Pänz nehmen Ehrenplätze ein

November 2016 / Karneval
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Pänz nehmen Ehrenplätze ein

November 2016 / Karneval 

Inzwischen ist Kinderkarneval keineswegs mehr nur eine reine Nervensache für die Organisatoren. Frische Ideen und neue Konzepte haben einen Wandel bewirkt, der aus eher chaotischen Kostümbällen eine vergnügliche Angelegenheit für die ganze Familie macht. Begeisterung für den Karneval schon bei Jugendlichen zu wecken, ist letztlich unverzichtbar, wenn auch in Zukunft Publikum zu den Veranstaltungen kommen soll. Allerdings reicht es längst nicht mehr aus, die Kinder mit der Aufforderung „Maskeet üch nett un maat üch schön“ zum jecken Treiben aufzurufen, wie das noch 1954 beim ersten Ehrenfelder Kinderzug möglich war. Zu dieser Zeit fing der Karneval gerade erst an, die Jugend für sich zu entdecken. Zuvor war es eher eine Erwachsenen-Angelegenheit. Doch mit den 1951 ins Leben gerufenen „Schull- und Veedelszöch“ und dem 1954 an der Start gegangenen „Ehrenfelder Kinderzug“ übernahmen nach und nach die Pänz das närrische „Rejalt“.

Kinderdreigestirn erstmals 1965 proklamiert

Sichtbarster Ausdruck war und ist dabei das Kölner Kinderdreigestirn, das erstmals 1965 proklamiert wurde. Narrenherrscher gerade für die Kleinen sollten es sein. Da ist es nur angebracht, dass Proklamation und Auftritte möglichst kindgemäß gestaltet werden. Nach vielerlei Anläufen wurde 2007 wirklich ernst gemacht mit der Idee, bei der Inthronisierung der kleinen Oberjecken die Kinder in den Mittelpunkt zu stellen – und so waren es die jungen Gäste, dieeinmal ganz vorne in der Vorhalle des Karnevalsmuseums ihre „Ehrenplätze“ einnehmen durften. Mittlerweile hat das Festkomitee Kölner Karneval die Proklamation des Mini-Trifoliums sogar ins Theater am Tanzbrunnen verlegt – und über 1000 Pänz machen daraus ein wundervolles Fastelovendsspektakel.

Anleihen aus Fernseh-Formaten

Zunehmend werden gerade, wenn es um Kinderkarneval geht, Anleihen aus anderen „Formaten“ gemacht. Das Fernsehen setzt natürlich die Maßstäbe. In den Zeiten, als die „Mini-Playback-Show“ der Renner im TV war, waren ähnliche Aktionen bei Kinderkostümbällen die Attraktion schlechthin. Statt Playback zu nutzen, singen zum Glück viele Pänz wieder selbst. Auch hier hat das Fernsehen das Vorbild geboten. Die „Superstar“- und „Voice of Germany“-Welle schwappte in die Sitzungssäle. Den Mut und die Unbeschwertheit vieler Pänz, auf die Bühne zu treten und vor Publikum zu singen, belohnen auch die jungen kostümierten Zuschauer gerne mit Applaus. Und ein spontan dargebotenes Wolfgang-Petry-Medley, ein Ballermann-Hit oder ein „Viva Colonia“ aus Kinderkehlen singen auch Oma, Opa, Papa oder Mama gerne mit Kindersitzungen und Kinderkarneval spielen mittlerweile in so gut wie jeder größeren Karnevalsgesellschaft eine entscheidende Rolle: Rote Funken, Ehrengarde, Reiterkorps Jan von Werth, KG Fidele Zunftbrüder, KG Alt-Lindenthal, KG Uhu, KG Müllemer Junge, Große Höhenhauser KG Naaksühle, KG Blau-Weiß Alt-Lunke und viele mehr – sie alle verfügen über Kinderkostümsitzungen, Puute-Treiben oder Pänz-Fastelovend. Das „Publikum von morgen“ hat auch die KG BarbarAnniter im Blickfeld. Ihr Kinderkostümball ist eine Institution im kölschen Fasteleer.

Pänz-Power beim Famillije-Fastelovend

Fast ganz auf „Pänz-Power“ setzt auch Rocholomäus beim Famillije-Fastelovend. Das – natürlich auch hier anzutreffende – Gewusel der kostümierten Kinder wird vom jungen Moderatoren- Team sowie von erfahrenen Jugendgruppenleitern aus der Pfarre St. Rochus im Zaum gehalten. Die wecken in so manchem Pirat oder mancher Prinzessin das Jonglier- oder Gesangstalent. „Kult“ sind Siedewürstchen und Berliner als „Grundnahrungsmittel“ – einmal im Jahr dürfen schließlich auch kleine Karnevalisten ihre gesundheitsbewussten Ernährungsprinzipien über Bord werfen. So werden nicht nur kommende Generationen von Sitzungsbesuchern an die Gesellschaft herangeführt, sondern gleich echte „Rocholomäer“, die sich aktiv in die vielfältigen Aktivitäten einbringen. Beim Mitgestalten und Weiterentwickeln eines kindgemäßen Famillije-Fastelovends fängt es an ...

 

 

               »Statt Playback zu nutzen, singen zum Glück viele Pänz wieder selbst.«

  

 
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