Über sieben Brücken musst du gehen …Oder doch über acht?

November 2017 / Historie
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Über sieben Brücken musst du gehen …Oder doch über acht?

November 2017 / Historie 

Köln am Rhein – Stadt am Fluss. Auf einer Länge von rund 40 Kilometern schlängelt sich der Rhein durch die Kölner Bucht, tritt bei Godorf in die Stadt ein und verlässt sie bei Worringen. Sieben Kölner Brücken – eigentlich sind es acht, denn die Leverkusener Brücke schließt den Kölner Autobahnring im Norden – verbinden die rechte mit der linken Rheinseite. Von Nord nach Süd überspannen Mülheimer Brücke, Zoobrücke, Hohenzollernbrücke, Deutzer Brücke, Severinsbrücke, Südbrücke und

Rodenkirchener Brücke den Rhein. Die älteste Brücke geht indes in die Jahre 310 bis 315 zurück. Um die Abwehrkraft der Stadt zu stärken, ließ Kaiser Constantin I. eine etwa 420 Meter lange Brücke über den Rhein bauen. Die massive Konstruktion bestand aus 15 Steinpfeilern, auf denen eine rund zehn Meter breite Holzstraße auflag. Zur Sicherung der Brücke entstand gegenüber der Stadt auf der rechten Rheinseite ein mächtiges Brückenkopfwerk, das Deutzer Kastell. Nach dem Rückzug der Römer verlor die Brücke im 5. Jahrhundert an Bedeutung und war um 960 nach Christus aus dem Stadtbild verschwunden. Hauptsächlich mit Fähren gelangten die Menschen im Mittelalter ans andere Ufer. „Fliegende Brücken“ – Holzkonstruktionen mit Geländer – sorgten ab 1764 für einen Übergang über den Rhein. Mit stabilem, langem Seil im Flussbett verankert, wurden sie mit einem Ruder zur anderen Seite gesteuert.

Die Mülheimer Brücke
Anlässlich der feierlichen Eröffnung der Mülheimer Brücke 1929 überflog das Luftschiff „Graf Zeppelin“ das Bauwerk

Ab 1888 gab es mit der zirka zwölf Meter breiten Mülheimer Schiffsbrücke – nebeneinander liegende Boote und auf ihnen eine Fahrbahn aus Holzbohlen – eine Möglichkeit, von Köln über den Rhein nach Mülheim zu gelangen. Der Plan, an gleicher Stelle eine feste Brücke zu installieren, mündete in den Bau der Mülheimer Brücke. Bereits 1914 – weit bevor es zum Bau kam – verpflichtete sich die Stadt Köln als Gegenleistung für die Eingemeindung Mülheims eine Verbindung zum Linksrheinischen zu schaffen. Doch erst unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer nahm der Plan 1927 Gestalt an. Die neue Mülheimer Brücke – damals die größte Kabelhängebrücke Europas mit einer mittleren Spannweite von 315 Metern – eröffnete Adenauer am 13. Oktober 1929. Auf seine Veranlassung hin erhielt sie eine patinagrüne Farbe. Mit dem haltbar und wasserfesten „Chromoxydgrün“ werden seither alle Kölner Brücken gestrichen. 1944 sorgte ein Bombentreffer für den Einsturz der Mülheimer Brücke. Doch schon 1949 begann der Wiederaufbau – diesmal als erdverankerte Hängebrücke, bei der 5780 Tonnen Stahl verbaut wurden. 1951 lief der Verkehr wieder über den Rhein. Seit November 2004 steht sie unter Denkmalschutz.

Die Hohenzollernbrücke
Im Eröffnungsjahr 1859: Die aufgrund ihrer Optik im Volksmund Muusfall“ („Mausefalle“) genannte erste feste Rheinbrücke Deutschlands trug den offiziellen preißischen Namen „Dombrücke“. 

Auf beiden Rheinseiten wuchs der Schienenverkehr im 19. Jahrhundert deutlich an. Unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. wurde die erste feste Rheinbrücke Deutschlands 1859 nach vier Jahren Bauzeit als kombinierte Straßenund Eisenbahnbrücke eröffnet: Die damalige „Dombrücke“ bestand aus zwei nebeneinander gebauten geschlossenen Gitterbrücken, was ihr den Namen „Mausefalle“ einbrachte. Für das Überqueren der „Muusfall“ mussten die Passanten zudem eine Brückensteuer entrichten. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die „Mausefalle“ aufgrund des stetig zunehmenden Eisenbahnverkehrs ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Der Bau einer leistungsfähigeren Brücke an gleicher Stelle erfolgte 1907 – mit dem gleichzeitigen Abbau der Mausefalle und der Geburtsstunde der Hohenzollernbrücke, die 1911 ihren Betrieb aufnahm. Sie ist die einzige Kölner Brücke, die nicht den Kriegsbomben zum Opfer fiel. Die Wehrmacht selbst sprengte sie 1945, um den Alliierten den Übergang zu erschweren. 1948 begann der Wiederaufbau der sogenannten Stabbogenbrücke, die seit 1950 eine reine Eisenbahnbrücke ist. 1956 bis 1959 sowie 1986 bis 1987 kamen weitere Fachwerkbögen hinzu, so dass die Hohenzollernbrücke heute über eine sechsgleisige Rheinüberquerung verfügt. Mit einer Gesamtlänge von knapp 420 Metern verbindet sie den Kölner Hauptbahnhof mit dem Deutzer Bahnhof. Über die Brückengleise fahren täglich über 1200 Personenzüge. Das imposante Bauwerk prägt das Kölner Stadtbild und ist bei Touristen – auch Fußgänger und Radfahrer nutzen den Übergang zur anderen Rheinseite – magischer Anziehungspunkt, insbesondere für Verliebte, die an den Brückengeländern Liebesschlösser anbringen und den Schlüssel in den Rhein werfen.

 

 
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