Partner für Sicherheit

Mai 2017 / Interview
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Mai 2017 / Interview 

Erfreulich liest sich die Kölner Kriminalstatistik 2016: je minus 22 Prozent bei Wohnungseinbrüchen und Taschendiebstählen, minus 18 Prozent bei Raubdelikten, minus zehn Prozent bei Diebstählen aus Autos – zudem die wenigsten Straftaten seit sechs Jahren und eine weit höhere Aufklärungsquote.  Polizeipräsident Jürgen Mathies, der vor knapp einem Jahr am 19. Januar 2016 sein Amt angetreten hat, sieht den Rückgang der Straftaten vor allem in der verstärkten Polizeipräsenz begründet, aber auch in einer höheren Effizienz sowie in einer klaren konsequenten polizeilichen Linie .

Wir haben es geschafft, das Vertrauen der Bürger in die Polizei wieder zu verstärken“, sagt Mathies zufrieden. Ein deutliches Zeichen dafür sind beispielsweise rund 300 Anrufe und über 2300 Mails, die das Polizeipräsidium nach der jüngsten Silvesternacht erreichten: Zu 98 Prozent wurde darin Lob über den Einsatz der Polizei geäußert, die im Gegensatz zu den schlimmen Ereignissen im Jahr davor die Lage voll im Griff hatte. „Selten zuvor hat die Kölner Polizei so sehr im Fokus des öffentlichen Interesses gestanden. Heute wissen wir: Unser Konzept ist bei den Menschen in Köln und weit darüber hinaus sehr gut angekommen“,  bilanziert Mathies. Grundsätzlich sei die Kriminalitätsentwicklung in der Domstadt auf einem guten Weg – „die Menschen nehmen die Polizeibeamten wieder positiv wahr und fühlen sich sicher“, sagt Jürgen Mathies. Wichtig sei ein konsequentes Einschreiten bei eventuellen Verstößen – ebenso wichtig sei es, die betreffenden Personen anzusprechen und alle Ermittlungshandlungen bis ins Detail aufzuarbeiten. Dennoch sollte den Beamten stets ein gewisser Ermessensspielraum zur Verfügung stehen. Denn „Null- Toleranz“ führe möglicherweise, so der Polizeipräsident, zu Entgleisungen und zu Angst vor Polizisten. „Die Polizei soll und will allen Bürgern jedoch ein guter Partner für die öffentliche Sicherheit sein.“

Die Arbeit der Beamten würdigen

Ebenso wichtig sei es, den Polizisten auch von offizieller Seite für ihre Arbeit zu danken. „Es ist nicht selbstverständlich, dass Straftäter automatisch gefasst werden oder man rechtzeitig Suizidopfer aus dem Rhein rettet. Deswegen müssen auch die Beamten wissen, dass ich ihre Arbeit würdige und hinter ihnen und ihren Entscheidungen stehe“, meint Mathies. Elementar sei zudem die Tatsache, dass „wir immer mit Menschen zu tun haben. Das bedeutet, dass wir uns als Vertreter der Polizei stets mit wichtigen Netzwerkpartnern wie sozialen Einrichtungen, Sicherheitsinstitutionen oder Streetworkern austauschen, um über Herangehensweisen und mögliche Lösungen zu sprechen.“ Ob am Kölnberg in Meschenich, im Görlinger Zentrum in Bocklemünd, in Chorweiler, Porz- Finkenberg oder an anderen Stellen im Kölner Stadtgebiet – je-derzeit sind die Bezirksbeamten in enger Abstimmung mit ihren Netzwerkpartnern. Nur so sei es möglich, sich entwickelnde Strukturen zu entdecken, die das geltende Strafrecht verletzen könnten. „Einbrecher sind beispielsweise selten Zufallstäter – meist verfügen sie über Erfahrungswissen und wählen sich ihre Objekte gezielt aus. Da bildet sich eine echte Täterstruktur heraus“, berichtet Mathies. Werde eine Einbrechergruppe in Leverkusen gefasst, könnten im Anschluss durchaus – das sei keine Seltenheit – eine Anzahl weiterer Einbrüche geklärt werden. „Allerdings nur, wenn geradlinig und klar ermittelt wird“, so der Polizeipräsident. Die Devise für seine Beamten sei: Hinweise ernst nehmen, konsequent ermitteln, Spuren sichern – „dann ist die Erfolgsquote hoch“. Festnahmen führen laut Mathies regelmäßig dazu, dass oft weitere Straftaten herauskommen.

„Augen-auf-Prinzip“ hilft weiter

Darüber hinaus bittet er die Bevölkerung, stets die Augen offenzuhalten, sensibel mit ungewöhnlichen Dingen umzugehen und im Zweifel die Polizei zu alarmieren. „Unsere jungen Mitarbeiter sind ausgezeichnet ausgebildet – und wenn es den erfahrenen Hasen in der Nase kribbelt, dann ist meistens tatsächlich etwas im Busch“, meint Mathies. Dennoch sei es – gerade in der heutigen Zeit – nicht einfach, „einen guten Job“ zu machen. Vor allem bei Respektlosigkeit und Gewalt gegen Polizeibeamte sei es Aufgabe der Behörde, die „Mitarbeiter auf der Straße“ tatkräftig zu unterstützen. „So eine Samstagnacht auf den Ringen ist nicht leicht – vor allem, wenn zumeist Alkohol im Spiel ist. Meistens sind wir sogar in Vierer- oder Sechserteams unterwegs – zwei Beamte übernehmen die Überprüfung, die anderen sichern ab.“ Deswegen sei es elementar, den Beamten die richtigen Handlungsweisen an die Hand zu geben. Was Jürgen Mathies in seiner jetzigen Tätigkeit zugutekommt, ist sein reichhaltiger und vielseitiger Verfahrungsschatz in fast 40 Dienstjahren im Polizeiwesen. Mehrere Jahre arbeitete er auf Behördenebene als Leiter des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen in Duisburg, war als Vorsitzender einer von der Innenministerkonferenz eingesetzten bundesweiten Projektgruppe für die Erarbeitung der polizeilichen Rahmenkonzeption für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland verantwortlich – und auch der „normale“ Streifendienst ist ihm nicht fremd. Daher kennt er die Problematiken in den verschiedenen Amtsbereichen aus dem Effeff.

Menschen in Ausnahmesituationen

Und er weiß, dass „wir Polizisten bei unserer Arbeit in der Regel auf Menschen in Ausnahmesituationen treffen. Auch für uns ist es oft nicht einfach, schnell und kurzfristig Entscheidungen zu treffen, in denen es manchmal sogar um Leben und Tod gehen kann“. „Dazu ist es wichtig, uns selbst immer wieder zu hinterfragen, ob wir im Einzelfall richtig gehandelt haben. Wenn wir richtig und wasserdicht ermitteln, dann hat die Justiz in Form von Staatsanwaltschaft und Gericht fundierte Grundlagen und kann schneller und effizienter zu einer Entscheidung kommen“, so Mathies. Deswegen sei der gemeinsame Austausch mit dem Amtsgerichtspräsidenten und dem Chef der Staatsanwaltschaft regelmäßig in seinem Terminkalender zu finden, bemerkt Mathies.

Die Polizei sei nun einmal einer der am meisten wahrgenommenen Teile der öffentlichen Verwaltung. „Deswegen sollten wir uns immer wieder aufs Neue einer eventuellen Kritik stellen. Ich sehe das als Zeichen unserer Demokratie und fühle mich dabei nicht persönlich angegriffen – immerhin leben wir einem Rechtsstaat, in dem eine freie Meinungsäußerung herrscht“, so Mathies. Auch in Zukunft wird Mathies weiter an der „richtigen Aufstellung seines Polizeiapparates“ basteln. Als Herausforderung sieht er die geeigneten Reaktionen auf mögliche Gefährdungen durch islamistische Terroristen, die „wir mit größter Aufmerksamkeitpolizeilich sorgfältig behandeln müssen“. Es sei notwendig, Hinweise sehr schnell zu bearbeiten und die Krimina-lität, die die Bürger besonders belastet, intensiv zu bekämpfen. Einbrüche, Taschendiebstähle, Raubdelikte weiter einzudämmen, sei ein vorderes Ziel: „Es muss sich allseits herumsprechen, dass Straftäter in Köln keine Karriereaussicht haben.“ Diese Ziele zu erreichen, sei mit einer weiterhin erhöhten Polizeipräsenz sowie einer Stärkung der operativen Aufgaben zu erreichen. „Dazu werden wir die Videoüberwachungen im öffentlichen Bereich ausbauen, beispielsweise am Hauptbahnhof oder auf den Ringen. Spezielle Multifokuskameras bieten herausragende Möglichkeiten“, blickt Mathies in die Zukunft.

Text: Frank Tewes | Fotos: Thomas Granitzny/MassMedia

 
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http://www.polizei-koeln.de

 

Kurzvita Jürgen Mathies

Geburtsjahr: 1960

Geburtsort: Wuppertal

Familienstand: Verheiratet, zwei Kinder

Rang: Polizeipräsident

Jürgen Mathies trat 1977 in die Polizei NRW ein. Nach der Ausbildung führte sein Weg zur Polizei Köln, wo er von 1980 bis 1992 in unterschiedlichen Bereichen Dienst versah.

Nach dem Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster (ehemals Polizei-Führungsakademie) übte er verschiedene Führungsfunktionen bei der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis und der Polizei Köln aus. Nach einer Verwendung im Innenministerium NRW von 1997 bis 2003 war er Hauptdezernent in der Polizeiabteilung bei der Bezirksregierung Köln. 2006 kehrte er als Einsatzreferent und Vertreter des Inspekteurs der Polizei ins Innenministerium zurück.

Von Januar 2001 bis 2006 war Jürgen Mathies als Vorsitzender einer von der Innenministerkonferenz eingesetzten bundesweiten Projektgruppe für die Erarbeitung der polizeilichen Rahmenkonzeption für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland verantwortlich.

Von Juli 2007 bis zu seiner Berufung zum Polizeipräsidenten in Köln war er Leiter des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen in Duisburg.