Stein-Zeit Die Schönheit von blankem Beton

August 2016 / Fotoessay
«

Stein-Zeit
Die Schönheit von blankem Beton

August 2016 / Fotoessay 

 

Solche Unkenrufe hat wohl jeder Kölner schon einmal gehört: „Die grauen Betonbauten der Nachkriegszeit verschandeln das Stadtbild.“ Vor allem mit Blick auf die Universitätsgebäude, die Stadtbibliothek am Neumarkt oder    das Amtsgericht an der Luxemburger Straße fällt es vielen Bürgern schwer, der Kritik zu widersprechen. Und doch spiegeln gerade diese Bauten eine wichtige und prägende Phase der Architekturgeschichte wider: den Brutalismus. Der Stil, für den fensterlose, rohe Betonfassaden, kantige Konstruktionen mit ineinander verschachtelten Kuben und der Mix mit groben Materialien wie Stein, Ziegel oder Metall charakteristisch ist, entwickelte sich im Aufschwung der frühen 1950er- Jahre und blieb rund 30 Jahre populär. Der Spiegel schrieb im November 1967: „Rau und rissig – zornige Architekten machen Front gegen die gläsernen Fronten. In der Ära stahldurchwobener Rasterfassaden rufen sie eine neue Stein-Zeit aus.“ So schien der Name Programm zu sein. Die Bezeichnung „Brutalismus“ geht auf das französische „béton brut“ (roher Beton) zurück. Nun hat die akademische Forschung den lange verschmähten und scheinbar unattraktiven Stil in den Fokus genommen. Nach und nach definiert sich der architektonische Wert der spätmodernen Gebäude, Erhaltungsstrategien werden entwickelt und einige der „Groß-Skulpturen“ stehen bereits unter Denkmalschutz. Wer also mit offenen Augen durch die Stadt geht, sollte am Unicenter, am Flughafen oder in den Wohnblöcken Chorweilers einen Moment verweilen und genauer hinsehen, denn die Gleichförmigkeit der Fassaden besitzt durchaus ästhetische Qualitäten.

www.seelbachfotografie.de

 
Zurück zur Übersicht
Mehr faszinierende Fotos über die Kölner
Stein-Zeit in der Top Köln E-Magazin-Ausgabe –
jetzt im Apple Store
(Preis: 1,99 Euro).
Achtung:
neue Anschrift