Rückblick 2015/2016

November 2016 / Historie
«

Rückblick
2015/2016

November 2016 / Historie 

Mit Highspeed durch die Session, eine mallorquinische Jungfrau und dann drohte auch noch das fulminante Finale im Rosenmontagszug vom Winde verweht zu werden – für Prinz Thomas II. (Thomas Elster), Bauer Anton (Ulrich Anton Maslak) und Jungfrau Johanna (Jörg Hertzner) war das Motto der fünften Jahreszeit 2016 „Mer stelle alles op der Kopp“ tatsächlich der rote Faden ihrer Amtszeit. „Zwar wussten wir, dass eine kurze Session wie die diesjährige es in sich haben kann, aber im Fasteleer gibt es immer wieder Überraschungen“, fasst Thomas Elster zusammen. Eine dieser Überraschungen war das Dreigestirn selbst. Von Kindesbeinen an befreundet und fest in der Kölner Prinzen-Garde verankert, trat das Südstadt-Trio an, dem ur-kölnischen Brauchtum mit rheinischer Fröhlichkeit Tribut zu zollen. „Wir haben so viel erlebt und unzählige tolle Menschen kennenlernen dürfen. Die rund vier Wochen unserer offiziellen Amtszeit sind viel zu schnell vorbeigegangen, um wirklich alles verarbeiten zu können“, resümiert Bauer Anton. Der Höhepunkt sollte der Rosenmontagszug werden. Noch einmal gemeinsam mit dem jecken Volk feiern. Doch Sturmtief Ruzica näherte sich und fast schien es, als würde der ohnehin schon stürmischen und kurzen Session ein vorzeitiges Ende gesetzt werden und der Rosenmontagszug ausfallen. Doch die mutigen Kölner trotzten dem Wetter und ließen den Umzug ohne Pferde und mit reduzierten Tribünen-Bauten, aber dafür gut gelaunt starten. Zur Belohnung blies Petrus die Wolken davon und ließ die Sonne über Köln erstrahlen. Nicht minder strahlend genoss das Dreigestirn seinen letzten großen Auftritt in dieser Turbo-Session 2016.

Davor waren spannende Wochen mit vielerlei Neuigkeiten im Kölner Karneval vergangen. Neben dem „großen“ Dreigestirn zeigten sich die Pänz vom Kinder-Trifolium bestens aufgelegt. Kinderprinz Luis I. (Flock), Kinderbauer Jannis (Kölschbach) und Kinderjungfrau Fenja (Zitzelsberger) erlebten eine Kinderproklamation im Theater am Tanzbrunnen vor über 2000 Pänz, die „ihr“ Mini-Trifolium ausgiebig feierten. Ebenso präsentierten sich in der Session 2016 erstmals zwei neue Karnevalsgesellschaften ihrem närrischen Publikum. „Et Debüt“ benannten die Damen der im Jahr 2014 gegründeten 1. Damengarde Coeln ihren ersten offiziellen Auftritt im Kölner Karneval. Zuerst begleiteten sie das Dreigestirn in die Hofburg – und danach feierten sie ihre erste eigene Karnevalsveranstaltung im Gewölberaum des Gir-Kellers im Beisein von Prinzen-Garde, Roten Funken, Reiterkorps Jan von Werth und den Treuen Husaren. „Ich könnte die ganze Zeit heulen. Mehr Ehre kann man bei einer Premiere nicht erfahren“, bekannte Präsidentin Elena Navarini. Einen anderen Ansatz hatte die KG Kölsche Sproch. Schon in ihrem Namen hatte sie sich ein hehres Ziel auf ihre Fahne geschrieben: die Erhaltung und Pflege der kölschen Mundart. Die erste Kneipensitzung „Nostalgie op Kölsch“ der neuen KG fand im Dom im Stapelhaus statt. Nostalgisch kölsch wurde es zudem mehrfach in der Session 2016. Ungebrochenen Zuspruch erhielt die ehemalige „Flüstersitzung“, die jetzt unter dem Namen „Fastelovendsmatinee leisen kölschen Tön“ in der ehrwürdigen Flora über die Bühne geht. Zudem hatten die Blauen Funken dort ihr neues Veranstaltungsformat „Funke janz höösch“ angesiedelt – ebenfalls mit vielen leiseren Tönen, die indes urig und hochkölsch daherkamen. Eine weitere Zeitreise in die karnevalistische Vergangenheit unternahmen die Große KG von 1823 und die Große Kölner KG mit ihrer Nostalgiesitzung. Beide Gesellschaften hatten erneut gemeinsam eingeladen, den „Karneval von früher“ wieder aufleben zu lassen – eine Sitzung mit leisen Tönen, „usjestöpselt“ und mit wunderbaren Redebeiträgen. Mit dabei: die Altstars Jutta Gersten und Ludwig Sebus, der „Tuppes vom Land“ Jörg Runge, „Sitzungspräsident“ Volker Weininger und der kölsche Schutzmann Jupp Menth. Mit im Saal feierte Günter Schenk, Autor des Buches „Karneval zwischen Tradition und Kommerz“ aus der Große Kölner Edition. „So ist volkstümlicher Karneval von früher“, lobte er den nostalgischen Gedanken der beiden Kölner Gesellschaften.

Ein weiteres Buch hatte die Jecken des kölschen Fasteleers aufhorchen lassen: „Einmal Prinz … und (fast) zurück“ aus dem Kölner Marzellen Verlag entwickelte sich in der Session zum Bestseller. Mit ihm eröffnete Holger Kirsch, Prinz der Session 2015, einen wunderbaren Blick hinter die Dreigestirns-Kulissen und auf das Leben zwischen Festsaal, Familie und Freude schenken. Denn zum Traum „Einmol Prinz zo sin“ gehört weitaus mehr als gute Laune, Alaaf und Schunkeln. Auf Prinz, Bauer und Jungfrau wartet nach der Proklamation ein straffes Programm aus über 400 Terminen – zahlreiche davon fernab von großen Festsälen und fröhlicher Leichtigkeit in Krankenhäusern, Hospizen und Seniorenheimen. Wie genau sich der Balanceakt im wahren Leben gestaltet, hat Kirschs Ehefrau Christina mit und für ihren Mann im Buch „Einmal Prinz und (fast) zurück“ festgehalten. Erfrischend ehrlich, überraschend offen und mit einer gesunden Mischung aus Humor und Herz erlaubt Familie Kirsch einen Blick hinter die Kulissen des Mikrokosmos Karneval und zeigt, dass die Prinzenrolle nicht nur Ruhm, Rampenlicht und Riesenrummel mit sich bringt. Neues gab’s ebenso an der Veranstaltungsfront. Den Bogen schoss dabei die Bürgergarde „blau-gold“ ab – sieben Tage Non- Stop-Fasteleer. Unter dem Motto „Alarmstufe Alaaf“ und mit zwei neuen Partys hatten die Gardisten ihr Veranstaltungs-Potpourri so erweitert, dass sie nun tatsächlich sieben Tage am Stück im jecken Ausnahmezustand verbrachten. „Weibertanz“ am Mittwoch vor Weiberfastnacht, „Bock op Jeck“ an Weiberfastnacht, „Tschingderassabum“ an Karnevalsfreitag, „Allemannsjeck“ am Karnevalssamstag, Korpsaufzüge an Karnevalssonntag, der Rosenmontagszug und der Dienstagszug in Ehrenfeld – das dürfte ziemlich anstrengend, aber auch oberjeck für alle Beteiligten gewesen sein. Ungewöhnliches vermeldete überdies die Tanzgruppe Kammerkätzchen und Kammerdiener. Die startete nämlich ihre erste Kölner Bus-Sitzung: Die „Hinterbänkler“ – das sind diejenigen, die im Tourbus in den hinteren Reihen sitzen – hatten für die „Vordersitzer“ ein kleines Programm vorbereitet, bevor es zum ersten Auftritt ging – eine jecke Kujaxerei. Als „Präsident“ des sechsköpfigen Schmölzjes hatte sich Alexander Kaschny ausgerufen – samt eigener Narrenkappe, eigenem Motto-T-Shirt, eigenem (aus Bierdeckeln gebastelten) Orden und eigenem Schlachtruf. So rufen die „Löstijen Hinterbänkler“ statt dreimal „Kölle ... Alaaf“ zur Gaudi der „Vordersitzer“ ein dreifaches „Sitz ... Hinge“ aus.

 
Zurück zur Übersicht
Achtung:
neue Anschrift