Die vielen Gesichter der Mutter Colonia

Dezember 2015 / Historie
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Die vielen Gesichter der Mutter Colonia

Dezember 2015 / Historie 

Noch heute – 2000 Jahre nach der Geburt Agrippinas – verehren die Kölner ihre „Mutter Colonia“. Ihr zu Ehren ist bis Ende März 2016 eine Ausstellung unter dem Titel „Agrippina – Kaiserin aus Köln“ im Römisch-Germanischen Museum zu sehen. Gezeigt werden unter anderem eine überlebensgroße Statue der Kaiserin aus Grauwacke, Portraits und Bildnisse ihrer Familie sowie römische Gold- und Silbermünzen mit dem Bildnis Agrippinas. Überdies umfasst die Exposition Werke seit der Renaissance, die die antike Kaiserin als Stadtmutter darstellen und ihre Verankerung in Bild und Brauchtum der heutigen Domstadt verdeutlichen. Mit den Römern hielten nach der Bezwingung der Eburonen und der Verbrüderung mit den Ubiern auch die Gesetze und Gesellschaftsformen des Imperiums Einzug ins Rheinland. So erhielt das Oppidum Ubiorum als zivile Siedlung der Ubier unter römischer Herrschaft ein Straßennetz, einen Schutzwall und zahlreiche Bauten gewissermaßen als „Infrastruktur“.

 

Enkelin von Kaiser Augustus

Auch auf Verwaltungsebene, wie es heute heißen würde, übernahmen die Römer das Zepter. Feldherr Marcus Vipsanius Agrippa, Statthalter von Gallien, zählte schließlich auch das Oppidum zu seinem Verwaltungsgebiet. Bald kamen Feldherren, Politiker und Adelige aus dem gesamten Reich an Rhein, unter ihnen die Enkelin des Kaisers Augustus. Sie brachte am 6. November des Jahres 15 nach Christus eine Tochter zur Welt: Agrippina. Ein Jahr nach der Geburt des Kindes verließ die Familie den Rhein wieder. Kaiser Tiberius, Nachfolger des Augustus, hatte Agrippinas Vater Germanicus, Feldherr über vier kaiserliche Legionen und Statthalter in Köln, in den Osten des Reiches berufen, wo er unter ungeklärten Umständen verstarb. Agrippina wuchs unterdessen am kaiserlichen Hof in Rom auf. Dort brachte sie im Alter von 22 Jahren den späteren Kaiser Nero zur Welt. Nach einigen Querelen mit ihrem Bruder, Kaiser Caligula, und einigen Jahren im Exil auf der Felseninsel Pontia kehrte sie 41 nach Christus zurück nach Rom, wo sie zunächst Gaius Sallustius Crispus Passienus und später ihren Onkel, Kaiser Claudius, heiratete.

 

Vom Oppidum zur römischen Stadt

Bald gelang es ihr, ihre Position am Hofe zu stärken und ihrem Sohn Nero, der sie später töten ließ, die Thronfolge seines Stiefvaters zu sichern. Ihr dritter Mann verlieh ihr schließlich den Titel Augusta, was ihr kaiserliche Ehren einbrachte. Diesen Rang nutzte sie unter anderem dazu, ihren Geburtsort zu fördern und in den Status einer Bürgerkolonie zu erheben, wodurch der nun „Colonia Claudia Ara Agrippinensium“ – das heutige Köln – genannte Ort die Bürgerrechte einer römischen Stadt erhielt. Dies lockte Händler, Handwerker und Veteranen aus dem gesamten Imperium Romanum in die Colonia und verhalf der jungen Stadt am Rhein rasch zu großer Blüte.

So positiv Agrippinas Bild in der Kölner Historie ist, so negativ war ihr Ruf in der Antike. So verbannte ihr Bruder Caligula seine schöne Schwester aus Rom. Nachdem er sie und die beiden Schwestern Drusilla und Iulia Livilla wie Göttinnen hatte verehren lassen, verdächtigte er nach Drusillas Tod die beiden anderen Schwestern, sich mit ihrem Schwager Marcus Aemilius Lepidus gegen ihn verschworen zu haben.

Nach Agrippinas Rückkehr und dem Tod ihres ersten Mannes heiratete sie in zweiter Ehe Gaius Sallustius Crispus Passienus, den sie wenig später vergiftet haben soll – und auch ihre dritte Ehe mit ihrem Onkel Claudius ließ die junge Frau nicht gut dastehen, denn laut Gesetz war solch eine Eheschließung in Rom verboten. Für Agrippina wurde die Klausel geändert. Doch auch diese Verbindung hatte nicht lange Bestand.

Es heißt, Agrippina soll Claudius vergiftet haben, nachdem sie ihrem Sohn Nero die Thronfolge gesichert hatte. In den ersten Jahren übte sie starken Einfluss auf Neros Regierungsarbeit aus, den sie in den folgenden Jahren aber zunehmend verlor. Im Jahr 59 n. Chr. ließ Nero seine Mutter ermorden, da sie versucht haben soll, ihren Sohn durch Verschwörungen und Intrigen zu stürzen

 
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Zum 2000. Geburtstag von Agrippina der Jüngeren zeigt das Römisch-Germanische Museum Köln die Ausstellung „Agrippina – Kaiserin aus Köln“ mit hochkarätigen Leihgaben. Die Ausstellung, entstanden in Kooperation mit dem Generalkonsulat der Republik Italien und dem Italienischen Kulturinstitut in Köln, kann bis zum 28. März 2016 besichtigt werden.

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