Vom Kloster zum Klinik-Zentrum

September 2015 / Historie
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Vom Kloster zum Klinik-Zentrum

September 2015 / Historie 

Wie Napoleon den Grundstein für die Kölner Kliniken legte und „et Bürjerspidöölche“ zum wichtigen Gesundheitsdienstleister der Region wurde.


Mit der Versorgung von jährlich rund 180 000 Patienten durch über 4300 Mitarbeiter an drei Standorten sind die „Kliniken der Stadt Köln“ einer der wichtigsten Anbieter in Sachen stationäre Gesundheitsdienstleistung in der Region. Dank umfassender, moderner Behandlungsmöglichkeiten sowie konstanter Weiterentwicklung im Bereich Forschung und Lehre genießen das Krankenhaus in Holweide, das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße sowie das Krankenhaus Merheim hohes Ansehen bei Patienten und Medizinern. 

Grundstein für den Erfolg sowie für maßgebliche Weiterentwicklungen bei der medizinischen Fürsorge bildet ein Beschluss aus der Zeit Napoleons. Unter dessen Herrschaft setzte in Europa eine Säkularisierungswelle ein – also eine Hinwendung zu weltlichen Werten, weg von der Vormachtstellung der Kirche.

Auch vor dem Erzbistum Köln machte die Bewegung nicht Halt. Links- wie rechtsrheinisch wurden mit Ausnahme der Bistümer und Pfarreien fast alle geistlichen Einrichtungen aufgehoben und ihr Besitz dem französischen Staat übertragen. Aachen galt nun als neues Bistum, die Klöster im Kölner Stadtgebiet wurden teils als Staatsgebäude übernommen, teils meistbietend versteigert.

So ging das Kloster St. Cäcilien im Juli 1805 mit einem Dekret Napoleons offiziell an die Hospitalverwaltung der Stadt über. In den Räumlichkeiten des Damenstifts der Augustinerinnen, der hier seit 1474 ansässig waren, entstand das Bürgerhospital und somit das erste Kölner Krankenhaus. Gut 30 Jahre später hielt erneut ein Schwesternorden Einzug in das Gebäude. Diesmal waren es Schwestern aus den Cellitinnenklöstern in der Kupfergasse und der Antonsgasse. Mit ihrem Plan, die Nonnen als Pflegerinnen zu gewinnen, erhoffte sich die Armenverwaltung eine Besserung der Zustände im Bürgerhospital.

Trotz Widrigkeiten meisterten die Cellitinnen die Herausforderungen der stationären Krankenpflege mit großem Engagement. Um 1840 zählte das Hospital etwa 280 Plätze für Invalide und rund 150 für Kranke, aber nur 13 Pflegerinnen. Bald schon wurde der Bau eines neuen Krankenhauskomplexes notwendig, und so entstand zwischen 1843 und 1847 am Neumarkt „et neue Bürjerspidöölche“ nach Plänen des Stadtbaumeisters Johann Peter Weyer. Die mittelalterliche Stiftskirche St. Cäcilien wurde als Krankenhauskirche in den Komplex integriert.

Noch während des Zweiten Weltkrieges lief hier ein regulärer Krankenhausbetrieb. Erst ein Bombenangriff im Mai 1942 setzte dem ein Ende. Die medizinische Versorgung im zerstörten Köln gewährleisteten zunächst verschiedene kleine Häuser im gesamten Stadtgebiet, bevor 1946 auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts in Ostheim das Merheimer Krankenhaus eröffnete. Im Jahr 1962 nahm das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße seinen Betrieb auf, und zehn Jahre später vervollständigte das Krankenhaus Holweide das Klinik-Trio. 

Auf dem ursprünglichen Grundstück des Klosters St. Cäcilien stehen heute das Rautenstrauch-Joest-Museum sowie die Volkshochschule, und bereits seit 1956 befindet sich in St. Cäcilien das städtische Museum Schnütgen für mittelalterliche Kunst. 

www.kliniken-koeln.de

  • Wenig Pflegepersonal für viele Patienten und Invalide: Ein Krankensaal in der chirurgischen Männerabteilung der Klinik Lindenburg um 1910.
  • Für seine Zeit hochmodern: Ein Röntgenzimmer in der Lindenburg (1919).
  • Schon damals gab es separate Kliniken für die Kleinsten: Krankenzimmer im Freiherr von Oppenheim'schen Kinderhospital in der Buschgasse
  • Früheres Bürgerhospital am Neumarkt, gegründet 1805 während der Säkularisierungswelle im Rheinland.

Neue Dachmarke etabliert

Die Kölner Kliniken sind nicht nur wissenschaftlich und medizinisch stets auf dem neuesten Stand. Auch die Themen Öffentlichkeitsarbeit und Außendarstellung sind für ein derart großes Unternehmen unverzichtbar. Um die Dachmarke „Kölner Kliniken“ in der Kommunikation zu verdeutlichen und zugleich die medizinischen Kompetenzen der drei Krankenhaus-Standorte des Verbundes hervorzuheben, präsentierte die gGmbH nun ihr neues Logo und den Claim „Beste Medizin für alle“: das ehrgeizige Ziel und das Selbstverständnis der städtischen Krankenhäuser.

„Durch das typisch kölsche Rot wird im neuen Logo die Verbindung ‚Kölner Medizin‘ hervorgehoben. In unserer Kommunikation werden wir diese Formulierung bewusst stärker besetzen und damit unsere medizinische Kompetenz verdeutlichen“, so Roman Lovenfosse- Gehrt (Bild, r.), Geschäftsführer Kölner Kliniken gGmbH, und der Klinische Direktor Prof. Dr. Horst Kierdorf (l.).

 
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Köln Historisch

Die Serie „Köln Historisch“ im TOP MAGAZIN zeigt Begebenheiten und Ereignisse längst vergangener Geschichte der Domstadt. Sie stellt dar, was Köln durch die Jahre und Jahrhunderte bewegt und teilweise geprägt hat. In Teil 5 der Serie geht es um die Entstehung der städtischen Kölner Kliniken, wie zum Beispiel des früheren Bürgerhospitals am Neumarkt, gegründet 1805 während der Säkularisierungswelle im Rheinland.

 

Bildnachweis:
Kliniken der Stadt Köln (aus „Kölner Krankenhaus-Geschichten“)

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