Über sieben Brücken musst du gehen …Oder doch über acht?

Dezember 2017 / Historie
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Über sieben Brücken musst du gehen …Oder doch über acht?

Dezember 2017 / Historie 

Mit jeder Brücke ist eine spannende Geschichte verknüpft – ob bauliche Innovation oder historisches Ereignis. Im zweiten Teil der Kölner Brückengeschichte geht es um Deutzer Brücke, Südbrücke und Rodenkirchener Autobahnbrücke.

Die Deutzer Brücke

Von 1913 bis 1915 entstand die Deutzer Hängebrücke als erste reine Straßenbrücke. Sie löste die erste Schiffsbrücke von 1822 ab, die mit nebeneinander im Rhein liegenden Booten, auf denen Holzplanken als Weg dienten, für eine Verbindung zwischen den Ufern von Köln und Deutz sorgte. Die Deutzer Hängebrücke als ihr Nachfolger kam ohne „Schnick-Schnack“ wie Portale oder plastische Elemente aus. Nicht zuletzt, weil die Brücke die Sicht auf das Rheinpanorama nicht beeinträchtigen sollte. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg begann 1947 der Neubau, allerdings ohne Pylone, um auch hier das Kölner Panorama zu erhalten. Eine leicht gebogene, elegante Brücke entstand. Die damals schlankeste Hohlkastenbrücke der Welt wurde zum Vorbild für viele weitere Brücken. Um mehr Straßenbahnen und Autos über die Deutzer Brücke zu bringen, gab es in den 1970er Jahren Überlegungen, die Brücke zu verbreitern. Doch um den Folgen eines großen Verkehrschaos zu entgehen, baute man lieber eine zweite Querung gleich neben die Deutzer Brücke, mit dem Ziel sie später zu vereinen. 1980 wurden dann beide quasi zu einer Einheit „zusammengeschoben“. Beim Unterschreiten der Brücke lässt sich heute noch gut die Nahtstelle der zusammengeführten Rheinüberquerungen erkennen. Übrigens: Im Inneren des neuen aus Stahlbeton gefertigten Teils gibt es drei Räume, in denen Ausstellungen und Konzerte stattfinden.

Die Südbrücke

Überlegungen, den Personen- und Gütertransport auf der Schiene zu trennen, mündeten 1906 in den Bau der der Südbrücke. Der zentrale Hauptbahnhof sollte ausschließlich dem Personenverkehr vorbehalten und der Güterverkehr möglichst aus der Innenstadt ferngehalten werden. Die Königlich- Preußische Staatseisenbahn investierte rund fünfeinhalb Millionen Mark und stellte die als dreiteilige Fachwerkbogenbrücke konzipierte Rheinüberquerung mit zwei Fahrgleisen 1910 in den Dienst. Ab diesem Zeitpunkt verkehrten auf der Hohenzollernbrücke keine Güterzüge mehr. Gleichzeitig errichtete die Stadt an beiden Seiten der Südbrücke Gehwege, deren Unterhaltung und Pflege bis heute in ihrer Zuständigkeit stehen, während die Brücke selbst Eigentum der Deutschen Bahn AG ist. Die Südbrücke überspannt den Rhein mit drei großen Bögen und die Poller Wiesen mit drei kleineren, die als Flutöffnungen dienen. Sie hat eine Gesamtlänge von 536 Metern und eine Gesamtbreite von 14,55 Metern. Wegen ihrer ei- senbahngeschichtlichen Bedeutung, des Stahl-Fachwerkbaus und der noch teilweise erhaltenen Steinbauten steht die Südbrücke mittlerweile unter Denkmalschutz.

Die Rodenkirchener Autobahnbrücke

Köln als Teil eines Autobahnanschlusses, der London und Istanbul über eine in Richtung Skandinavien führende Strecke verbinden sollte? Kaum vorstellbar, dass dies bereits Anfang der 1930er Jahre zu den Plänen gehörte, ein internationales Fernstraßennetz aufzubauen. Mit dem Bau der Rodenkirchener Brücke (1938–1941) entstand die erste Autobahnbrücke über dem Rhein. Und sie löste mit einer mittleren Spannweite von 387 Metern und einer Gesamtlänge von 567 Metern die Mülheimer Brücke als längste Hängebrücke Europas ab. Im Zweiten Weltkrieg überwiegend von großen Panzer-Verbänden benutzt, wurde die damals genannte „Adolf-Hitler-Brücke“ zum beliebten Ziel der Alliierten und stürzte nur vier Jahre nach ihrer Inbetriebnahme 1945 nach einem heftigen Luftangriff ein. Von 1952 bis 1954 wurde sie mit einigen Teilen der zerstörten Brücke, darunter die Pylone, und mit verbesserter Technik wieder aufgebaut. Um dem immer stärker werdenden Verkehr gerecht zu werden, bekam sie in den 1990er-Jahren eine Verbreiterung durch einen Zwillingsbau auf der Nordseite. Durch den Ausbau verfügt die Rodenkircher Brücke heute als Teil der A4 über sechsspurige Fahrstreifen und überspannt die links- und rechtsrheinischen Abschnitte des Kölner Autobahnrings.

 

Die Kölner Rheinbrücken sind imposante Zeichen der Domstadt, und das „Kölner Brückengrün“ ist sogar eine geschützte Farbe. Doch sind sie überdies Zeitzeugen für das Zusammenwachsen der Stadt dies- und jenseits des Rheins – vom ersten Römerbau bis zur Gegenwart.

 
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