Kölner Luftfahrt: Liesel Bach

Juli 2017 / Historie
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Kölner Luftfahrt: Liesel Bach

Juli 2017 / Historie 

Auch wenn „mann“ sich heute an Frauen als Pilotinnen gewöhnt,hat, war das nicht immer so. Vor allem in den Anfängen der Fliegerei hatten Frauen es nicht leicht: Männer versuchten damals mit den merkwürdigsten Behauptungen, Frauen am Fliegen zu hindern. Die erste Frau, die sich das nicht mehr gefallen ließ, war Mellie Beese, die in Berlin-Johannisthal flog. Hier bildete sie übrigens viele spätere Kölner Piloten aus. In ganz Deutschland begaben sich ein paar Frauen in die Luft. Dazu gehörten heute legendäre Frauen wie Elly Beinhorn, Marga von Etzdorf, Beate Uhse und Luise Hoffmann. Hier im Rheinland war es die Bonnerin Liesel Bach, die den Traum vom Fliegen wahr werden lassen wollte. Im Sommer 1929 landete der Kölner Fluglehrer des Kölner Clubs für Luftfahrt (KCfL), Jakob Möltgen, mit einem Flugschüler in Hangelar. Die 24-jährige Liesel Bach nutzte die Gelegenheit und fragte ihn spontan, ob er ihr das Fliegen beibringen könne. Jakob „Köbes“ Möltgen sagte „ja“ – und der Traum begann.

Jüngste deutsche Pilotin

Am 28. Mai 1930 bestand Liesel Bach die Kunstflugprüfung und konnte am nächsten Tag als jüngste Pilotin an der 1. Deutschen Damenkunstflugmeisterschaft in Bonn-Hangelar teilnehmen. Auf Grund ihres Alters wurde sie nur als Außenseiterin gehandelt. Aber die anderen Teilnehmerinnen und Punkterichter sollten sich gründlich täuschen: Liesel Bach gewann die Kunstflugmeisterschaft und erhielt als Preis einen Opel-Sportwagen sowie eine Freifahrt mit der „Graf Zeppelin“. Noch wichtiger aber war, dass sie jetzt die deutsche Kunstflugmeisterin war. In den folgenden Jahren gewann sie eine Meisterschaft nach der anderen in Europa. Während des Zweiten Weltkriegs flog sie im „Überführungsgeschwader 1“ Flugzeuge von den jeweiligen Produktionsstätten zu den Einsatzgeschwadern. Zu diesen Flugzeugen gehörten das Jagdflugzeug Messerschmidt Me 109, der Sturzkampfbomber Junkers Ju 87, der berühmte Fieseler Fi 156 „Storch“ und diverse andere Flugzeugmuster. Nach dem Krieg war es Deutschen generell verboten, sich mit etwas zu beschäftigen, das mit Fliegerei zu tun hatte. Das umfasste sogar die Konstruktion von Modellflugzeugen. Für die ehemaligen deutschen Piloten war das – natürlich – ein schweres Schicksal. In dieser Zeit wurde Liesel Bach gefragt, ob sie an der internationalen Kunstflugmeisterschaft in Indien teilnehmen wolle. Sie ergriff die für sie einmalige Gelegenheit und flog nach Indien – aus dem „Kurztrip“ sollten letztlich drei Jahre werden, in denen sie das Land bereiste. Im Februar 1951 errang sie auf dem Flugplatz Kanpur bei einer internationalen Kunstflugmeisterschaft den ersten Platz. Den Pokal erhielt sie aus der Hand des indischen Ministerpräsidenten Pandit Nehru. Während ihres Trainings sagte ihr unter anderem Group-Captain Singh zu, eine Spitfire der India-Air-Force fliegen zu dürfen. Einen Tag nach der Kunstflugmeisterschaft machte Liesel Bach auf dem Militärflughafen Chakari bei der indischen Luftwaffe nach einer Einweisungszeit am Boden von zehn Minuten drei Starts und Landungen mit dem legendären englischen Jagdflugzeugs des Zweiten Weltkriegs.

Flug über den Himalaya

Eine weitere vielbeachtete Leistung war, dass sie als erste Frau den Himalaya überflog. Heute kein Problem – damals aber ein fliegerischer Kraftakt. Minister Sir Govind Ballabh Pant lieh ihr dazu seine persönliche Maschine, eine zweimotorige Beechcraft „Expeditor“. Nach Kunstflug-Meisterschaften in Ceylon unternahm sie die Rückreise nach Köln alleine mit ihrem Ford Cabrio mit dem Spitznamen „Bluffy“. Nach ihrer Rückkehr in die Heimat nahm Liesel Bach in den Folgejahren noch an ein paar Flugtagen in Deutschland teil. Am 1. August 1981 wurde in Köln der „Liesel Bach“-Sportfliegerklub e. V. gegründet, dessen Spuren heute im Sande verlaufen sind. In dieser Zeit wurde sie unter anderem Ehrenmitglied im ehemaligen Luftfahrtmuseum Butzweilerhof – also an dem Ort, an dem ihre Karriere begann. Ihre letzte Maschine, eine rot-weiße Klemm Kl 35 mit dem Kennzeichen D-EDOD, hängt heute im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Am 22. Januar 1992 verstarb Liesel Bach 86-jährig in Bandol, und startete von Südfrankreich aus zu ihrem „letzten Flug“. 

 
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Weitere Infos sowie zahlreiche Bilder zu Geschichte und Leben von Liesel Bach sind auf der Webseite des Historischen  Luftfahrtarchivs Köln zu finden: http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de (Rubrik „1920“)

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