120 Jahre Kino in Köln

Oktober 2016 / Historie
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120 Jahre Kino in Köln

Oktober 2016 / Historie 

Verglichen mit Berlin war Köln Ende des 19. Jahrhunderts ein Dorf. Doch bei einer entscheidenden Entwicklung waren die Kölschen der Hauptstadt voraus – zumindest einige Tage: Denn am 16. April 1896, also vor nunmehr 120 Jahren, lernten in Köln die Bilder das Laufen. Schokoladenfabrikant und Technikliebhaber Ludwig Stollwerck hatte in London die Brüder Lumière kennengelernt und kurzerhand die Deutschland-Lizenz für den „Cinématographen“ erworben, Filmkamera und Projektor in einem. An besagtem Tag führte Stollwerck die neue Errungenschaft in der Kantine seiner Fabrik vor. Vier Tage später kam die breite Kölner Gesellschaft in den Genuss. In seinem Automatenmuseum am Augustinerplatz 12 – heute ein Parkhaus – zeigte der Pionier zwölf Kurzfilme von je 50 Sekunden für Eintrittskarten gegen Geld. Das war die Geburtsstunde des Kinos in Deutschland.

Das „neue Medium“ Film

„Wie neu das Medium Film war, kann man schon daran ablesen, dass der Anzeigentexter keinen treffenden Namen dafür fand“, schreiben Marion Kranen und Irene Schoor vom Verein „Köln im Film“ in ihrem neu erschienenen Buch „Kino in Köln“. Tatsächlich kündigte eine Anzeige im Kölner Stadt-Anzeiger (damals noch Werbebeilage zur überregional erscheinenden „Kölnischen Zeitung“) die Deutschlandpremiere als „Lebende Photographie“ oder „Schnellphotographie“ an. „Zweifellos wird der Apparat hier in Köln großes Aufsehen erregen“, verhieß ein Reporter am Tag nach der Aufführung. Er behielt recht. Bereits einen Monat später entstanden die ersten Filme in und über Köln. Sie zeigten Menschen auf dem Domvorplatz und eine Zugeinfahrt im Hauptbahnhof. Doch bis es ein erstes festes Kino in Köln gab, dauerte es noch einige Jahre. Die ersten Filmvorführungen waren Wanderkinos. Sie spielten in Varietés oder Theatern und auf Jahrmärkten oder Veedels- Schützenfesten. Auch in Ladenlokalen, Kneipen und Wohnungen fanden plötzlich Filmvorführungen statt.

Erstes „richtiges Kino“ im Jahr 1906

„Vom ersten festen Kino in Köln können wir ab 1906 sprechen“, sagt Marion Kranen. 1906 öffnete das Welt-Kinematograph an der Schildergasse. Im gleichen Jahr entstanden sechs weitere Kinos. Der erste Kinoneubau war 1912 das „Moderne Theater“ auf der Breite Straße. Mit den Neubauten war die Ära der Lichtspieltheater angebrochen. Die neuen Kinos lockten ihre Zuschauer mit einer alles überstrahlenden Lichterpracht nach Innen. Da es die Zeit des Stummfilms war, begleiteten Orchester das Geschehen auf der Leinwand. In kleineren Häusern gab es einen Orgelspieler, einen Geiger oder ein Grammophon. Ihre Höchstzeit erreichten die Kölner Kinos in den 1950er-Jahren. Damals begannen auch Süßwarenhersteller und Gastronomen, die Kinos für sich zu entdecken und im Foyer Schokolade zu verkaufen oder Milchbars zu eröffnen. 1959 existierten in Köln 89 Kinos; heute sind es noch ein knappes Dutzend. Mit dem Beginn des Fernsehprogramms in den 1960er-Jahren versuchten sich die Kinos zu retten, indem sie die ehemals großen Säle in viele kleine unterteilten, um ein vielfältigeres Programm zeigen zu können. Die so genannten Schachtelkinos entstanden. Doch in den 90er-Jahren verabreichten die Multiplexkinos Cinedom und UCI in Hürth den schlussendlichen Garaus. Viele Kinos schlossen, manche wurden in ein Pornokino umgewandelt.

Kino ist wieder „salonfähig“

Obwohl inzwischen mit Streaming-Anbietern wie Netflix noch weitere Konkurrenz aufgetaucht ist, scheint inzwischen eine Gegenbewegung eingesetzt zu haben. Als Komfort-Kino bereichert das Residenz am Kaiser-Wilhelm-Ring wieder die Kölner Kinolandschaft; vergangenes Jahr öffneten sich die Vorhänge in der ehemaligen Lupe 2 am Mauritiussteinweg erneut, nun unter dem Namen Turistarama. Der ehemalige UFA-Palast (später Filmpalast) soll nach Renovierung bald ebenfalls wieder im früherem Glanz erstrahlen. Das Rex am Ring soll laut Köln im Film e. V. vermutlich noch dieses Jahr wiedereröffnet werden. 120 Jahre nach der ersten Filmvorführung in Köln. Anlässlich des Jubiläums erinnern der Verein „Köln im Film“ und das Kölnische Stadtmuseum mit einer Ausstellung an die Geschichte des Kinos in Köln.

1955 „Sissi“ lief im ein Jahr zuvor wiedereröffneten Capitol an, dessen neuer Betreiber Hans HerbertBlatzheim übrigens mit Romy Schneiders Mutter Magda Schneider verheiratet war. Das an gleicher Stelle befindliche und im Zweiten Weltkrieg zerstörte erste Capitol Lichtspieltheater eröffnete bereits 1929 mit einer Kapazität von 2035 Sitzplätzen und verfügte über einen Orchestergraben.

 

Buch: „Kino in Köln – Von Wanderkinos, Lichtspieltheatern und Filmpalästen“

| Autorinnen: Marion Kranen, Irene Schoor | Emons Verlag, Köln

Ausstellung: „Großes Kino! 120 Jahre Kölner

Kinogeschichte“ bis 6. November im Kölnischen Stadtmuseum

Weitere Informationen: www.koeln-im-film.de

 
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Köln Historisch 

Die Serie „Köln Historisch“ im Top Magazin zeigt Begebenheiten und Ereignisse längst vergangener Geschichte der Domstadt. Sie stellt dar, was Köln durch die Jahre und Jahrhunderte bewegt und teilweise geprägt hat. Teil 9 der Serie der Serie berichtet über die mittlerweile 120-jährige Kinogeschichte in Köln.

 

 

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