Stets Wege finden und nicht blockieren

März 2016 / Specials
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Stets Wege finden und nicht blockieren

März 2016 / Specials 

Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath spricht mit dem Top Magazin über seine Heimatstadt, seine politischen Ziele und seine Visionen

 

Uwe Richrath, Oberbürgermeister Leverkusens

Rund 150 Tage ist Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath im Amt. Politik für diese Stadt macht er seit vielen Jahren – „weil mir Leverkusen am Herzen liegt“. Hier ist der 55-jährige Familienvater geboren und aufgewachsen – und als Oberbürgermeister „möchte ich die Stadt noch aktiver mitgestalten und weiterbringen“. „Großstädte ticken ähnlich“, weiß er – und deswegen ist er in stetem Kontakt zu seinen Amtskollegen in Köln und Düsseldorf.

Großstädte sind ein Anlaufpunkt für junge Menschen. Sie wollen hier arbeiten, wohnen und leben.

„Großstädte sind ein Anlaufpunkt für junge Menschen. Sie wollen hier arbeiten, wohnen und leben. Unsere Aufgabe ist es, ihnen das zu ermöglichen“, formuliert Richrath ein erstes wichtiges Ziel seiner Politik. Unter anderem in den nächsten fünf Jahren rund 1000 neue Wohnungen zu schaffen, hat er sich auf die Agenda geschrieben. 

Stadtentwicklung vorantreiben

„Das ist durchaus realisierbar“, sagt Leverkusens Oberbürgermeister. Baulücken in der Stadt könnten zugunsten neuer Wohnungen  geschlossen, nicht genutzte Flächen für den Wohnungsbau verwendet werden. Entscheidend sei, Wohnraum so zu gestalten, dass er bezahlbar ist. Denn: „In Leverkusen zu leben muss für jeden möglich sein. Preiswerter Wohnraum, Einfamilienhäuser und  Mietwohnungen sollen gleichwertig nebeneinander existieren.“  Die Stadtentwicklung dürfe indes nicht allein privaten Großinvestoren überlassen werden, sondern es sei Voraussetzung, dass die Wohnungsgesellschaften mehr erschwinglichen  Wohnraum anbieten. Mit der Stadtentwicklung verbunden sind entsprechende Kultur-, Sport- und Bildungsangebote. „Wir müssen uns um Fördermittel für zukunftsweisende Projekte kümmern, damit Jung und Alt miteinander leben können.“ 

Weiterhin sei es essentiell, zusätzliche Gewerbeflächen zu definieren, die mittel- und langfristig neue Arbeitsplätze schaffen. „In der City sind die Flächen ausgereizt, aber drumherum gibt es einige Stellen, die nutzbar gemacht werden könnten“, sagt Richrath. Ein gutes Beispiel sei die Bahnstadt Opladen. Über die Stadtgrenzen hinaus müsse bekannt gemacht werden, dass in Leverkusen ein gutes Klima für neue Unternehmen und mutige Geschäftsideen herrscht. Wichtig hierfür seien auch Optimierungen in der Verkehrs- und Dateninfrastruktur.

Intelligent und nahe bei der Sache

Überzeugt sei er davon, so Richrath, dass die Menschen in Leverkusen sehr  realistisch, intelligent und nahe bei der Sache seien: „Sie erkennen die Möglichkeiten, die sich uns bieten, und ziehen gerne mit, wenn es darum geht, die Stadtentwicklung zu  erbessern. Aber sie lassen sich auch nicht an der Nase herumführen.“ Deswegen sei es wichtig, ausschließlich stabile und nachhaltige Konzepte zu erarbeiten, die man sich auch leisten könne. „Nie werde ich etwas versprechen, das ich nicht halten kann“, stellt das Leverkusener Stadtoberhaupt klar.

Die Aufgaben sind größer, die Anforderungen höher geworden, gleichzeitig ist alles viel schneller und professioneller geworden.

Besonderes Augenmerk richtet OB Richrath auf die Entwicklung der Verwaltungsstruktur. Die Verwaltung befinde sich in einem demografischen Wandel und habe gleichzeitig große Aufgaben zu stemmen. „Allein sechs Millionen Buchungen zählen wir pro Jahr – das sind mehr als beim Bayer-Konzern. Die immense Arbeitsbelastung und hohe Aufgabenstellung an die Mitarbeiter führt irgendwann zu einer Überforderung“, meint Richrath, der sich „eine starke Verwaltung“ wünscht. „Meine Verwaltung versucht, Wege zu finden und nicht zu blockieren – auch wenn es mal etwas mehr Zeit beansprucht. Denn leider sind die Verfahrenswege oft zu lang. Das liegt aber nicht an der Verwaltung, sondern an der Gesetzeslage, die wir nicht beeinflussen  können“, sagt der Stadtchef.

Regionalparlament Rheinland

Seine politische Vision: ein „Regionalparlament Rheinland“, ohne dass die Identität der einzelnen Städte verloren geht. Hauptamtliche Politiker, die von den Bürgern gewählt werden, könnten weit professioneller agieren. „Die Struktur der 1970er- Jahre passt heute nicht mehr, denn die Aufgaben sind durch einzelne Kommunen kaum mehr zu bewältigen. Die Aufgaben sind größer, die Anforderungen höher geworden, gleichzeitig ist alles viel schneller und professioneller geworden“, resümiert Richrath. Bei der Frage, was ihn seinerzeit bewogen habe, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren, holt Uwe Richrath kurz aus: „Ich bin ein politisch und gesellschaftlich denkender Mensch – und deswegen sehe ich mich in einer gesellschaftlichen Verantwortung, die ich zu übernehmen bereit bin. Sehr würde ich mir wünschen, dass sich noch mehr Bürger politisch engagieren.“ Da er aus der freien Wirtschaft komme, ticke er sicherlich anders als ein Verwaltungsmann, könne aber Erfahrungen aus seinem bisherigen Berufsleben einbringen.

 
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Vita Uwe Richrath

Geburtsdatum: 1. Januar 1961
Geburtsort: Leverkusen
Verheiratet, 1 Sohn
Beruf: seit 1986 selbständiger Einzelhandelskaufmann und Inhaber dreier Textilgeschäfte

Politische Karriere
2000 Eintritt in die SPD
2004 stellvertretender Vorsitzender des SPD Ortsvereins Rheindorf/Hitdorf – ein Jahr später Vorsitzender (bis 2014)
2009–2015 Mitglied des Stadtrates, Mitglied in diversen Ausschüssen, darunter im Hauptausschuss und Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Planen
2009 Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnungsgesellschaft (WGL)
2014–2015 Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderung Leverkusen (WFL)
Okt. 2015 Amt des Oberbürgermeisters von Leverkusen

Der gebürtige Leverkusener engagiert sich seit Jahren auch im Vereinsleben der Stadt: bei der Arbeiterwohlfahrt, als stellvertretender Vorsitzender von ProPänz, im Förderverein der Schiffsbrücke Wuppermündung, in den Karnevalsgesellschaften Rheindorfer Burgknappen und Fidelio Manfort sowie im TuS 82 Opladen.