»Der Rote Baron«

Dezember 2017 / Historie
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»Der Rote Baron«

Dezember 2017 / Historie 
Vogelperspektive -  Damals auf freiem Feld gelegen: Die Fliegerstation Butzweilerhof

Weithin bekannt ist der Name eines alliierten Jagdfliegers aus dem Ersten Weltkrieg geworden: Manfred von Richthofen (Bild rechts, 1917) alias „Der Rote Baron“ trug seinen Spitznamen sogar bei seinen ehemaligen Gegnern Frankreich und Großbritannien.

Die nannten ihn ebenfalls „le diabolo rouge“ oder „the red baron“. Sein letztes Flugzeug, ein roter Dreidecker vom Typ DR1, wurde von zahlreichen Modellbaufirmen nachempfunden – und sein Flugzeug kann in unzähligen Flugsimulatoren geflogen werden. Sowohl die Luftwaffe der Wehrmacht als auch die Luftwaffe der Bundeswehr haben einem Geschwader seinen Namen verliehen. Die US-amerikanische Comicserie „Peanuts“ hat ihm mit dem Hund Snoopy, der davon träumt als berühmter Jagdflieger in Luftkämpfen mit dem „Roten Baron“ verwickelt zu sein, ein Denkmal gesetzt. Offiziere befreundeter westlicher Luftwaffenverbände tragen zu seinen Ehren den „Red Barons Cup“ im Fußball aus. Und in den USA gibt es eine Pizzaserie „Red Baron“. Aber woher kommt diese Begeisterung für einen Jagdflieger, der vor 100 Jahren lebte und starb? Manfred von Richthofen war mit 81 Abschüssen der erfolgreichste Jagdflieger des Ersten Weltkriegs. Die Bezeichnung „Roter Baron“ erhielt er auf Grund seiner roten Flugzeuge. Allerdings war von Richthofen nie Baron nach heutigem Adelsrecht, sondern Freiherr. Diesen Begriff kannte man in Großbritannien und den verbündeten USA nicht, weshalb sich dort die Bezeichnung „baron“ durchsetzte. Kurz ein Wort zum wohl bekanntesten Flugzeug des Ersten Weltkriegs, dem Dreidecker Fokker DR1. Richthofen wird nur mit der roten Fokker DR1 in Verbindung gebracht. Er flog aber viele andere Flugzeugtypen mit den damals üblichen Tarnfarben, von denen indes nur die letzten drei Flugzeuge das auffällige Rot trugen. Die Fliegerkarriere des „Roten Barons“ begann dort, wo heute nur noch ein Parkplatz zu finden ist: in Cöln auf der Fliegerstation Butzweilerhof am 30. Mai 1915 als Flugbeobachter. Im März 1915 startete hier auch sein Freund Werner Voß, ein weiteres berühmtes Fliegerass, der hier im Februar 1917 als Fluglehrer diente, seine Fliegerkarriere. Wo sie untergebracht waren, ist nicht mehr bekannt.

Unteroffiziere und Mannschaften gehörten zur Flugzeughalle 2. Offiziere waren wahrscheinlich in den Forts II (Longerich), Fort III (Mengenich) oder Fort IV (Bocklemünd) untergebracht. Richthofen schreibt in seinen Erinnerungen an seinen ersten Flug: „Ich fing so sachte an, mir mal die Gegend unter mir anzusehen. Die Menschen winzig klein, die Häuser wie aus einem Kinderbaukasten, alles so niedlich und zierlich. Im Hintergrund lag Köln. Der Kölner Dom ein Spielzeug.“ Somit kommt also nur die Fliegerstation Butzweilerhof in Betracht. Der Rest ist bekannt. Von Köln aus ging es zu weiterführenden Lehrgängen und an die Front und schon bald wurde Manfred von Richthofen zum erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkriegs. Darüber gibt es genug Literatur. Er besuchte seine alte Fliegerschule noch zweimal. Auf dem Weg in das große Hauptquartier machte er auf dem Butz am 1. Mai 1917 einen Zwischenstopp. An diesem Tag trug er sich auch in das Gästebuch der Fliegerstation ein. Am folgenden Tag, dem 3. Mai 1917, an seinem 25. Geburtstag, wurde er von Kaiser Wilhelm empfangen. Auf dem Rückweg zur Front machte von Richthofen am 17. Juni 1917 wieder Zwischenstation auf dem Butzweilerhof in Köln.

Diesmal suchte er begabte Pilotenschüler für seine Jasta 11. Nac

Die Kantine der damaligen Fliegerstation auf dem Butzweilerhof

hdem sein Freund Werner Voß am 23. September 1917 im Kampf gegen sieben britische Flugzeuge im Alter von 20 Jahren abgeschossen wurde, schlug am 21. April 1918 auch für Manfred von Richthofen die Stunde. Während seines letzten Kampfs befolgte er die allgemeinen Luftkampfregeln nicht und verfolgte ein Flugzeug bis über feindliches Gebiet. Dort wurde er von dem australischen MG-Schützen Cedric Popkin vom Boden aus abgeschossen. Der „Rote Baron“ fiel im Alter von 26 Jahren. Die Nachricht über seinen Tod wurde von Frankreich über die Funkstationen der Festung Köln nach Berlin weitergeleitet. Richthofen wurde mit allen militärischen Ehren von den Alliierten begraben. Fünf Jahre später wurde er auf den Soldatenfriedhof in Fricourt umgebettet. 1925 veranlasste die Deutsche Regierung eine Überführung nach Berlin, wo er auf dem Invalidenfriedhof bestattet wurde. Mit dem Ausbau der Mauer durch die DDR im Jahr 1975 wäre sein Grab planiert worden. Daher entschloss sich die Familie von Richthofen, ihn nach Wiesbaden zu überführen, wo er neben seiner Mutter nun seine letzte Ruhe fand. Reste seines berühmten roten Flugzeugs sind in Neuseeland ausgestellt. In seinem MG hatten die Australier, in deren Gebiet der Abschuss stattfand, eine verklemmte Patrone gefunden. Möglicherweise war dies der Grund, warum er nicht schoss, sondern den Gegner weiter verfolgte? 

 
 
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