1938 aufgenommenen Schlagers „En d’r Kaygass Nummero Null“. Kölner Musikgruppen wie Bläck Fööss und Paveier verdanken Hans Knipp (1946–2011) zahlreiche ihrer bekanntesten Lieder. Der Texter und Komponist verfasste mehr als 100 Titel für die Fööss, darunter „Drink doch eine met“ und „Mer losse d’r Dom en Kölle“. Auch die Evergreens „Mer schenke d‘r Ahl e paar Blömcher“ und „Ne Besuch em Zoo“ stammen von ihm. Ob „Ming eetste Fründin“, „Mer bruche keiner“ oder das „Stammbaum-Lied“ – Hans Knipp liebte es über das kölsche Milieu und die rheinische Mentalität zu komponieren, für die Paveier unter anderem „Heut brennt mein Iglu“ und „Buenos Dias Matthias“.

„Königin des Mottolieds“

Marie-Luise Nikuta (25. Juli 1938 in Köln-Nippes geboren) gelang es schließlich, als Frau in der damaligen Männerdomäne Karneval musikalisch Fuß zu fassen. Heute ist sie die „Königin des Mottolieds“, da sie seit 1977 (mit einer Pause von 2003 bis 2005) jährlich das Mottolied des Kölner Karnevals beisteuert. Im Herbst 2014 kündigte sie ihren Rückzug von der Bühne an und wurde offiziell bei der Sessionseröffnung am 11. November 2014 auf dem Heumarkt verabschiedet. Zu den bekanntesten Musikern des Kölner Karnevals gehörte ebenso das Eilemann-Trio. Günter Eilemann (1923–2015) gründete die Truppe 1952 mit Karl-Heinz Nettesheim und Horst Muys. 1956 ersetzte Willy Schweden (1928–2002) Nettesheim an der Gitarre und der unvergessene Charly Niedieck löste Muys 1962 als Bassist ab. Nach dem Unfalltod Niediecks 1992 löste Günter Eilemann das Trio auf. Während seiner aktiven Zeit komponierte Eilemann mehr als 200 Lieder, darunter „Oh Heimat, wie bist Du so schön (1960)“, „Sie will ja nach Sevilla“ (1964), „Das gibt’s nur einmal“ (1973) und „Kamelle us Kölle“ (1983). In die Zeit der „Eilemänner“ fällt Krätzchensänger Ludwig Sebus, der seinen ersten Erfolg 1954 mit dem Lied „Jede Stein in Kölle eß e Stöck vun dir“ erlebte. Auch der Hit „Loor ens vun Düx noh Kölle“ fällt in das Repertoire des Sängers, der auch mit 90 Jahren nicht müde wird, seine Leedcher darzubieten.

Lieder pflanzen Namen fort

So wie es in der Inschrift des Grabes von Toni Steingass auf dem Melatenfriedhof heißt („Es bleiben uns ja seine Lieder, sie pflanzen seinen Namen fort, man wird sie singen immer wieder, landauf, landab an jedem Ort“) haben sich die Kölner Musik- Legenden mit ihren Liedern, Krätzchen und Stimmungshits ein Stück unsterblich gemacht. Und wer sind heute die „Legenden“? Bläck Fööss, Höhner, Paveier, Räuber oder Brings? Nun, diese Entscheidung ist den Jecken der Zukunft überlassen … 

 

 
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