Wer waren die Urkölner?

Dezember 2015 / Historie
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Wer waren die Urkölner?

Dezember 2015 / Historie 

Ob Römerturm, das unterirdische Prätorium, Überreste von Wasserleitungen und Stadtmauern oder unzählige Ausgrabungen – die Spuren, die die Römer in ihrer „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ (CCAA) hinterlassen haben, sind noch heute vielerorts sichtbar. Doch wie war das Leben im heutigen Köln, bevor Caesar das Rheinland eroberte? Und wo sind Spuren der „vorrömischen Kölner“ zu finden? Die ältesten Funde, die auf menschliches Leben im heutigen Stadtgebiet hinweisen, sind Werkzeuge aus der Altsteinzeit. Erste befestigte Siedlungen sind durch Funde aus der Zeit der Brandkeramik – der ältesten bäuerlichen Kultur der Jungsteinzeit – belegt. Ausgrabungen im Jahr 1929 zeigten, dass das Gebiet zwischen Hohenlind und dem Stüttgenhof zwischen Ende des 5. Bis Anfang des 4. Jahrtausends mehrfach besiedelt worden sein muss. Vermutlich haben die Menschen ihre Siedlungen verlassen, sobald der Boden nicht mehr ausreichend fruchtbar war und kehrten zurück, wenn sich das Ackerland erholt hatte.

Aufstand der keltischen Ebruonen

Auf verschiedene steinzeitliche Kulturen, die sich vor allem durch Ackerbau, Werkzeuge und Bestattungsriten unterschieden, folgten die Kelten – besser bekannt als Gallier. Sie ließen sich vor allem im Linksrheinischen nieder und waren offenbar auch in der heutigen Innenstadt ansässig. Zum Kelten-Volk zählte der Stamm der Eburonen, der aber nach einem Aufstand gegen die bis zum Rhein vorgedrungenen Römer durch Cäsar und seine Truppen im Jahr 54 vor Christus vollständig ausgerottet war. Direkte rechtsrheinische Nachbarn waren die Ubier, ein germanischer Stamm, der – anders als die wehrhaften Kelten – mit Caesar kooperierte, Handel trieb und die Stammessöhne sogar bei den Römern in die Ausbildung schickte. Diese Strategie brachte die Ubier bei den umliegenden Germanenstämmen, aus denen später die Franken hervorgingen, wie beispielsweise den Cheruskern, den Cugernern, den Usipetern oder den Sugambrern in Ungnade.

Von der „schäl Sick“ auf das Gebiet in der heutigen Altstadt

Dieser Konflikt verleitete den römischen Feldherren (und Schwiegersohn von Kaisers Augustus) Marcus Vipsanius Agrippa dazu, die Ubier auf dem ehemaligen Gebiet der keltischen Eburonen siedeln zu lassen. Hier, auf dem linken Rheinufer, waren sie im „Oppidum Ubiorum“, das heute in etwa auf Höhe der Altstadt liegt, sicher vor Angriffen. Aus dieser Zeit stammt auch das sogenannte Ubiermonument, vermutlich eines der ersten römischen Bauwerke in Köln. Ein Turm, dessen als Gründung verwendeten Eichenstämme erhalten sind und auf die Jahre 4. bis 5. nach Christus datiert wurden. Das Monument südlich des Heumarkts ist nicht nur der älteste Teil der römischen Stadtbefestigung um das einstige Oppidum, sondern auch erlebbare Spur der einstigen Urkölner. An sie erinnert heute der südlichste Teil der Kölner Ringe, der „Ubierring“. Auch einen Ubierweg, nämlich in Gremberghoven, gibt es – und sogar der Eburonen wird mit der Eburonenstraße in der Südstadt gedacht. Erst im dritten Jahrhundert nach Christus gingen die bis dato weitgehend romanisierten Ubier in die Franken über, und der Stamm verschwand vom Rhein. Zahlreiche Ausgrabungstücke aus der Zeit der frühesten Siedlungen am Rhein hält schließlich das Römisch-Germanische Museum der Stadt Köln bereit.

 

 
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