Die »Hindenburg«  Giganten der Lüfte zu Besuch in Köln

November 2017 / Historie
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Die »Hindenburg«  Giganten der Lüfte zu Besuch in Köln

November 2017 / Historie 

Wenn man von Giganten der Lüfte spricht, sollte dies zuerst den Zeppelin-Luftschiffen LZ 127 „Graf Zeppelin“, LZ 129 „Hindenburg“ und LZ 130 „Graf Zeppelin II“ gelten. Diese Luftschiffe hatten eine Länge von 236 bis 245 Metern – und ihr Luxus sprach für sich. Eine Überfahrt von Europa in die USA kostet damals rund 1000 Reichsmark. Sowohl die „Graf Zeppelin“ als auch die „Hindenburg“ waren öfter zu Besuch in Köln. Denkwürdig war die Propagandafahrt der beiden Luftschiffe, die zusammen vom 26. bis 29 März 1936 über Deutschland fuhren, um für Hitler Werbung zu machen. Am 29. März fuhren sie über Köln. Im Gegensatz zur „Graf Zeppelin“ landete die „Hindenburg“ aber nie in Köln. Aufgrund schlechten Wetters im Sommer 1937 wurde die Deutschlandfahrt von LZ 129 „Hindenburg“ abgesagt. Stattdessen plante die Zeppelin-Reederei eine Fahrt nach New York.

Am Nachmittag des 3. Mai 1937 – vor 80 Jahren – begann die denkwürdige Fahrt im Luftschiffhafen in Frankfurt a. M. Es sollte die letzte Fahrt der „Hindenburg“ werden und das Zeitalter der Luftschiffe beenden.

Die Hindenburg am Butzweilerhof

Printpresse und Rundfunk hatten über die Fahrt der „Hindenburg“ berichtet und auch den Halt in Köln erwähnt. Um das gigantische Luftschiff im Anflug auf den Kölner Flughafen Butzweilerhof zu sehen, begab sich der Kölner Gerhard Suntrop, der schon das Schwesterschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ auf dem Butzweilerhof als Mitglied der Haltemannschaft in Empfang genommen hatte, mit seinen Söhnen Gerd und Heribert in den Park Alhambra an der Merheimer Straße in Nippes. Heribert Suntrop sollte später als Luftfahrthistoriker für Köln die größte Chronik zur Luftfahrtgeschichte einer Stadt erstellen. Auf Grund der Verspätung der „Hindenburg“ entschied der Vater aber, dass es zu spät wurde und die Jungs ins Bett mussten. Da damals die Städte auf Grund des fehlenden Autoverkehrs noch wesentlich ruhiger waren, hörte Heribert Suntrop (neun Jahre alt) im Bett spät abends dann das sonore Brummen der Motoren der „Hindenburg“, die sich über Nippes im Anflug auf den Butzweilerhof befand. Zur selben Zeit wurde in der Nibelungensiedlung in Mauenheim der 15 Jahre alte Ernst Schröder (später Pilot der bekannten Focke Wulf 190 A8 Rote 19 „Kölle alaaf!“) von dem Motorengeräusch wach. Mit seinem Bruder sah er aus seinem Zimmer im Dach des Elternhauses in der Guntherstraße 107 nach Nord- Nord-West über den Longericher Eisenbahndamm auf den Kölner Flughafen Butzweilerhof. Dort stand die „Hindenburg“, wie er berichtete, in etwa 1200 Fuß Höhe (circa 400 Meter) in Süd-Nord- Richtung über dem Butzweilerhof. Wie er noch im hohen Alter erzählte, gingen Scheinwerfer an, in deren Lichtkegel langsam Postsäcke nach unten glitten, vom Flughafenpersonal eingesammelt und auf dem Butzweilerhof nach einem Postverteilsystem weiter verteilt wurden. Einige dieser Briefe sind noch heute im Umlauf und tragen die Poststempel der „Hindenburg“ und des Kölner Flughafens Butzweilerhof vom 3. Mai 1937. Wie Ernst Schröder weiter erzählte, gingen nach einiger Zeit die Scheinwerfer aus, die Motoren drehten hoch und die „Hindenburg“ verschwand in der Nacht.

Explodiert in Amerika

Drei Tage später war die „Hindenburg“ Geschichte. Während ihrer Landung in Lakehurst/USA explodierte sie. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich um einen elektrostatischen Funken, der austretenden Wasserstoff zur Explosion brachte. Der emotionale Livebericht des entsetzen Radiomoderators Herb Morisson ist legendär. Von 96 Passagieren kamen 36 Passagiere durch den Sprung aus dem Fenster oder durch schwere Verbrennungen ums Leben. Einen Tag nach der Explosion erlag auch der bekannte Luftschiffkapitän Ernst Lehmann seinen Verletzungen. Lehmann kannte Köln sehr gut. Er war im September 1914 vom Luftschiffhafen Köln-Bickendorf aus mit dem Luftschiff „Sachsen“ zu einem Angriff auf Antwerpen gestartet und nahm 1927 auch am Kölner Rosenmontagszug auf dem Wagen der im Vorjahr gegründeten Karnevalsgesellschaft „Seiner Tollität Luftflotte“ teil. Als die „Hindenburg“ explodierte, fuhr die „Graf Zeppelin“ aus Brasilien kommend, zurück nach Deutschland. Über Funk wurde die Katastrophe ihres Schwesterschiffs gemeldet. Kapitän Ernst von Schiller (nach dem Krieg Chef der Kölner Häfen- und Güterverkehr) informierte aber nur die Besatzung, um Panik unter den Passagieren zu vermeiden. Diese erfuhren davon erst nach ihrer Rückkehr in Deutschland. Weitere Fahrten wurden abgesagt. Die „Graf Zeppelin“ wurde auf direkten Befehl Görings zuerst stillgelegt, dann – wie ihr neues Schwesterschiff „Graf Zeppelin II“ – verschrottet. Am 6. Mai 1940 wurden auch die gigantischen Luftschiffhallen in Frankfurt gesprengt. 2011 drehte ein Privatsender auf dem Butzweilerhof einen Spielfilm über die Schicksalsfahrt der „Hindenburg“. Ob den Filmleuten bekannt war, an welch historischen Ort sie sich befanden?

 
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Text von Werner Müller

http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de (Rubrik: „1930“)

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