Internationale Visitenkarte

März 2016 / Interview
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Internationale Visitenkarte

März 2016 / Interview 

Unbestritten groß waren die Fußstapfen, in die Stefan Löcher trat, als er 2010 die Nachfolge von Ralf Bernd Assenmacher als alleiniger Geschäftsführer der heutigen Arena Management GmbH übernahm und somit Chef der Lanxess Arena wurde, die von so vielen Menschen in der Domstadt noch immer gerne als „Kölnarena“ bezeichnet wird. Allerdings ist manchmal – wie jüngste Ereignisse um die Termindopplung Eishockey/ Handball zeigen – nicht alles langfristig planbar. Auch in solchen Situationen behält Löcher einen kühlen Kopf – ebenso wie seinerzeit sein Vorgänger – und garantiert damit die Arena als internationale Visitenkarte der Stadt.

 

Die Zeit mit Bernd Assenmacher war höchst intensiv – er sprüht geradezu vor Energie und Kreativität“, sagt Stefan Löcher, der seine Tätigkeit im Arena-Management schon Anfang 1999 als kaufmännischer Leiter begonnen hat – mit gerade mal 28 Jahren. Von 0 auf 100 seien alle ins kalte Wasser geworfen worden, erinnert sich der heute 44-Jährige zurück. „Denn es gab ja keine Vergleichszahlen für eine Arena dieser Größe. Zwar brachte ich ein wenig Erfahrung mit – aber was diesen Job betraf, war ich damals sicherlich noch sehr grün hinter den Ohren.“ Eröffnet wurde die Arena offiziell am 17. Oktober 1998 mit einem Konzert von Luciano Pavarotti. Stefan Löcher hat seine Chance genutzt. „Auch wenn wir politisch und finanziell immer einen schwierigen Stand hatten, holen wir heute mit der Arena ein Stück weite Welt nach Köln“, sagt er. Denn Subventionen für den Veranstaltungstempel gibt es nicht. „Wir stemmen alles auf eigene Faust, spürten früher aber stetig den Insolvenzdolch im Nacken.“ Als einen Glücksfall bezeichnet der gebürtige Kalker das Engagement des Spezialchemiekonzerns Lanxess und die damit einhergehende Umbenennung in Lanxess-Arena im Jahr 2008: „Das war für alle Beteiligten – inklusive der Stadt Köln – ein großer Gewinn.“

 

Weltweit in den Top Ten

Seitdem gehört die Arena Jahr für Jahr weltweit zu den Top Ten der Veranstaltungshallen, was die Besucherzahlen betrifft – sie ist Wirtschaftsmotor und Imagefaktor. „Wir sind oft Vermieter, ebenso oft aber auch selbst Einzelveranstalter. Das bedeutet, dass wir ein gutes Gespür dafür haben müssen, was in der Publikumsgunst gerade angesagt ist und was nicht“, sagt Löcher. In zahlreichen Fällen kümmert sich das Arena-Management nicht nur um die Veranstaltungen, sondern auch um das „ganze Drumherum“.

Mit den Konzerten holen wir Menschen aus ganz Europa nach Köln

Bei einer Eishockey-WM beispielsweise – die nächste unter Beteiligung der Lanxess Arena steht 2017 vor der Türe – gehören Hotelbuchungen, Pressebetreuungen für rund 1500 Journalisten aus aller Welt und zahlreiche logistische Herausforderungen zum Tagesablauf. „Da wir oftmals in unserer Arena das einzige Konzert eines Künstlers in Nordrhein-Westfalen oder sogar ganz Deutschland abhalten – wie dieses Jahr Adele, Justin Bieber, Nickelback, Placebo oder The Cure – holen wir Menschen aus ganz Deutschland, ja aus ganz Europa nach Köln“, erklärt Stefan Löcher. Das erfordert ständige Präsenz – „denn wir verstehen uns als Dienstleister“.

Wenn in 20 Tagen insgesamt 18 Shows und Veranstaltungen stattfinden, geht Löchers Team an seine belastbaren Grenzen – ob es sich um Megastars, Eishockey-Spiele oder Firmenveranstaltungen handelt. Steigerungen sind möglich – und nötig Die Messlatte ist hoch – aber Steigerungen sind noch möglich, teilweise sogar nötig. „Bauliche Investitionen zum Beispiel“, erwähnt der Arena-Chef. Neue Attraktionen wie bessere LED-Wände, umlaufende LED-Schriftzüge an den Logen, leistungsstärkere Soundsysteme, aktuellere Licht- und Segeleffekte, änderbare Bühnenausrichtungen – die Liste der möglichen Optimierungen ist lang. Das macht es möglich, Veranstaltungen ungewöhnlicher Art nach Köln zu holen – beispielsweise die „Video Days“ oder das Computerspiel-Event „ESL One Cologne“.

Für die 2017 avisierte Eishockey- WM sind 34 Spiele in Köln geplant.

Mittlerweile ist die Kölner Arena zudem zum „Sporttempel“ geworden – nicht nur, weil die Eishockey-Cracks der Kölner Haie hier ihre Spiele austragen. Die Sportstadt Köln profitiert von Handball-Länderspielen, dem Handball „Velux EHF Final4“, Eishockey-Weltmeisterschaften und demnächst – vielleicht – wieder von höchster Basketball- Kunst, wenn die „RheinStars Köln“ mittelfristig den Aufstieg in die Basketball-Bundesliga anpeilen. Für die 2017 avisierte Eishockey- WM sind 34 Spiele in Köln geplant – inklusive zwei Viertelfinalspielen sowie beiden Halbfinals und dem Finale. „Das wird ein Mega-Event für Köln, zu dem über 500 000 Menschen in unsere Domstadt pilgern, über 30 Prozent davon aus dem Ausland. Und die Fernsehbilder erreichen über eine Milliarde Menschen in 165 Ländern der Erde“, freut sich Löcher schon jetzt.

 

Keine automatische Geldmaschine

„Wir sorgen zwar dafür, dass wir Köln die Welt so manches Mal zu Füßen legen, haben aber oft das Gefühl, dass wir wenig Unterstützung bekommen. Immerhin holen wir mit rund 150 bis 180 Veranstaltungen über 1,5 Millionen Besucher pro Jahr in die Stadt“, sagt der Geschäftsführer. Zum Vergleich: „Landesweit werden Verluste der städtisch betriebenen Veranstaltungsstätten vom Stadthaushalt ausgeglichen. Wir dagegen stemmen unsere Investitionen selbst, erhalten keine Subventionen, nicht einmal eine gewisse Akquisehilfe für Veranstaltungen“, vergleicht Löcher die Kölner Situation mit der mit Steuermitteln finanzierten Konkurrenz im Umland.

Wir sorgen zwar dafür, dass wir Köln die Welt so manches Mal zu Füßen legen, haben aber oft das Gefühl, dass wir wenig Unterstützung bekommen.

Die Lanxess Arena sei nicht automatisch eine Geldmaschine – ihr Betrieb ist teuer und Jahr für Jahr aufs Neue zu stemmen. Zwar habe die Stadtpolitik mittlerweile die immense Bedeutung der Arena für Köln verstanden – das werde aber, so Löcher, meist nur wohlwollend zur Kenntnis genommen. Ausdrücklich lobt er indes die große Unterstützung vom Sportamt der Stadt Köln. „Immerhin haben wir überdies zu den Fußball- Europameisterschaften 2008 und 2012 sowie zur WM 2010 kostenfreies Public Viewing für die Kölner organisiert.“

„Wir machen Köln zur internationalen Sportstadt und zur Konzertstadt“, sagt Arena-Chef Löcher. Die Strahlkraft auf die Stadt sei ausgesprochen hoch: Köln profitiere vom Glanz der Stars – und vom Geld, das die Besucher in Hotels, Restaurants und anderswo in der Stadt lassen. „20 Prozent der Arena-Gäste bleiben im Zusammenhang mit einem Veranstaltungsbesuch mindestens eine Nacht in einem Kölner Hotel. Die Hälfte davon bleibt zwei bis drei Nächte in der Domstadt. Das macht pro Jahr rund 450 000 Hotelübernachtungen“, unterstreicht Stefan Löcher den Stellenwert von Deutschlands größter Multifunktionsarena für die Millionenstadt am Rhein. Ebenso profitieren der Einzelhandel oder der öffentliche Nahverkehr.

Seit Jahren sorgt der Stimmungstempel in Deutz für einen Umsatz von nahezu 600 Millionen Euro in Köln und der Region und ist damit ein enormer Wirtschaftsfaktor. Deswegen sei Löchers Appell an die Stadtpolitik: „Mitgestalten – nicht verhindern …“ Als Betreiber sei das Arena-Management stets auf dem Prüfstand. Denn eine Show müsse immer bis ins kleinste Detail stimmen. „Dafür arbeiten wir sehr hart – in der Regel Tag und Nacht“, berichtet Löcher. Seine eigenen Arbeitstage dauern in Hochphasen durchaus mal 16 Stunden – von acht Uhr morgens bis 24 Uhr in der Nacht. „Das ist eine Frage der Energie – aber ich stehe auch am Wochenende meistens um sieben Uhr morgens auf“, erzählt der Familienvater. Der Grund: Seine Kinder Fee (9) und Piet (7), deren „Kindheit ich nicht verpassen möchte“.

 

Auf dem Laufband Mails abarbeiten

Sich selbst hält er auf dem Laufband fit – „dabei lese ich auf meinem Blackberry und arbeite Mails ab“, lacht er. Doch einen gewissen „Raubbau“ an der eigenen Gesundheit treibe man in einer solchen Position durchaus. „Beim Badminton hatte ich mir mal einen Achillessehnenriss zugezogen – weitergearbeitet habe ich aber trotzdem“, erinnert sich Löcher. Doch wenn die Veranstaltung laufe, die Arena voll sei und das Publikum Spaß habe, dann „gibt mir das die meiste Befriedigung und Kraft zum Weitermachen“.

Löchers persönliche Highlights in der Arena? „Oh, das sind viele“, gibt er zu, hat aber sofort ein paar illustre Namen parat: „Toll fand ich die Konzerte von Barbra Streisand, Tina Turner und U2 – und das siebte Finalspiel der Haie vor zwei Jahren, das sie leider gegen Ingolstadt verloren haben.“ Sehr gerne würde er in den nächsten Jahren die Hochkaräter Jon Bon Jovi, die Rolling Stones oder Bette Midler in Köln sehen.

Blut und Wasser habe er allerdings geschwitzt, als er seinerzeit einen Klitschko-Boxkampf terminlich zugesagt hatte. „Die Haie spielten schlecht und hatten kaum eine Chance auf die Playoff-Teilnahme. Also konnte ich den Boxkampf fest terminieren – doch als die Verträge unterzeichnet waren, fingen die Haie plötzlich an, Spiel um Spiel zu gewinnen“, erinnert sich Löcher. Am Ende erreichten die Eishockey-Cracks die Playoffs, und der Boxkampf fand ebenfalls statt – „das war eine echte Hektik, die Halle innerhalb kürzester Zeit vom einen auf das andere Event umzubauen und wieder zurück“.

Ähnlich war es jüngst in diesem Jahr (Anm. der Redaktion: die Geschehnisse ereigneten sich nach dem Interviewgespräch mit Stefan Löcher), als die Lanxess Arena mit der Terminüberschneidung der Kölner Haie und einem Handball-Länderspiel in die Schlagzeilen geriet. Die Lösung des Dilemmas: Die Haie spielten freitags auf dem Eis – und am nächsten Tag schon warfen die deutschen Handballer ihre Tore.

Wo sich Stefan Löcher in 15 Jahren sieht? „Schwer zu sagen. Jedenfalls weiß ich, dass die Dinge automatisch folgen, wenn jemand gute Leistung zeigt. Bestimmt möchte ich aber mit Mitte 50 nicht mehr so viele operative Aufgaben übernehmen, sondern mehr strategisch arbeiten. Denn ich liebe meinen Job.“

 
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1,5 Millionen Besucher holen wir mit rund 150 bis 180 Veranstaltungen pro Jahr in die Stadt.

 

Stefan Löcher in Person

Geburtsdatum: 18.5.1971
Geburtsort: Köln-Kalk
Verheiratet mit Ehefrau Lisa, zwei Kinder: Fee (9) und Piet (7)

Sein Studium der Betriebswirtschaftslehre schloss Löcher an der Universität zu Köln innerhalb von nur sieben Semestern ab und gehörte damit – ebenso wie mit seinem Prädikatsexamen – zu den herausragenden Absolventen.

Berufliche Stationen

1995 | Berater und Prüfungsleiter für mittelständische Unternehmen und Konzerne im internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG

1999 | Wechsel zur heutigen Lanxess Arena, kaufmännische Leitung

2001 | Berufung in die Geschäftsführung des Arena Managements

seit 2010 alleiniger Geschäftsführer der Arena Management GmbH